Beiträge von Germanicus

    dazu ist beim FTC doch ungarisch Mannschaftssprache?


    Ja. In Győr und Siófok wird englisch gesprochen, beim FTC ungarisch.
    Danick Snelder hat in zwei Jahren so gut ungarisch gelernt, dass wenn sie im Fernsehen gesprochen hat, erkannten einige, nicht so gut informierte Zuschauer nicht, dass sie keine Ungarin ist. Nerea Pena spricht auch fließend. Emily Bölk hat vorige Woche gesagt, sie lerne schon die Sprache.
    Anca Giegerich soll auch ungarisch lernen, in Debrecen ist auch ungarisch die Mannschaftsprache.
    Ungarisch ist keine indoeuropäische Sprache, hat ganz andere grammatische Strukturen, wie die meisten europäischen Sprachen, also für eine Deutsche oder Niederländerin schwer zu lernen. Die Sprache hat aber den Vorteil, keine Dialekte zu haben, die Aussprache ist im ganzen Land (und auch in den ungarischsprachigen Minderheiten in der Slowakei oder Rumänien) einheitlich, wer es einmal lernt, wird alle verstehen.

    Zu diesem Thema würde mich die Meinung von Germanicus interessieren.


    Wenn ich schon so angeredet wurde...
    Herbert Müller hat vor einigen Jahren in einem Gespräch gesagt, der THC hat Gehälter anzubieten, wie in der zweiten ungarischen Liga. Das war zwar übertrieben, doch vielleicht nicht ganz falsch. In Deutschland ist Frauenhandball finanziell vom Staat und Kommunen kaum unterstützt. So können Vereine, die keinen großen Sponsor finden (und die meisten finden keinen) mit dem vom Staat und/oder Kommunen, d.h. mit Steuergeld finanzierten ungarischen, russischen, rumänischen Vereinen finanziell nicht wettbewerbsfähig sein.
    Im Frauenhandball geht es auch international um relativ wenig Geld. Ein Lionel Messi könnte von seinen Einkommen die ganze Frauenhandball-CL finanzieren. Alleine. Ein paar Millionen Euro jährlich können sich sogar finanzell relativ schwache Kommunen in Ost- und Südosteuropa leisten.
    Dänemark ist nicht mehr so finanzstark wie vor zehn, fönfzehn Jahren. Vereine wie Viborg und Ikast haben am Anfang der Zehnerjahren die Insolvenz kaum vermieden, und können heutzutage kaum noch mehr zahlen, als Bundesligavereine, was angesichts der Größe Dänemarks (mit ca. 5,5 Enwohner um ein Fünfzehntel Deutschlands) erstaunlich ist, macht aber die dänische Liga mit der deutschen Bundesliga konkurrenzfähig, aber nicht mehr. Französische Spitzenvereine haben definitiv Budgets, die in Deutschland kaum noch möglich sind, aber auch sie kämpfen heutzutage hart, seitdem Frauenhandballspiele nicht mehr im Fernsehen übertragen werden, das hat ihnen Verluste gemacht. Kein Wunder dass auch Metz Jahr für Jahr gute Spielerinnen verliert, alle verlassen Lothringen, weil sie woanders mehr Geld verdienen können. Frankreich hat vor zwei, drei Jahren so gut wie alle Nationalspielerinnen nach Hause gebracht, sie sind aber, eins für eins, wieder weg. Echte Spitzenspielerinnen kann sich nur Brest leisten.
    In Ungarn hingegen unterstützt die Politik den Spitzensport stark. Frauenhandbann ist in Ungarn sehr populär, Ligaspiele sind regelmäßig im Fernsehen übertragen, Europapokalspiele ebenso. Für die weitgehend nationalistische ungarische Bevölkerung ist Sport so was wie "wir gegen die Welt", und eine Sportart, wo Ungarn und die ungarischen Vereine erfolgreich sind, wird populär, was auch immer es sei. Insbesondere in einem Land das im König aller Sportarten, d.h. Fußball, ziemlich erfolgslos ist (man hat in 2017, in einem Jahr, gegen Andorra und Luxemburg verloren...).
    In Ungarn sind in allen Vereinen wenigstens die Stammspielerinnen vollprofis. Dass jemand in der ersten Liga spielt und daneben einen bürgerlichen Job hat, wäre in Ungarn unvorstellbar. Ja, Studium, das geht, aber zu arbeiten? Lächerlich, sogar die Idee. Klar, in Ungarn sind die Lebenskosten auch deutlich niedriger, wer tausend Euro (340.000 Forint) verdient (Sptzensportler müssen kein Einkommensteuer bezahlen), kann davon schön leben, was in Deutschland schwierig wäre. Doch in der Bundesliga gibt es viele Spielerinnen, sogar im Mittelfeld der Tabelle, die monatlich dur dreistellig von den jeweiligen Vereinen kassieren. Wenn sogar Debrecen oder Vác locker 4-5.000 Euro im Monat anbieten kann, plus Wohnung, plus Auto, warum sollte eine deutsche Spielerin das Angebot ablehnen? Bei Győr, FTC und Siófok gibt's auch fünfstellige Werte. Klar, nicht für alle, aber für Leistungsträgerinnen schon. Und FTC steht finanziell klar hinten den anderen beiden, ist mit ihnen nicht konkurrenzfähig. Érd kalkuliert für die nächste Saison, nach einem schweren Absturz, mit einem Etat von ca. 1,2 Millionen Euro. Eine Summe die für die meisten Bundesligavereine als astronomisch klingt.
    Andererseits gibt's auch in Ungarn Aufregung. Vor einem Jahr wurden beide die CL und der EHF-Cup von ungarischen Vereinen gewonnen - mit kaum ungarischen Spielerinnen. Ist es sicher richtig so? Doch der Vorsitzende des ungarischen Handballbundes ist ein Politiker. Ich meine, ein bekannter Politiker, momentan Fraktionsvorsitzender der Regierungspartei Fidesz, ein Mann, der früher mit Handball nichts zu tun hatte. Der ungarische Handball wird also direkt von der Politik geführt. Und die Politik hat gesagt: wir hätten gerne zwei ungarische Vereine im Final Four der Champions League, und zuzüglich einen ungarischen Pokalsieger im EHF-Cup (wie auch immer er heißt). Dafür ist keinen Preis zu hoch.
    In Rumänien und Russland sind es eher die Kommunen, die gerne einen starken Verein vor Ort hätten, und die dafür benötigten Millionen sich locker leisten können. Wenn sie es nicht mehr können, ist alles sofort weg: wo ist heute die HCM Baia Mare? Ja, in Karls Profilbild schon, aber sonst?

