Beiträge von exilberliner

    Die Meinungsfreiheit hört aber spätestens da auf, wo Üble Nachrede oder Verleumdung beginnt.

    Ja, und das ist auch gut so.
    Nur in diesem Fall trifft es nicht zu, wenn man sich das beanstandete Statement anhört. Wenn du bessere Beispiele für "üble Nachrede" brauchst, reicht es, in der Handballecke ca. jeden zweiten Forumsbeitrag zu lesen. ;)


    Lasst uns über erfreulichere Dinge reden...

    Ich finde, das Spiel war unter mehreren Aspekten ganz interessant.
    Meine Erwartung war eigentlich, ein Duell Heinevetter-Ziemer zu sehen, die ich neben Bitter für die besten deutschen Torhüter halte. Die Torhüter waren bei diesem Spiel jedoch nur Statisten.
    Burgdorf zeigt sich deutlich verbessert gegenüber dem Auftritt gegen die Löwen. Gut gefallen hat mir, dass sich gerade auch Spieler wie Hykkerud und Szücs, die bisher einfach kein Faktor waren, ausgezeichnet haben. Das Problem bleibt aber, dass die (auch von mir) im Vorfeld gelobten Neuzugänge Sevaljevic und Mackovsek auch nach 9 Spieltagen noch nicht im Recken-Spiel angekommen sind. Das ist, gerade auch bei der eigentlichen Klasse der Spieler, sehr schade (wenn es nicht gerade gegen die Füchse geht).
    Und gerade das läuft bei den Füchsen derzeit anders: Jesper Nielsen spielt, als hätte er jahrelange Bundesliga-Routine und hat sich in nur neun Spieltage vom großen Unbekannten zu einem Top-Spieler der Füchse entwickelt. Der Angriff hat sich gefangen, dafür war die Abwehr richtig schlecht - auch die taktische Maßnahme 4-2-Deckung hat nicht richtig gezündet. Da wir aber schon bärenstarke Defensivleistungen der Füchse gesehen haben, bin ich mir sicher, dass man hier schnell an eigentliche Tugenden anknüpfen kann. Interessant, dass Christophersen, der langsame Fortschritte zeigt, längere Zeit über die Mitte kam (da Romero gar nicht zum Einsatz kam). Das werden wir ziemlich sicher spätestens ab nächster Saison öfter sehen.
    Auch die Stimmung und da Drumrum in der Halle in Hannover zeigt sich übrigens deutlich verbessert!
    Insgesamt also ein gelungener Nachmittag.

    Das ist

    Die ansonsten guten Leistungen (auch in diesem Spiel) werden dadurch in den Hintergrund gedrängt und somit die Schiris zu unrecht angegriffen.

    Das ist ja gerade das Problem.
    Es handelt sich um ein spontanes Interview, das ausschließlich online auf der Seite von Sport1 zugänglich ist. Selbst ich, der sich wirklich viel für Handball interessiere, habe es nicht zur Kenntnis genommen, bis ich den Link in diesem Forum bekommen habe.vKein Mensch würde mehr darüber diskutieren, wenn man es einfach dabei belassen hatte. Denn: so schlimm ist es nun wirklich nicht, Heinevetter sagt drei Mal, dass er Respekt hat vor der Leistung der Schiedsrichter. Nun wird aber an ihm ein Exempel statuiert und die Schiedsrichterleistungen werden sogar in der FAZ diskutiert. Der Schuss geht nach hinten los.

    Glaubt jemand wirklich, dass man mit solchen Diskussionen für mehr und bessere Schiedsrichter sorgen kann?

