Beiträge von Germanicus

    Nach sieben guten Spiele hat man in Leverkusen wieder die Katastrophe erlebt. Dabei hat es nicht so angefangen: nach 12 Minuten war es 9-4, und sah wie ein Kantersieg aus. Vielleicht lag das Problem genau daran: nach dieser Erfolgsserie und diesem Anfang dachten die Spielerinnen nicht daran, dass dieses Spiel noch zu verloren ist? Weiß ich nicht. Fakt ist, dass die Elfen in den nächsten zwanzig Minuten nur zweimal getroffen, und wenigstens sechs klare Chancen verworfen haben. In den ersten Minuten der zweiten Halbzeit hatte Oldenburg bereits eine sechs-Tore-Führung, die Leverkusen nicht mehr abbauen konnte.
    Bei Amelie Berger hat man gesehen, warum das Spiel nicht auf eine 19-jährige aufgebaut werden soll, bzw. kann. Sie traf zwar viermal, was nicht schlecht klingt, brauchte aber dazu ca. zehn Würfe - ziemlich schlechte Chancenauswertung. Ja es ist so, ich möchte sie keineswegs als Sündenbock einstellen, bei einer Mädchen ihres Alters ist mehr nicht zu erwarten, es ist in Ordnung so. Und übrigens hat man auch mit ihrer schwachen Leistung, und mit einer zwanzigminutigen Pause (9-4, und zwanzig Spielminuten später 11-15) 27-mal getroffen, und das hätte reichen können, bzw. müssen.
    Man darf gegen eine Mannschaft wie Oldenburg nicht 31 Gegentore kassieren. In der eigenen Halle sogar auf keinen Fall. Die Abwehr funktionierte heute gar nicht. Ich vermute, nach der klaren Führung nahm die Konzentration ab, und konnte nicht mehr zurückgeholt werden. Das sonst so starke und verlässliche Duo von Jenny Karolius und Sally Potocki war nicht erkennbar, und hinter ihnen hielt Katja Kramarczyk so gut wie keinen Ball. Hätte Branka Zec in den letzten Minuten der ersten Halbzeit nicht sechsmal in Folge pariert, ohne ein Gegentor kassiert zu haben, hätte Oldenburg das Spiel bereits vor der Pause für sich entscheiden können. 17 Gegentore in der zweiten Halbzeit. Unfassbar. Klar, darunter viele Tempogegenstőße, die eher Fehlern im Angriff zeigen, als eine schwache Abwehr. Zu viele verlorene Bälle, und zu wenig Rückzug. Zurücklaufen ist das Schlüsselwort im Handball heutzutage, davon haben wir aber heute wenig gesehen.
    Also, gratuliere Oldenburg, sie haben daran geglaubt, dass sie das Spiel gewinnen können, haben dafür gekämpft, und es geschafft. Glückwunsch!
    Ich denke auch nun, dass von diesen beiden Leverkusen die bessere Mannschaft ist. Im Sport reicht es aber nicht, besser zu sein, man muss es Woche für Woche nachweisen können. Schade, dass die Mädels es heute nicht einmal richtig versucht haben.

    Ich war, ehrlich gesagt, kein großer Fan von Amelie Berger - jedenfalls nicht sportlich.
    In den letzten zwei Spielen zweimal sehr gute Leistung, sehr schön. Aber, die beste: wenn eine 19-jährige in so einem Spiel in der allerletzten Sekunde die Entscheidung auf sich nimmt, und es schafft, muss man den Hut ziehen.