    Ja, so eine Antwort hast du sicher nicht erwartet, ich werde es doch absenden. Was meine Meinung ist? Ist es nicht ganzegal? Ich bin ein einfacher Fan. Ja, vielleicht ein bisschen besser informiert, als die Mehrheit, aber sonst trage ich keine Funktion, und habe nie eine getragen. Meine Meinung spielt keine Rolle.
    Aber ich bin sicher: ohne dicke finanzielle Unterstützung vom Staat und Kommunen würde der Frauenhandball in Südosteuropa innerhalb einer Woche zusammenstürzen. Ob es gut ist, dass der Staat und die Kommunen Frauenhandball da großzügig finanzieren? Ich bin dagegen. Aber wen interessiert was ich denke? Keinen. Gut so.
    Gute Nacht!

    Dunaújváros und Erd geht es also auf einmal schlecht, FTC kann sich dagegen jetzt fast alles leisten. :unschuldig:


    Diese beiden Vereine wurde teilweise von den jeweiligen Kommunen finanziert. In beiden Städten hat die Opposition die Kommunalwahl in 2019 gewonnen. Ein wichtiges politisches Programm der oppositionellen Parteien war, die Förderungen des Leistungssports zu verkürzen.

    Budapest scheint wohl das "Top Ziel" im Moment zu sein.....
    Wer außer Danik Snelder verlässt den eigentlich FTC in der nächsten Saison ?


    Der Kader für die nächste Saison steht, nur noch junge Ungarinnen sind möglich, zusätzliche ausländische Spielerinnen sind völlig ausgeschlossen.
    Von den Spielerinnen, die im Sommer den FTC verlassen, war Viktória Lukács die enzige, der der Verein eine Verlängerung angeboten hat, bzw. gerne angeboten hätte, sie hat aber bereits im Herbst einen Vertrag bei Győr unterschrieben, und wechselt dieses Jahr zu Győr.
    Die andere wurden eigentlich entlassen, auch wenn man es offiziell nicht so sagt. Sie sind Zsófi Szemerey (Ziel unbekannt), Danick Snelder (Siófok), Emilie Christensen (Ziel unbekannt, angeblich zurück in die Heimat), Dóra Hornyák (Debrecen), Luca Háfra (Fehérvár). Unklar ist ob Klára Szekeres und Kinga Klivinyi bleiben, ich gehe davon aus, dass auch sie Abschied nehmen müssen.

    In Holland sind die Heimspiele der Nationalmannschaft immer innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Die wurden jahrelang immer in der gleichen Halle in Eindhoven ausgeführt (in der EM-Quali gegen Österreich war auch ich dabei), für das EM-Qualifikationsspiel gegen Spanien in März hat man eine noch größere Halle in Rotterdam gemietet. Zehntausend Tickets wurden in weniger als 24 Studen ausverkauft.

    Ich glaube es werden nur 2 Vereine aus Ungarn in der CL spielen können, oder??


    Es ist momentan noch unbekannt.

    Zitat

    Und ich denke der 2te Platz ist für FTC noch nicht sicher, oder was sagt der Ungarn Experte??