    Nein, das glaubt keiner. Es geht hier auch schon lange nicht mehr um die Szene und das Spielergebnis - geschenkt (man hat als Löwen-Fan übrigens auch leichter reden, wenn man nun schon 2x hintereinander von umstrittenen Entscheidungen profitiert hat). Dazu ist alles gesagt: Etwas Glück für die Löwen, Pech für die Füchse, so ist das im Leben.
    Es geht allein um die Frage: Muss man hier als Liga noch einen drauf setzen und eine nun wirklich nicht sehr schlimme, weil nicht beleidigende Aussage, die im ersten Moment großer Enttäuschung gemacht wurde und deren Gehalt nun auch nicht aus der Luft gegriffen ist, mit einer Strafe und Maßregelung begegnen, oder sollte man es nicht einfach gut sein lassen. Und darf man sich auch wehren, wenn man sich zu unrecht angegriffen fühlt, oder muss man vor jeder Entscheidung kuschen?

    Übrigens hat mir die Halle in Coburg in den Fernsehausschnitten richtig gut gefallen! Die ist eine echte Bereicherung.
    Rick, kannst du nicht einen kleinen Pioniertrupp zusammenstellen, der das Ding heimlich ausgräbt und in einer Nacht- und Nebelaktion knapp 200km Richtung Thüringen versetzt? Bis die Coburger in der 1. Liga angekommen sind, können sie sie ja dann zurückhaben... :hi:

    Ein Kommentar aus dem Berliner Tagesspiegel, der die Angelegenheit auch aus anderer Perspektive wertet:
    Tagesspiegel

    Finde ich sehr gelungen!

    ..und wohl auch das, was Heine mit "goldener Käfig" meint - man will sie eigentlich schützen, tut ihnen damit aber nicht immer einen Gefallen.
    Was so richtig schief läuft an der Geschichte: Die Maulkörbe und die Strafe sind ja eigentlich dazu da, keine Diskussion über die Schiedsrichter aufkommen zu lasen. Mit ihren Maßnahmen holt sich die Liga jetzt eine richtige Schiedsrichterdiskussion durch die Hintertür mit Kommentaren in FAZ, Tagesspiegel etc... Keine gelungene Öffentlichkeitsarbeit.

    Hmm... in diesem Interview sagt er schon "verarscht".
    TV | Video | Handball | SPORT1 Mediencenter (ca. ab Minute 0:55)

    Er sagt zwar "Wir haben (...) verarscht", obwohl er offenbar "Wir wurden (...) verarscht" meint, aber vielleicht hilft ihm das ja sogar juristisch ;)

    ok, ich kannte nur das Sportschau-Interview. Aber auch hier hat er niemanden beleidigt. Und man hat sogar noch die Bilder der Szene eingespielt und ihn aufgefordert sie zu kommentieren. Was soll er da sagen? Etwa: "War zwar eine falsche Entscheidung, aber das macht nichts?"

    So eine Aussage direkt nach dem Spiel in ein Mikrofon zu tätigen ist die eine Sache, aber selbst ein paar Tage später eine Entschuldigung abzulehnen und die Chance einer Relativierung nicht zu nutzen, die andere.

    Das ist doch auch nicht ganz richtig. Heinevetter wird in der Presse (z.B. hier: Heinevetter-geht-auf-die-Liga-los.html) mit den Worten zitiert:
    "Ich empfinde großen Respekt gegenüber den Schiedsrichtern. Sie gehören zu den besten Paaren der Liga, aber in diesem Fall haben sie kurz vor Schluss einen Fehler gemacht, der uns den Sieg gekostet hat. Sie haben 59 Minuten lang gut gepfiffen. Aber diese eine entscheidende Szene lässt das alles vergessen. Sie haben einen Fehler gemacht, dazu sollen sie stehen... Stattdessen sitzen sie in einem goldenen Käfig, den sie selber gar nicht wollen, und dürfen nichts sagen, obwohl sie gern reden würden."

    Das sehe ich schon als eine Relativierung an. Außerdem deutet die Aussage ja an, dass es ein Gespräch zwischen Heinevetter und den Schiedsrichtern gegeben hat. Ich glaube nicht, dass Heinevetter ein persönliches Problem mit den Schiedsrichtern hat (vermutlich auch nicht mit persönlichen Entschuldigungen im Falle einer verbalen Entgleisung), sondern eine formale öffentliche Entschuldigung ablehnt, weil er das Vorgehen der Liga nicht ok findet.

