Schade wie diese großartige Idee von B. Hanning hier von einigen zerredet wird mit teilweise hanebüchenen Argumenten bzw. Annahmen.
Grundsätzlich geht es doch um Folgendes: Den Nachwuchsspielern, die in ihren aktuellen Vereinen und auf ihren Positionen noch keinen festen Kaderplatz haben, sondern irgendwo auf den Kaderplätzen 17 bis 21 (oder so) gelistet sind, Spielzeit auf höchstem Niveau zu ermöglichen. Denn: Genau das brauchen sie, Spielzeit auf höchstem Niveau. Die bekommen sie aber nicht hier bei uns. Ins Ausland wollen viele mit 19 oder 20 nicht, kann ich sogar verstehen. Juri Knorr und Jannek Klein waren da lobenswerte Ausnahmen.
Die Realität in den Vereinen der 1. Liga sieht doch aktuell so aus: Als Nachwuchsspieler bekommst Du nur dann eine Chance auf nennenswerte Spielzeit, wenn dein gesetzter Positionskollege sich langfristig verletzt. Und selbst dann (bei Verletzung von Stammspielern) reagieren viele Vereine mit Nachverpflichtungen, anstatt dann wirklich auf den Nachwuchs zu setzen. Also, wie gibt man denn dann seinen Nachwuchsspielern Spielzeit auf höchstem Niveau hier in der stärksten Liga der Welt? Da ist doch so ein Vorschlag die optimale Lösung! Aktuell landen viele Nachwuchsspieler in der 2. oder 3. Liga. Das ist meiner Ansicht nach nicht die Optimalförderung, optimal ist nur 1. Liga, und am besten auch außer Konkurrenz, weil sie dann Fehler machen dürfen und neue Bewegungen, Würfe etc. unter Wettkampfbedingungen ausprobieren können. Fehler machen und daraus zu lernen ist absolut notwendige Bedingung um Weltklasse werden zu können. Dazu zwei Zitate:
Boris Becker: "Ich habe aus meinen Niederlagen viel mehr gelernt als aus meinen Siegen."
Michael Jordan: "I failed over and over again in my life, and that is why... I succeed."
Zum Handball: Warum sind denn Leute wie Gidsel, Pytlick etc. mit 22/23 schon anerkannte Weltklasse? Bestimmt auch weil sie in ihrer heimischen Liga ihr Talent zwischen 19 und 22 ausreichend entwicklen konnten, mit viel Spielzeit in ihren dortigen Vereinen in der 1. Liga.
Und genau das bekommen die deutschen Nachwuchsspieler hier in unserer heimischen Liga viel zu wenig: Möglichkeiten sich zu entwickeln auf höchstem Wettbewerbsniveau! Diese sogenannte Anschlussförderung zwischen 19 und 22 ist bei uns das Problem. Das lösen andere Nationen viel besser. Wir haben auch die Talente bis zum Übergang in den Erwachsenenbereich, sieht man an immer wieder erfolgreichen Jugendnationalmannschaften. Natürlich kann nicht jeder Jahrgang einen Titel holen, ist wohl jedem klar.
Bei uns ist aber die optimale Anschlussförderung im normalen System für die Erstligavereine wegen des Erfolgsdrucks gar nicht möglich. Da ist doch dieser Vorschlag ohne diesen Druck super! Die Dänen haben außerdem das Playoff-System, bedeutet also in der ersten Saisonhälfte haben Fehler nicht solche drastischen Auswirkungen. Bei uns hier kann jeder verlorene Punkt der Unterschied zwischen Abstieg und "Drinbleiben" bzw. Europokal (CL) und "Niemandsland" der Tabelle bedeuten, was wiederum enorme Auswirkungen auf Budget und Kaderplanung bedeuten kann. Absolut verständlich, dass die meisten Erstligavereine das Risiko auf Nachwuchs zu setzen, nicht eingehen wollen. Jeder Fehler kann enorme Auswirkungen haben.
Ich kann auch das Argument von F. Bohmann nicht nachvollziehen. "Die besten Talente abgeben an einen Konkurrenten..." Aber die besten Talente spielen doch oft gar nicht! Und man gibt sie nicht ab, man verleiht sie nur. Verleihen bedeutet, man bekommt sie auf jeden Fall zurück! Die verleihenden Vereine werden das auch als nicht verhandelbar in die Vereinbarung mit Potsdam reinschreiben, ist doch total logisch und klar! Aber der verleihende Verein bekommt dann einen gut bis sehr gut ausgebildeten Spieler wieder zurück. Damit ist doch dann allen geholfen, den Vereinen, den Spielern und dem DHB! Und das entkräftet doch auch die Annahme, dass B. Hanning das aus Eigennutz vorschlägt. Wenn von Anfang an "Leihe" drauf steht, kann er nicht einfach für die Füchse abwerben. Punkt!
Zur Finanzierung: Möglicherweise lässt sich ja noch für dieses sehr ehrenwerte Vorhaben bei dem ein oder anderen bestehenden Sponsor etwas mehr Geld rausholen. Mit dem vorgeschlagenen Trainer Martin Heuberger kann man vielleicht etwas sparen, weil der meiner Kenntnis nach sowieso hauptamtlich beim DHB beschäftigt ist. Und vielleicht kann man im Zuge des Leihgeschäfts auch einen Teil der Gehaltskosten der Spieler von den verleihenden Vereinen bekommen, fände ich logisch. Sie bekommen ja einen besseren Spieler wieder zurück!
"Butter bei die Fische"... um wen geht es vermutlich?
Nicht um die aktuellen U21-Weltmeister, die schon feste Kaderplätze haben und ihren Vereinen auch sehr regelmäßig spielen. (Späth, Uscins, Fischer, Scholtes, Sauter, Lichtlein, Häseler, Pregler, vielleicht noch ein paar mehr)
Praktisches Beispiel: Max Beneke. Wieviel Spielzeit wird der nächste Saison bei den Füchsen bekommen mit Gidsel und Wiede vor ihm? Nicht schwierig zu erraten... Der wäre ein Super Kandidat für Potsdam in der 1. Liga.
Oder: Connar Battermann und Henri Pabst, beide Juniorennationalspieler vom THW Kiel, wieviel Spielzeit bekommen die in der 1. Liga? Geht gegen null...
"Der THW Kiel ist kein Ausbildungsverein." Zitat V. Szilagi
Oder auch: Marvin Siemer (Füchse) und Tim Gömmel (Erlangen), beide Elitekader-Spieler beim DHB. Wie sind deren Einsatzchancen auf Profiniveau?
Mika Sajenev: Hat der schon einen neuen Verein?
Fritz-Leon Haake vom SC Magdeburg. Chance auf Spielzeit beim SCM: Null!
Höchstens Training...
Aber Training und Spiel sind Welten voneinander entfernt!
Sind nur ein paar Beispiele, die mir einfielen...
Zum Schluss noch ein Glückskeks-Spruch:
Wer nicht will, findet Gründe bzw. Ausreden. Wer will, findet Wege bzw. Lösungen. No offense!