    Nach der Niederlage gegen Siófok vorgestern ist der 2. Platz für den FTC nur noch theoretisch erreichbar, voraussichtlich wird Győr Meister, Siófok zweiter, und der FTC dritter.

    Mit A. Seldel und JJ. Rode verlassen nicht nur zwei Leistungsträgerinnen, sondern die beiden dienstaltesten Spielerinnen Leverkusen. Seidel hat einen Profivertrag seit 2012 (auch wenn sie damals so gut wie nie eingesetzt wurde), Rode ist zwei Jahre später gekommen.
    Vanessa Feher ist seit 2015 im Profikader, alle andere wurden in 2016 oder danach verpflichtet bzw. aus der Jugend in die Bundesligamannschaft übernommen.

    Leverkusen ist natürlich kein Spitzenteam, klar. Aber so was hat keiner behauptet. Und auch nicht-Spitzenteams sollen nicht unbedingt eine schwere Heimiederlage gegen Buxtehude erleiden. So starke Siege hat der BSV bislang in dieser Saison nur gegen klare Abstiegskandidaten geleistet.
    Ich finde es ein bisschen komisch, dass heute einige hier so schreiben, als ob wäre Buxte der absolute Favorit in Leverkusen gewesen, und ihr Auswärtssieg wäre auch bei diesem Unterschied völlig erwartungsmäßig.

    Michael Biegler hat zweimal Auszeit genommen: in der 3. und der 8. Spielminute. Vergebens.
    Wenn ein Trainer in den ersten zehn Minuten zweimal Auszeit nimmt, ist klar, dass das Spiel gar nicht klappt. Und es war tatsächlich so. Leverkusen spielte zwietweise wie ein Abstiegskandidat, ganz unglaublich, ich hätte so was mir nicht vorstellen können. Eine Mannschaft, die nicht drei genaue Pässe in Folge leisten kann, verdient sogar eine so schwere Niederlage.
    Herr Biegler meckerte ohne Pause bei den Schiedsrichterinnen: ein klares Symptom eines Trainers der die Kontrolle völlig verloren hat.

    Finanzielle Problemen bei zwei Vereinen.
    Trotz großzügige staatliche finanzielle Unterstützung, gibt's Probleme bei zwei Erstligisten in Ungarn. Dunaújváros (EHF-Pokalsieger gegen Metzingen vor vier Jahren) hat kaum noch Geld, es war nötig, einen neuen Sponsor zu holen, um überhaupt bis zum Ende dieser Spielzeit auszuharren. Am Ende der Saison werden voraussichtlich dei Verträge aller Profispielerinnen aufgelöst, der Verein hat angekündigt, in der nächsten Saison mit der Juniorenmannschaft auftreten zu wollen. Fraglich ist, ob es klappen wird, die beste Jugendspielerinnen verlassen, eine nach der anderen, den Verein mit sofortiger Wirkung bereits im Laufe dieser Saison, Supertalent Koronczai wechselte zum Beispiel zu Győr (wo sie in der Jugendmannschaft spielen wird).
    Nach der gestrigen Niederlage von Érd gegen MTK (40-35) hat Bürgermeister Csőzik verkündet, die Stadt werde den Handballverein finanziell nicht mehr unterstützen. Csőzik behauptet, in 2019 habe die Stadt 400 Millionen Forint (ca. 1,2 Mio. Euro) dem Verein gegeben, in 2020 wäre 700M (ca. 2 Mio. Euro) nötig, aber die Stadtwerke habe, wie Csőzik schreibt, auch andere Aufgaben, die finanziert werden sollen. Wird die Unterstützung tatsächlich gestrichen, bedeutet es wohl das Ende des Profihandballs in Érd.

    Mir is natürlich klar, dass was ich hier schreibe, auch von der betroffenen gelesen wird :)

    Ich kenne Lili Holste seit einigen Jahren, seitdem sie in in Leverkusen spielt. Ich fand ihre Abwehrarbeit immer super, im Angriff hingegen hatte ich immer das Gefühl, dass sie ihre Fähigkeiten nicht ausnutzen kann. Gerade im JBLH-Spiel gegen Metzingen habe ich meinem Freund, der das Spiel zufällig besucht und die Spielerinnen nicht bekannt hat, gesagt: Guck mal, aus dieser Situation sollte sie getroffen haben, und sie hat es nicht einmal versucht...
    Und ausgerechnet in den Bundesligaspielen der letzten Wochen hat mir sehr gefallen wie sie gespielt hat. In der Abwehr unglaublich gut, im Angriff auch selbstbewusst, so wie eine Spielerin mit diesen Fähigkeiten spielen soll. Es gibt natürlich noch viel Luft nach oben, aber mit 18 (Lili wurde in April 2001 geboren) war nicht einmal Cristina Neagu eine Weltklasse-Spielerin ;)
    Ich freue mich, dass Lili Holste einen Bundesligavertrag erhalten hat, und auch in der nächsten Saison, als Seniorin, eine Elfe bleibt.