Habe ich richtig verstanden? Gibt es in Ungarn 6 Handballakademien? Alle für Mädchen und Jungen? Spielt die Mannschaft der NEKA - Akademie aus Balatonboglar in der höchsten ungarischen Liga? Wie sieht es bei den anderen Akademien aus?
- Es gibt die Nationale Handballakademie NEKA, gegründet vom auch in Deutschland bekannten Trainer Lajos Mocsai, aktuell geführt von seinem Sohn, Tamás (als Spieler damals auch in der Bundesliga gespielt). Die ist in Balatonboglár angesiedelt. Dort gibt es ca. 60-60 Mädchen und Jungen, in B- und A-jugend-Alter.
- Es gibt 3-3 Elite-Akademien bei Frauen Győr, FTC und Debrecen (DVSC), bei den Männern Veszprém, FTC und Szeged (FTC hat also beide Geschlechter). Anders als NEKA sind diese keine selbstständige Vereine, sondern gelten als Jugendbereich der entsprechenden Vereine.
- Es gibt weitere Akademien, die eigentlich in der zweiten Reihe hinter den Elite-Akademien stehen. Bei den Frauen sind Vác und Dunaújváros bekannt, es gibt aber noch andere.
- Keine der akademischen Mannschaften hat die absolute Berechtigung, in einer bestimmten Spielklasse zu spielen. NEKA darf in der ersten Liga spielen, muss aber sportlich aufsteigen und die Klasse halten. Die Elite-Akademien dürfen in der ersten Liga nicht spielen, da dort ein Verein nur einmal vertreten werden darf, die spielen in der zweiten oder dritten Liga, je nach ihren Ergebnissen, sie können also, ebenso wie alle andere, auf- und absteigen.
- NEKA hat in der letzten Saison bei beiden Geschlechtern in der ersten Liga gespielt, bei den Männern die Klasse suverän gehalten (viele NEKA-Spieler können aus der U21 bekannt sein, wo Ungarn gegen Deutschland im Finale gespielt hat), bei den Frauen wären sie sportlich abgestiegen, können aber doch bleiben, weil Siófok keine Lizenz erhalten hat.
- Bei den II. Mannschaften gelten, wie auch Horst schrieb, strengere Regel, als in Deutschland, SeniorInnen dürfen da keineswegs mitspielen, die heißen offiziell auch nicht II, sondern U19.
- NEKA hat, insbesondere bei den Frauen, einige Seniorinnen verpflichtet, teilweise sogar solche, die nicht in der Akademie ausgebildet wurden. Sie heißen Akademie, spielen in der ersten Liga, sind aber nicht nur von Jugendspielerinnen vertreten. In diesem Sinne sind sie wie ein ganz normaler Verein - nur staatlich noch viel stärker gefördert, als jene.
- Die "Muttervereine" der Elite-Akademien sind ungarische Topvereine. Bei den Frauen die 1-2-3., bei den Männern die 1-2-4.-platzierten der letzten Meisterschaft. Sie können nur wenige der ausgebildeten 19/20-jährigen (bei den Männern liegen die Altersgrenzen, ähnlich wie international, je 1 Jahr höher) direkt in den Profikader aufnehmen. Es ist also typisch, Spielerinnen auszuleihen, aber natürlich verlassen viele die Vereine am Ende der Ausbildung endgültig.
(Ich weiß, ich habe viel geschrieben, und es interessiert hier nur wenige. Soll ich aber schweigen, wenn eine Frage gestellt wird? Manchmal überlege ich...)
P.S.: In Balatonboglár gibt es im Winter nichts. Schule, Handball, und das war's. Und zahlreiche Jungen und Mädchen in einem gemeinsamen Unterkunft. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was da läuft...