Beiträge von Germanicus

    Deutschland hat das Spiel gegen Island trotz vielen Fehlern und einer niedrigen Trefferquote ganz suverän gewonnen. Für die Isläderinnen war das Tempo der deutschen Mannschaft klar zu hoch,

    Ergebnis: 34-24

    Spielerin des Spiels: Farelle Njinkeu

    Nach zweimal +10 kann die deutsche Mannschaft die Hauptrunde theoretisch noch verpassen, es ist aber völlig unrealistisch.

    Die deutsche Mannschaft ist, wie ein guter deutscher Regionalzug, mit einer Viertelstunde Verspätung in die EM angekommen. Danach war sie aber schon klar die bessere Mannschaft, am Ende gewinnt Deutschland 39-29 gegen Tschechien.

    Spielerin des Spiels wurde Alissa Werle.

    Ich kenne keine einzige Spielerin von diesem Kader, habe also nur die ersten Eindrücke. Marlene Tucholke fällt natürlich auf, körperlich nicht nur groß, aber auch sehr stark, ihre Bewegung ist auch ganz reif. Sie ist noch nicht mal 16, hat aber den Körper einer erwachsenen Frau, was in der U17 ein enormer Vorteil ist.

    Neuigkeiten beim FTC.

    Ab der neuen Saison braucht man, um ein Ticket kaufen zu können, eine sog. "Fan-Karte". Beim Fußball ist es schon lange so, dieses Jahr kommt es auch beim Handball. Die Fan-Karte kann nur persönlich beim Verein beantragt werden, ein Lichtbildausweis muss vorgelegt werden.

    Fußball und Handball haben eine gemeinsame Fan-Karte, also diejenigen, die eine schon haben, weil sie auch Fußballspiele besuchen, brauche keine andere.

    Ich habe vielleicht etwas übersehen, ich habe aber diese Nachricht in Deutschland noch nicht gesehen, sie "fehlt" einfach vom neuen Levekusener Kader:

    Omroep Venlo - HandbaL Venlo haalt met Lynn Kuipers nieuwe versterking
    Lynn Kuipers is de nieuwste aanwinst van Cabooter HandbaL Venlo. De 21-jarige speelster komt over van Bayer 04 Leverkusen.
    omroepvenlo.nl
    Zitat

    Lynn Kuipers is de nieuwste aanwinst van Cabooter HandbaL Venlo. De 21-jarige speelster komt over van Bayer 04 Leverkusen.

    Ach, noch vergessen: Wenn wir auf andere Länder schauen, warum denn dann nicht auf Norwegen? Müsste eigentlich am interessantesten sein ....

    Echt? Ich sehe es nicht so.

    Klar, sie haben die letzte EM, und auch zahlreiche Titel davor gewonnen. Aber die meisten Führungsspielerinnen sind um, oder sogar über dreißig. Und, ja, Katrine Lunde ist eine der besten Torhüterinnen der Welt, aber, Mann, sie ist 43. Die Kollegin Solje Solberg 33, d.h., die norwegische Nachwuchsarbeit konnte in zwanzig Jahren nur eine einzige Torfrau auf internationalem Niveau heraufholen. Nora Mörk ist, ebenso wie Stine Oftedal, in 1991 geboren, Kristine Breistöl 1993, Maren Aardahl '94, Vilde Ingstad und Emily Arntzen auch '94. Schaust du die Jahrgänge 1995 und danach, also Spielerinnen die in den letzten zehn Jahren im Jugendalter waren, da gibt es eine Henny Reistad, zweifelsohne Topspielerin, und sonst ... sonst ninchts, was man bewundern sollte.

    Dänemark hat, meiner Meinung nach, viel mehr gute Spielerinnen in diesen Jahrgängen, als Norwegen.

    Sorry Leute, aber wann wird denn hier mal der Bogen geschlagen zum eigentlichen Thema des Threads? DHB

    Es gibt doch die Themen Frauenhandball in Ungarn, Rumänien etc.

    Vielleicht klingt es komisch, aber ich bin einverstanden (ich möchte aber auch nicht unfreundlich sein, und Fragen offen halten).

