Das war viel zu wenig
Die TSG Münster lässt sich in der Schlussphase vom Aufsteiger vorführen
Der Auftakt der 3. Handball-Liga Süd hätte für die TSG Münster nicht
schlechter laufen können. Vor 600 Zuschauern verlor sie bei der HSG
Nieder-Roden auch in der Höhe verdient mit 20:36 (11:18).
Mit einer Niederlage hatte man beim heimstarken Aufsteiger rechnen müssen,
doch die Art, wie die Niederlage zustande kam, war bedenklich. Trainer
Thomas Gölzenleuchter hatte viele Kritikpunkte, wollte aber die
Niederlage nicht überbewerten: "Wir hatten viele Ausfälle in der
Vorbereitung und konnten kaum zusammen trainieren. Wir brauchen noch
zwei Spiele Zeit, um uns zu finden."
Dass das Team nicht eingespielt ist, war offensichtlich. Die Abstimmung
gegen Nieder-Rodens Kreisläufer Christian Schmid klappte gar nicht.
Immer wieder kam er frei zum Wurf oder holte Siebenmeter heraus. Mehr
ärgerte den Trainer aber, dass seine Spieler die Vorgaben nicht
umsetzten. Der frühere Wallauer Sebastian Schulz brachte es in der
ersten Hälfte auf fünf Feldtore, bei allen kam er unbedrängt zum
Abschluss. "Darauf waren wir vorbereitet. Das haben wir trainiert",
erklärte Gölzenleuchter. Nach zwölf Minuten lag Nieder-Roden mit 9:6
vorne und setzte sich bis zur 20. Minute auf 15:7 ab. Die Münsterer
machten im Angriff zu wenig Druck auf die gegnerische Abwehr. Wenn sie
mal frei zum Abschluss kamen, scheiterten sie entweder an Torhüter Marco
Rhein oder am Pfosten. Neuzugang Vilius Juozaitis war bemüht, versuchte
sich ins Spiel einzubringen, doch reichte eine Woche Training nicht, um
die Bindung ins Spiel zu finden. Er zeigte aber in beiden
Mannschaftsteilen, dass er den Münsterern weiterhelfen kann.
Gölzenleuchter versuchte seine Spieler zu beruhigen, viele überhastete
Abschlüsse hatten die Nieder-Rodener immer wieder zu leichten Toren aus
Tempogegenstößen genutzt. Die Torhüter Stefan Biermann und Fabian Lieb
gaben ihr Bestes, aber oft waren sie chancenlos gegen die frei vor ihnen
auftauchenden oder unbedrängt abschließenden Spieler der Gastgeber. Bei
einer 18:11-Pausenführung war die Partie bereits entschieden.
Die Münsterer kamen sehr engagiert aus der Kabine, wollten sich nicht
kampflos geschlagen geben. Die Abwehr stand zwölf Minuten lang richtig
gut, ohne dass die Gäste aber den Rückstand verkürzten konnten. "Unsere
Chancenverwertung war katastrophal", kritisierte Gölzenleuchter sein
Team. Bis zum 23:16 aus Sicht der Gastgeber verlief die Partie in
normalen Bahnen. Danach folgten binnen kurzer Zeit drei Zeitstrafen
gegen Münster, das aber noch relativ gut durch diese Phase kam. In der
Schlussphase versuchte Gölzenleuchter noch einmal, auf seine Spieler
einzuwirken: "Wir wollten hier vernünftig herausgehen. Aber dann werfen
wir überhastet aufs Tor und kassieren einen Gegenstoß nach dem anderen.
Das ärgert mich." Der Trainer sah, wie sich Nieder-Roden unter dem
Beifall der Fans absetzte und sein Team mit einer ordentlichen Packung
aus der Halle geschossen wurde. Dennoch ist man in Münster ruhig. "Wir
haben noch 35 Spiele, um zu zeigen, was wir können", erklärte Jonas
Ulshöfer.
Quelle: Frankfurter Neue Presse