So, ich glaube, die U17 EM war aus deutscher Sicht erfolgreich. Die deutschen Mädels haben eine Medaille geholt, und das, obwohl sie mit großen Hindernissen rechnen mussten, und obwohl Deutschland vor allem auf Spielerinnen gesetzt hat, die die benötigte Spielreife eher später erreichen werden.
Man hat zweimal gegen Ungarn verloren. Na, und? Das haben alle andere auch. Nur, die anderen hatten die Möglichkeit, das zweimal zu tun, nicht erreicht. Deutschland schon.
Deutschland hatte so viele großwüchsige und doch geschickt agierende Spielerinnen in diesem Turnier gehabt, wie keine andere Mannschaft.
Und es darf nicht vergessen haben: während die ungarischen oder russischen Spielerinnen die ganze Saison durchgespielt haben, gab es in Deutschland eine halbes Jahr lange Pause, und eigentlich die Trainingseinheiten danach dienten für kaum mehr als sich wieder der Ball und Spielfeld anzugewöhnen. Die Wichtigkeit der ausgefallenen Spielpraxis, der ausgefallenen Trainingseinheiten, der ausgefallene Ausbildung können kaum überschätzt werden. Es geht um 15-17-jähirge Mädchen! Es war nicht zu übersehen, wie die in der Gruppenphase die ganze Mannschaftsleistung schwer beeinflussende Unsicherheit Schritt für Schritt verschwand. Klar, wir werden nie wissen, wie diese Mannschaft ohne die Llnge Zwangspause hätte spielen können, und so alle haben die Freiheit, die Lage für sich zu interpretieren, doch ich gehe davon aus, dass Ungarn zumindest hart für den Titel hätte kämpfen müssen.
Einerseits ist, glaube ich, wunderbar, dass Vereine wie Hannover-Badenstedt, oder, ich habe vergessen, die der Verein Ariane Pfundsteins heißt, Spielerinnen dieser Qualität ausbilden können. Es wäre in Ungarn unvorstellbar. Klar, es liegt teilweise an der Größe des Landes, viel wichtiger finde ich aber, dass es in Deutschland so viele gute Trainer in der Nachwuchsarbeit gibt. Andererseits ist klar, der deutsche Kader war ganz dünn. Es ist normal, in der U17, aber eigentlich bis zur U20, ist es üblich, dass es 5-6 Spielerinnen in einem Kader sind, die den Ball in den Spielen nicht viel öfter anfassen als Otto Normalzuschauer. Ungarn hat das Finale vor allem nicht durch Qualität, sondern durch Quantität gewonnen, Trainerin Bohus hat, verzweifelt, so lange immer wieder gewechselt, bis es einmal funktioniert hat. Diese Möglichkeit hatte Gino Smits nicht. Es ist aber nicht unbedingt ein großes Problem, meiner Meinung nach. Wichtiger ist, dass die Stammspielerinnen sich weiterentwickeln.
Sie haben ihr Talent und bisherige Ausbildung allen zeigen können, und auch, dass die auf der internationalen Bühne auch zuversichtlich antreten können, herzlichen Glückwunsch. Ich glaube, wir haben 6-7 Spielerinnen gesehen, die eine Perspektive haben, starke Bundesligaspielerinnen, eventuell Nationalspielerinnen zu werden, und einige, vor allem Leuchter, deren Position unterbesetzt ist, können auch international bedeutende Spielerinnen werden. Der Weg ist natürlich noch lang, und nicht alle werden ihn durchgehen können, bzw. wollen. Aber es ist schon die Zukunft, ein nächster Kapitel.
Und noch eine letzte Anmerkung. Auch in diesen Foren wird oft darüber diskutiert, wie man von den Niederlanden lernen könnte. Am gleichen Tag, wenn Deutschland in Podgorica in der Verlängerung die stärke russische Mannschaft besiegt hat, hat die U17 der Niederländerinnen in Tiflis das Halbfinale der "zweiten Liga", der sog. W17 EHF Championship, knapp gewonnen, gegen die überall gefürchtete Truppe von Färöer. Bitte diesen Satz noch einmal, langsam, durchlesen. Hat jemand noch Fragen?