    Ich glaube, ungarische Beispiele könnten hier eine Rolle spielen, wenn man von denen lernen könnte, es ist aber nicht der Fall. Einerseits hat Ungarn ganz andere Bedingungen, als Deutschland (wie schon vor einigen Tagen hier geschrieben), andererseits soll Ungarn, wo die schnellen Jugenderfolge in den Mittelpunkt gesetzt werden, eher als schlechtes Beispiel gelten, dem man auf keinen Fall folgen soll.

    Das Thema Ungarn soll, meiner Meinung nach, abgeschlossen werden. Wer noch Fragen oder Bemerkungen hat, kann die im Thread Frauenhandball in Ungarn stellen.

    Habe ich richtig verstanden? Gibt es in Ungarn 6 Handballakademien? Alle für Mädchen und Jungen? Spielt die Mannschaft der NEKA - Akademie aus Balatonboglar in der höchsten ungarischen Liga? Wie sieht es bei den anderen Akademien aus?

    - Es gibt die Nationale Handballakademie NEKA, gegründet vom auch in Deutschland bekannten Trainer Lajos Mocsai, aktuell geführt von seinem Sohn, Tamás (als Spieler damals auch in der Bundesliga gespielt). Die ist in Balatonboglár angesiedelt. Dort gibt es ca. 60-60 Mädchen und Jungen, in B- und A-jugend-Alter.

    - Es gibt 3-3 Elite-Akademien bei Frauen Győr, FTC und Debrecen (DVSC), bei den Männern Veszprém, FTC und Szeged (FTC hat also beide Geschlechter). Anders als NEKA sind diese keine selbstständige Vereine, sondern gelten als Jugendbereich der entsprechenden Vereine.

    - Es gibt weitere Akademien, die eigentlich in der zweiten Reihe hinter den Elite-Akademien stehen. Bei den Frauen sind Vác und Dunaújváros bekannt, es gibt aber noch andere.

    - Keine der akademischen Mannschaften hat die absolute Berechtigung, in einer bestimmten Spielklasse zu spielen. NEKA darf in der ersten Liga spielen, muss aber sportlich aufsteigen und die Klasse halten. Die Elite-Akademien dürfen in der ersten Liga nicht spielen, da dort ein Verein nur einmal vertreten werden darf, die spielen in der zweiten oder dritten Liga, je nach ihren Ergebnissen, sie können also, ebenso wie alle andere, auf- und absteigen.

    - NEKA hat in der letzten Saison bei beiden Geschlechtern in der ersten Liga gespielt, bei den Männern die Klasse suverän gehalten (viele NEKA-Spieler können aus der U21 bekannt sein, wo Ungarn gegen Deutschland im Finale gespielt hat), bei den Frauen wären sie sportlich abgestiegen, können aber doch bleiben, weil Siófok keine Lizenz erhalten hat.

    - Bei den II. Mannschaften gelten, wie auch Horst schrieb, strengere Regel, als in Deutschland, SeniorInnen dürfen da keineswegs mitspielen, die heißen offiziell auch nicht II, sondern U19.

    - NEKA hat, insbesondere bei den Frauen, einige Seniorinnen verpflichtet, teilweise sogar solche, die nicht in der Akademie ausgebildet wurden. Sie heißen Akademie, spielen in der ersten Liga, sind aber nicht nur von Jugendspielerinnen vertreten. In diesem Sinne sind sie wie ein ganz normaler Verein - nur staatlich noch viel stärker gefördert, als jene.

    - Die "Muttervereine" der Elite-Akademien sind ungarische Topvereine. Bei den Frauen die 1-2-3., bei den Männern die 1-2-4.-platzierten der letzten Meisterschaft. Sie können nur wenige der ausgebildeten 19/20-jährigen (bei den Männern liegen die Altersgrenzen, ähnlich wie international, je 1 Jahr höher) direkt in den Profikader aufnehmen. Es ist also typisch, Spielerinnen auszuleihen, aber natürlich verlassen viele die Vereine am Ende der Ausbildung endgültig.

    (Ich weiß, ich habe viel geschrieben, und es interessiert hier nur wenige. Soll ich aber schweigen, wenn eine Frage gestellt wird? Manchmal überlege ich...)

    P.S.: In Balatonboglár gibt es im Winter nichts. Schule, Handball, und das war's. Und zahlreiche Jungen und Mädchen in einem gemeinsamen Unterkunft. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was da läuft...