    Hast du dazu auch noch eine Einschätzung parat? :hi:


    (Vollname: Júlia Hársfalvi, geb. Nov. 1996).
    In dieser Saison spielt sie in Debrecen, ich habe nur einige Spiele dieses Vereins gesehen. Früher hat ihr Spiel mir gefallen. Sie war nie Auftaktspielerin, es ist aber mit 18-19 auch eine große Ehre, in einer der besten Mannschaften der Welt (Győr, nämlich), ab un zu eingewechselt zu werden, und die Aufgaben zuverlässig zu lösen. Keine auffälige Fähigkeiten, dafür aber eine sehr gute Moral, und verlässliches Spiel.
    Mal sehen wir, ob es wirklich sie ist.

    kommende Saison hat das Team ein anderes Gesicht ,neue Spielerinnen /Trainer- es zählt jetzt (Kopfmässig ) nur Final 4


    Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass Leverkusen heute ganz gut gespielt hat, kämpferisch, und es gab einige sehr gute Leistungen. Damit meine ich vor allem Jenny Karolius, aber auch Sally Potocki und Amelie Berger waren überzeugend. Es gefällt mir sehr, wenn diese Mannschaft so spielt. Super Abwehr, schöne Aktionen im Angriff. Ja, der Titel wäre auch so nicht erreichbar, vielleicht das Podium schon, aber auch dafür müsste diese Mannschaft eine Saison lang konstant so spielen und auch noch ein bisschen Glück haben.
    Aber heute war ich zufrieden, mit dem Ergebnis, aber auch mit dem Spiel der Elfen.

    Im Jugend-Viertelfinale hatte Bietigheim keine Chance, sie gehören ehrlich gesagt zu einer anderen Kategorie, 32-16, das Ergebnis erzählt alles.

    Es war schön, heute dabei zu sein.

    Im Frauenhandball ist momentan Frankreich das einzige Land, wo es ohne großzügigen staatlichen Förderungen relativ viel Geld gibt. Die norwegischen und schwedischen Vereine sind arm, die dänische stehen auch deutlich hinten den südosteuropäischen. Und noch dazu müssen Spitzensportlern in Ungarn kaum Steuer zahlen (keine Ahnung von Rumänien oder Mazedonien), im Skandinavien hingegen ziemlich viel. Also ein monatlicher Gehalt in Győr oder Budapest hat wenigstens 30% mehr Wert, als der präzise gleiche Gehalt in Ikast oder Kristiansand.

    Ich verstehe auch den Streit über CSM nicht ganz. Wer Frauenhandbal kennt, dem muss es klar sein, dass der CSM dieses Jahr der (hinten Vardar) zweite, und in der nächsten Saison, nachdem Herr Samsonenko sich vom Frauenhandball auszieht, voraussichtlich der reichste Verein im Bereich Frauenhandball ist bzw. wird. Wer das Gegenteil behauptet hat entweder keine Ahnung, oder versucht die Lage schönzureden.

    Wie wir ja spätestens seit dieser Saison wissen (Brest und im Jahr davor Rostov), sind sportliche Gründe nicht unbedingt entscheidend. Der BVB hat da als Name sicherlich einiges mehr an Strahlkraft als irgendein x-beliebiger Handballklub - auch wenn man davon bis jetzt noch nicht profitiert hat, bzw. das ganze nutzen konnte.


    Der europäische Verband EHF hat von Anfang an ganz offiziell gekündigt, dass bei den Wild Cards in erster Linie nicht die sportlichen, sondern geschäftlichen, Marketing-Aspekten (z.B. Medien, Halle, Zuschauer) berücksichtigt werden. Wer sich besser verkaufen kann, bekommt ein Wild Card. Der Name BVB, mit der Westfalenhalle, mit einem Zehn-Millionen-Ballungsraum, hätte gute Chance. Allerdings nur wenn der EHF es für möglich hält, dass der BVB die Quali-Spiele nicht chancenlos verliert, also wenn der Verein einen CL-tauglichen Kader hat. Also wenn man in de CL möchte, muss man fleißig neue Spielerinnen verpflichten. Und dazu ist es nun ein bisschen zu spät.

    Es muss sich bei den Elfen vor allem im Team-Management und auf der Bank etwas ändern.


    Klar. Und wenn das Management sich ändert, wird Leverkusen von der Handballkarte verschwinden. Der Rekordmeister.
    Ja, der HSV wird dieses Jahr absteigen. Alle Legenden sind einmal zu Ende. Und vielleicht wird der Thüringer HC in einigen Jahren 9 Titeln haben. Dann geht es mit dem Rekordmeister sowieso nicht mehr.