Zu diesem Thema würde mich die Meinung von Germanicus interessieren.
Wenn ich schon so angeredet wurde...
Herbert Müller hat vor einigen Jahren in einem Gespräch gesagt, der THC hat Gehälter anzubieten, wie in der zweiten ungarischen Liga. Das war zwar übertrieben, doch vielleicht nicht ganz falsch. In Deutschland ist Frauenhandball finanziell vom Staat und Kommunen kaum unterstützt. So können Vereine, die keinen großen Sponsor finden (und die meisten finden keinen) mit dem vom Staat und/oder Kommunen, d.h. mit Steuergeld finanzierten ungarischen, russischen, rumänischen Vereinen finanziell nicht wettbewerbsfähig sein.
Im Frauenhandball geht es auch international um relativ wenig Geld. Ein Lionel Messi könnte von seinen Einkommen die ganze Frauenhandball-CL finanzieren. Alleine. Ein paar Millionen Euro jährlich können sich sogar finanzell relativ schwache Kommunen in Ost- und Südosteuropa leisten.
Dänemark ist nicht mehr so finanzstark wie vor zehn, fönfzehn Jahren. Vereine wie Viborg und Ikast haben am Anfang der Zehnerjahren die Insolvenz kaum vermieden, und können heutzutage kaum noch mehr zahlen, als Bundesligavereine, was angesichts der Größe Dänemarks (mit ca. 5,5 Enwohner um ein Fünfzehntel Deutschlands) erstaunlich ist, macht aber die dänische Liga mit der deutschen Bundesliga konkurrenzfähig, aber nicht mehr. Französische Spitzenvereine haben definitiv Budgets, die in Deutschland kaum noch möglich sind, aber auch sie kämpfen heutzutage hart, seitdem Frauenhandballspiele nicht mehr im Fernsehen übertragen werden, das hat ihnen Verluste gemacht. Kein Wunder dass auch Metz Jahr für Jahr gute Spielerinnen verliert, alle verlassen Lothringen, weil sie woanders mehr Geld verdienen können. Frankreich hat vor zwei, drei Jahren so gut wie alle Nationalspielerinnen nach Hause gebracht, sie sind aber, eins für eins, wieder weg. Echte Spitzenspielerinnen kann sich nur Brest leisten.
In Ungarn hingegen unterstützt die Politik den Spitzensport stark. Frauenhandbann ist in Ungarn sehr populär, Ligaspiele sind regelmäßig im Fernsehen übertragen, Europapokalspiele ebenso. Für die weitgehend nationalistische ungarische Bevölkerung ist Sport so was wie "wir gegen die Welt", und eine Sportart, wo Ungarn und die ungarischen Vereine erfolgreich sind, wird populär, was auch immer es sei. Insbesondere in einem Land das im König aller Sportarten, d.h. Fußball, ziemlich erfolgslos ist (man hat in 2017, in einem Jahr, gegen Andorra und Luxemburg verloren...).
In Ungarn sind in allen Vereinen wenigstens die Stammspielerinnen vollprofis. Dass jemand in der ersten Liga spielt und daneben einen bürgerlichen Job hat, wäre in Ungarn unvorstellbar. Ja, Studium, das geht, aber zu arbeiten? Lächerlich, sogar die Idee. Klar, in Ungarn sind die Lebenskosten auch deutlich niedriger, wer tausend Euro (340.000 Forint) verdient (Sptzensportler müssen kein Einkommensteuer bezahlen), kann davon schön leben, was in Deutschland schwierig wäre. Doch in der Bundesliga gibt es viele Spielerinnen, sogar im Mittelfeld der Tabelle, die monatlich dur dreistellig von den jeweiligen Vereinen kassieren. Wenn sogar Debrecen oder Vác locker 4-5.000 Euro im Monat anbieten kann, plus Wohnung, plus Auto, warum sollte eine deutsche Spielerin das Angebot ablehnen? Bei Győr, FTC und Siófok gibt's auch fünfstellige Werte. Klar, nicht für alle, aber für Leistungsträgerinnen schon. Und FTC steht finanziell klar hinten den anderen beiden, ist mit ihnen nicht konkurrenzfähig. Érd kalkuliert für die nächste Saison, nach einem schweren Absturz, mit einem Etat von ca. 1,2 Millionen Euro. Eine Summe die für die meisten Bundesligavereine als astronomisch klingt.
Andererseits gibt's auch in Ungarn Aufregung. Vor einem Jahr wurden beide die CL und der EHF-Cup von ungarischen Vereinen gewonnen - mit kaum ungarischen Spielerinnen. Ist es sicher richtig so? Doch der Vorsitzende des ungarischen Handballbundes ist ein Politiker. Ich meine, ein bekannter Politiker, momentan Fraktionsvorsitzender der Regierungspartei Fidesz, ein Mann, der früher mit Handball nichts zu tun hatte. Der ungarische Handball wird also direkt von der Politik geführt. Und die Politik hat gesagt: wir hätten gerne zwei ungarische Vereine im Final Four der Champions League, und zuzüglich einen ungarischen Pokalsieger im EHF-Cup (wie auch immer er heißt). Dafür ist keinen Preis zu hoch.
In Rumänien und Russland sind es eher die Kommunen, die gerne einen starken Verein vor Ort hätten, und die dafür benötigten Millionen sich locker leisten können. Wenn sie es nicht mehr können, ist alles sofort weg: wo ist heute die HCM Baia Mare? Ja, in Karls Profilbild schon, aber sonst?
Ja, so eine Antwort hast du sicher nicht erwartet, ich werde es doch absenden. Was meine Meinung ist? Ist es nicht ganzegal? Ich bin ein einfacher Fan. Ja, vielleicht ein bisschen besser informiert, als die Mehrheit, aber sonst trage ich keine Funktion, und habe nie eine getragen. Meine Meinung spielt keine Rolle.
Aber ich bin sicher: ohne dicke finanzielle Unterstützung vom Staat und Kommunen würde der Frauenhandball in Südosteuropa innerhalb einer Woche zusammenstürzen. Ob es gut ist, dass der Staat und die Kommunen Frauenhandball da großzügig finanzieren? Ich bin dagegen. Aber wen interessiert was ich denke? Keinen. Gut so.
Gute Nacht!