    Parallel mit der EM lief die sog. U19 Championships, in zwei Staffeln, in Litauen und in Kosovo. Dass ist sozusagen, die zweite Liga, hier können Mannschaften, die sich für die EM nicht qualifiziert haben, teil nehmen.

    In Litauen hat sich Spanien suverän durchgesetzt, und die Goldmedaille geholt (schon seltsam, dass sie überhaupt daben sein mussten), in Kosovo hat überraschend Italien den Turnier gewonnen, im Halbfinale haben sie Polen 24-23 geschlagen, im Finale Österreich mit 29-21.

    Mein erster Gesamteindruck dieser EM: Das Leistungsniveau in dieser Altersklasse hat sich gegenüber früheren Jahren nicht verbessert (von Überflieger Ungarn mal abgesehen) - eher das Gegenteil ist der Fall. Aber die meisten teilnehmenden Länder (bis auf die 3 Letztplatzierten) sind enger zusammengerückt (wie hier schon jemand festgestellt hat), deshalb die vielen knappen Ergebnisse. Beides hängt wohl miteinander zusammen, wenngleich es einige "Aufsteiger" gibt, vor allem Portugal, aber auch Montenegro ist wieder stärker geworden. Wie seht Ihr das?

    Ich sehe es ähnlich. Ich bin der Meinung, dass nur zwei Mannschaften, Ungarn und Rumänien, das Niveau hatten, dass man von einer U19 EM erwartet. Und dass, obwohl die U18 letztes Jahr nicht so schlecht war.

    https://www.handball-world.news/o.red.r/news-1-2-23-48532.html


    Ungarn schafft im Sommer einen Lehrgang, wir nicht ?!

    Besondere Gründe ?

    (Fast) alle ungarische Nationalspielerinnen spielen in der ungarischen Liga. Ungarische Vereine sind verpflichtet, Nationalspielerinnen unbegrenzt für die Nationalmannschaften (U-Auswahl inbegriffen) zur Verfügung zu stellen.

    Letzte Zeit gibt es schon Nationalspielerinnen, die im Ausland tätig sind (z.B. Melinda Szikora), die nehmen in diesem Lehrgang nicht teil.

    MVP, ebenso wie beste RM is Petra Simon aus Ungarn, völlig verdient. Beste Werferin und beste RL ist Julie Scaglione, beste RR die Portugiesin Luciana Rebelo, beide verdient. Ich glaube, Vestergaard als beste LA ist auch nachvollziehbar, ebenso wie Mihai auf der anderen Seite.

    Klára Zaj als beste Torhüterin ist, meiner Meinung nach, komisch, die Franzosin als beste Abwehrspielerin und die Kreisläuferin als Montenegro kann ich nicht beurteilen.

    Was die U19 betrifft, gewinnt Ungarn 21 Spiele, und so 3 Titel in Folge. Einzigartig in der Geschichte. Rein zufällig passiert so was nicht.

    Andererseits, die große Frage ist, ob der ungarische Frauenhandball davon langfristig profitieren kann.

    Kennst du ihren aktuellen Stand ?

    Wieder gesund ? Noch Odense oder wieder zurück nach Györ

    Sie braucht Spielpraxis

    Sie ist fit. Sie wird wieder ausgeliehen, diesmal nach Podgorica. Ich finde es für eine schlechte Wahl (Elek sagt übrigens das gleiche), da es in Montenegro keine Ligaspiele gibt (Budućnost soll nur im Playoff teilnehmen, das sind einige wenige Spiele mit +25 Toren), und die 14-16 Spiele in der Champions League in einer Saison keine echte Spielpraxis bedeuten.

    Die Háfta-Story ist gut bekannt in Ungarn. Und noch dazu, ich kenne sie und ihre Mutter auch persönlich. Sie war ein Ausnahmetalent, definitiv, aber kein schlaues Mädchen, um mild zu formulieren. Sie war überzeugt, dass sie bereits eine der besten Spielerinnen weltweit ist - das war sie sicher nicht. Sie hat ehrlich damit gerechnet, dass sie Führungsspielerin bem größten Verein der Welt werden kann. Und vom Moment an, wann sie ein Angebot von Győr hatte, war sie nicht mehr bereit mit dem FTC überhaupt zu sprechen, hatte keinen Bock mehr in diesem Schei***verein FTC zu spielen, und dachte, ihr soll dieser Mittelmaß-Trainer Elek nicht sagen, wie sie Handball spielen soll. Das führt zwangsläufig zu Problemen.

