Der Rechtsprechung muss eine objektive und für alle Fälle nachvollziehbare Richtlinie zu Grunde liegen. Wo willst Du denn die individuellen Grenzen ziehen? Schon allein ein Tor einfach zuzusprechen ist recht willkürlich. Stell Dir vor, am Saisonende hätte TuSEM Essen auf dem Abstiegsplatz 17 gestanden und der Dessau-Roßlauer HV einen Punkt davor auf Platz 16 mit schlechterem Torverhältnis. Würdest Du auch so argumentieren, wenn dieses zwar mögliche, aber nie tatsächlich erzielte Tor damit entscheidend für die Abstiegsfrage zwischen beiden Mannschaften gewesen wäre?
Für drei Sekunden in doppelter Überzahl darf vom Sportgericht ein Tor gutgeschrieben werden. Wie viele Sekunden müssten es bei Sechs gegen Sechs sein? Ab welcher Restspielzeit gibt es +2 Tore? ....
In meinen Augen gibt es bei spielentscheidenden Regelverstößen keine sinnvolle Alternative zum Wiederholungsspiel. Das ist im Grunde genommen auch kein Problem, weil Regelverstöße die absolute Ausnahme sein sollten. Hier sind HBL und DHB (als Organisator des Schiedsrichterwesens) gefordert, dass ein Chaos wie in dieser Saison nicht wieder vorkommt.
Es geht bei meinem Vorschlag nicht speziell um 1 Tor (war hier lediglich konkret auf das Spiel Essen vs Dessau bezogen), sondern dass wenn überwiegend wahrscheinlich nur eine bestimmte Folge auf dem Spielfeld hätte passieren können, die durch den Regelverstoß aber verhindert wurde, dann auf diese Folge entschieden werden kann. Natürlich muss vorher erstmal unter dem gleichen Maßstab wie auf Wiederholungsspiel entschieden wurde, die Situation überhaupt vorher auf - Spielentscheidend und überwiegend wahrscheinlich - festgestellt werden.
Wir sind uns doch glaub alle einig, dass im Idealfall beim Spiel Dessau vs Essen nur noch maximal hätte ein Tor fallen können. In dem Fall hätte es Unentschieden bedeutet, was für Dessau positiv gewesen wäre im Nachhinein. Positives Ergebnis ist aber nicht mein Anspruch. Auch wenn es für Dessau negativ wäre und das 1 Tor den Abstieg bedeutet hätte, wäre es aus meiner Sicht richtig, wenn man von der Gesamtsituation auf überwiegend wahrscheinlich kommt. Dass Dessau das dann auch wieder als ungerecht empfinden würde und dann bestimmt doch lieber wieder ein Wiederholungsspiel hätte ist klar, man wird immer Argumente dafür oder dagegen finden.
So wie von mir dargestellt kann es aber eben nur eine Folge geben (positiv wie negativ) die auch auf dem Spielfeld realistisch hätte passieren können. Beim Wiederholungsspiel kann eben eine Folge eintreten, die gar nicht real hätte passieren können (nämlich Niederlage für Dessau). Finde das verzwrrt noch mehr.
Man könnte meinen Vorschlag anstatt als Urteil, ja auch als Meditation/Vergleich, also einvernehmliche Lösung ausarbeiten, gibt es bisher in der Sportgerichtsbarkeit ja glaub nicht(?). Erst wenn dies nicht zur Lösung führt, also eines oder beide beteiligten Teams damit nicht einverstanden sind, dann per Urteil ggf. auf Wiederholungsspiel entschieden wird.