    Eine kleine Spitzfindigkeit: Heinevetter sagte nicht: "Wir wurden verarscht", sondern seine Worte waren: "Was wir uns über 60 min. erarbeitet haben wurde uns mit dem Allerwertesten eingerissen". Das ist zwar von der Intention her ähnlich, jedoch hat er weder das Wort "Arsch" benutzt noch die Schiedsrichter explizit erwähnt (wenn auch natürlich gemeint). Er hat also niemanden persönlich beleidigt oder unflätige Ausdrücke benutzt.
    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich finde den Kommentar Heinevetters nicht richtig. Ich habe auch bisher bei jeder hier im Forum aufgekommenen Schiedsrichterdiskussion (auch bei diesem Füchse-Spiel) die Schiedsrichter verteidigt und werde das auch weiterhin tun.
    Es ist nur so: Heine ist einer der emotionalsten, wenn nicht der emotionalste Spieler der Liga. Er ist extrem ehrgeizig, Er kassiert in einem wichtigen Spiel gegen einen direkten Konkurrenten in der letzten Sekunde ein entscheidendes hoch umstrittenes Tor, das so nicht hätte gewertet werden dürfen (es hätte stattdessen 7m geben müssen). Wiederum unmittelbar darauf folgend wird ihm ein Mikrofon unter die Nase gehalten, und er macht seiner Enttäuschung Luft - wählt aber trotzdem Worte, die niemanden beleidigen. Ich finde, das sollte man nicht bestraften. Man sollte es vielmehr einfach mal dabei bewenden lassen, denn auf diese Art und Weise wird man auch die unsägliche Schiedsrichterdiskussion nicht los sondern hält sie vielmehr von Seiten der Liga am Köcheln.

    mit Kampfgeist,Willen und Teamspirit

    Also, Handballspielen können einige Magdeburger nach meiner scharfen Beobachtung auch noch. ;) Kneer, Jurecki und Musche haben mir richtig gut gefallen. Ich wünsche den Magdeburgern, dass sie sich jetzt stabilisieren, dann wird so mancher Ausflug in den Osten noch ein Riesenspaß!

    04.09.2013, 20:15 Uhr, MT Melsungen - VfL Gummersbach 30:32
    09.10.2013, 19:00 Uhr, SG Flensburg-Handewitt - TV Emsdetten
    09.10.2013, 20:15 Uhr, ThSV Eisenach - HSV Hamburg - in Coburg
    09.10.2013, 20:15 Uhr, Rhein-Neckar Löwen - TBV Lemgo
    09.10.2013, 20:15 Uhr, SC Magdeburg - THW Kiel
    11.10.2013, 19:45 Uhr, GWD Minden - TuS Nettelstedt-Lübbecke
    12.10.2013, 19:00 Uhr, HBW Balingen-Weilstetten - HSG Wetzlar
    12.10.2013, 20:15 Uhr, Frisch Auf Göppingen - Bergischer HC 06
    13.10.2013, 17:15 Uhr, TSV Hannover-Burgdorf - Füchse Berlin

    Schönes Gegenbeispiel bot am vergangenen Wochenende Bayern München. Obwohl denen ein glasklarer Elfer verweigert wurde, haderte man nicht mit dem Schiedsrichter, sondern in erster Linie mit der eigenen Chancenverwertung. Ich bin wahrlich kein Bayern-Fan, aber hier sieht man dass es auch anders geht.

    Heute hadert Bob auch nicht mehr mit dem Schiedsrichter. Kein Wort über sie in seiner Kolumne, vielmehr: "Wir haben gezeigt, dass wir an der Spitze mithalten können, aber in beiden Partien haben wir es nicht geschafft den Sack zuzumachen. Deshalb sind wir letztlich selbst schuld, dass wir uns nicht mit zwei Siegen belohnt haben, können aber trotzdem auf die beiden Unentschieden stolz sein."