    In diesem Gesprächt sagt Elek, dass es sein Fehler war, dass er Háfra falsch behandelt, und in ihr das Gefühl, bereits eine Starspielerin zu sein, gestärkt hat, statt es zu schwächen. Elek sagt, er persönlich trägt die Verantwortung.

    Na, noch etwas. Hier gibt's ein langes Gespräch mit Gábor Elek, ehemaligen Trainer (2008-23) des FTC (auf ungarisch, natürlich). Um zu verstehen: 24.hu ist eine der größten ungarischen Zeitungen. Stell dir vor so ein ausführliches Gespräch mit, zum Beispiel, Herbert Müller, in der Frankfurter Allgemeinen...

    Elek Gábor: Egyedül Háfra Noémi esetét bántam meg | 24.hu
    Nagyinterjú Elek Gáborral, a világot – a népligeti távozása ellenére – továbbra is zöld-fehérben látó kézilabda mesteredzővel.
    24.hu

    Er spricht über viele Themen, teilweise auch über Jugendarbeit. Er sagt auch, wir kämpfen um kurzfristigen Ziele, wir vernachlässigen große Spielerinnen, weil die kleinen, schnellfüßigen, die benötigten schnellen Ergebnisse holen können. Und er sagt, wir bilden uniformisierte Spielerinnen aus, die, wie Maschinen, die U-Wettbewerben gewinnen, später aber nicht erfolgreich werden können, weil alle Individualität ausgerottet wurde. Und er sagt auch, dass junge Spielerinnen zu stark angefordert sind, in den Leistungszentren sind 10 Trainingseinheiten wöchentlich schon in der B-Jugend standard, was zu viel ist.

    Er sagt auch, dass die staatliche Unterstützung viel geholfen hat, zum Beispiel viele Trainingshallen wurden gebaut, was schwer nötig war, es gab zu wenig Trainingsmöglichkeiten.

    Hätte gerne etwas mehr Details/Einzelheiten von der ungarischen Nachwuchsförderung im Frauenhandball erfahren. Vielleicht kennt sich jemnand damit aus und verrät uns etwas darüber. Wäre ganz nett.

    Man könnte natürlich sehr viel darüber schreiben - was hier am Ende keinen interessiert.

    Ich möchte also zwei Punkte hervorheben:

    1., Ganz andere Bedingungen als in Deutschland. Männer- und Frauenhandball sind auf Augenhöhe. Das ganze ist viel mehr zentralisiert, die Liga spielt nur eine beratende Rolle, alles ist vom Handballbund oder sogar gesetzlich geregelt. Das Land ist viel kleiner. Der Staat unterstützt Spitzenhandball aber auch Nachwuchsförderung stark, auch finanziell. Es ist nicht einfach zu sagen, wieviel, weil es nicht die eine zielgerichtete Summe gibt, ich schätze, die weibliche Nachwuchsförderung kassiert einige Milliarden, d.h. umgerechnet eine hohe einstellige Euro-Summe jährlich (1 Euro = 375 ungarischer Forint). Transparenz: Fehlanzeige.

    2., Ganz starke Rivalität, und, angesichts der hohen finanziellen Förderung vom Staat, ein starker Druck: man braucht Ergebnisse, und sogar nicht in zehn Jahren sondern sofort. B-Jugend-Meisterschaft und U17-EM müssen gewonnen werden, was mit den Spielerinnen langfristig passiert, ist egal.

    Aber gerade nach der letzten Saison hat sich einiges geändert. Beim Handballbund sieht man den Kampf um schnelle Ergebnisse immer kritischer. Die Nationale Handballakademie NEKA wurde ein bisschen abgestuft, die U19-Auswahl hat mit Szilágyi einen Trainer von außerhalb, und bei NEKA selber hat man ordentlich aufgeräumt, u.a. Szilárd Kiss und Péter Woth sind weg.

    Nimmst du Luciana Rebelo von Portugal aus - sie hätten die Gruppenphase nicht überstanden.

    Nimmst du Julie Scaglione von Dänemark aus - sie hätten das Halbfinale nicht erreicht.

    Viola Leuchter stand in dieser EM gar nicht zur Verfügung und Nieke Kühne auch nur für zwei Spiele.