    Das was ich noch dazu geschrieben habe ist natürlich Ausdruck dafür das meine Geduld für diese Art Diskussion am Ende ist. Es wird in dieser Saison gefühlt in jedem Spiel über Last-Minute-Entscheidungen der Schiris diskutiert, das ist fast schon ein Reflex. In den meisten Fällen sind das aber 50:50-Dinger und selbst wenn nicht, gilt das was ich sonst über den Spielverlauf schreibe. Berlin kann diese Spiele schon vor der Schlussminute gewinnen, haben sie aber nicht.

    D'accord, sehe ich im Prinzip auch so. Es ist natürlich aber auch so, dass es in dieser Saison nun schon einige von diesen knappen Dingern gab, dass die immer im Fernsehen kommen, die Moderatoren ihren spontanen Senf dazu geben und des Spielern und Offiziellen zwei Sekunden später ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird (wobei selten Sinnvolles herauskommt).
    Mal sehen was Bob heute oder morgen in seiner Kolumne schreibt, in der Regel (ich glaube auch letzte Woche) sieht er es nach einmal Schlafen deutlich differenzierter.
    Sigurdsson schätze ich als Trainer sehr, gerade weil er nicht nur im Vorfeld, sondern auch am Spielfeldrand oft sehr schnell sehr richtige Entscheidungen trifft. Da hatte er aber gestern nicht seinen besten Tag, und er er wird zunehmend dünnhäutiger. Daran muss er arbeiten, denn ein Trainer seiner Klasse hat so spontane emotionale Ausbrüche nicht nötig.
    Grundsätzlich haben wir meiner Meinung nach in der Liga inzwischen ein Rumpelstilzchen-Coaching-Problem. Ich finde, die Trainer, auch die Spieler, dürfen sich an Meckereien zu viel erlauben. Eigentlich alle Trainer der Spitzenmannschaften sind da sehr gut dabei (gut, Vranjes kommt immer etwas cooler rüber...). Das war mal anders, und ich habe am Handball immer geschätzt, dass es sehr viel disziplinierter zuging als bspw. im Fußball. Vielleicht sollte man da wieder hin (zum Beispiel mit konsequenteren Zeitstrafen wegen Meckerns, die Füchse haben gestern erfahren, wie weh das tut). Und nach dem Spiel... nun gut, Sport lebt auch von den Emotionen. Es wäre nur schön, wenn ab einem bestimmten Punkt spontane Meinungsäußerung und reflektierte Analyse bzw. Berichterstattung einsetzen würden. Die Sportschau ist dafür aber auch selbst verantwortlich.
    Ich für meinen Teil würde jedenfalls lieber über das Spiel als über die emotionalen Ausbrüche nach dem Spiel zu diskutieren.

    Ich denke, wir müssen heute mit dem einen Punkt zufrieden sein.
    Wenn man über weite Strecken mit 1,5 Rückraumspielern agiert ist eben nicht mehr drin. Christophersen ist offensiv völlig außer Tritt, Horak fand im Angriff nur in den letzten paar Minuten statt. Romero bringt aus der Mitte nicht die Gefahr, die er zur Zeit von Rückraum links im Zusammenspiel mit Nielsen entwickelt.
    Die Frage, die mich am meisten bewegt ist, ob der Einsatz eines sichtlich angeschlagenen Igropulo sinnvoll ist. Kann Wiede in der Defensive wirklich so viel verkehrt machen, wie Tino im Moment im Angriff Bälle wegwirft und verwirft?

    Alles in Allem ein gerechtes Ergebnis, weil beide Teams dann, wenn sie die Gelegenheit hatten den Sack nicht zugemacht haben.

    Sehr gute Analyse, Wiesbadener! Ich sehe das ganz genau so!