Apropos fehlende (Pflicht-)Spiele zur Vorbereitung:
Wie seht ihr in diesem Zusammenhang die Abschaffung des Supercups? Bis 2015 konnte sich die DHB-Auswahl in der EM-Vorbereitung stets mit guten Gegnern messen und - was ich noch viel entscheidender finde - mit drei Spielen in drei Tagen gegen unterschiedliche Gegner mit unterschiedlichen Spielanlagen quasi die typische Turniersituation üben. Nach der 2015er Ausgabe verkündete Bob Hanning das Aus des seit 1979 ausgetragenen Turniers ("Den Supercup wird es in dieser Form nicht mehr geben", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Das System hat sich überholt und ist nicht mehr zeitgemäß."; Quelle: Spox.com), obwohl der damalige Bundestrainer Dagur Sigurdsson sich für die Fortführung aussprach ("Man braucht die Spiele."; Quelle: Kicker.de). Spanien (Torneo Internacional de España de balonmano, seit 1975) sowie Frankreich, Dänemark und Norwegen (Golden League, seit 2012) setzen weiterhin auf dieses Format in der Vorbereitung auf die großen Nationalmannschaftsturniere.
Hat der DHB den Supercup wegen mangelndem Zuschauerinteresses zu leichtfertig aufgegeben? Es hätte sicherlich kleinere Bundesliga-Standorte und Hallen gegeben, die an einer Ausrichtung interessiert gewesen wären. Selbst wenn der DHB keinen wirtschaftlichen Gewinn aus dem Turnier ziehen könnte, stellt sich mir die Frage ob die Erfahrungen und Lerneffekte für die Mannschaft nicht überwiegen und wirtschaftliche Überlegungen hintenanstehen sollten.
Das ist sicherlich richtig - auf der einen Seite.
Auf der anderen müssen wir mal konstatieren, welchen Stellenwert die Nationalmannschaft vor einigen Jahren hatte. Da hat sich Handball-Deutschland fast unisono beklagt, wie hoch die Belastung der Spieler allgemein schon sei - und dann noch die Nationalmannschaft! Diese vielen unsinnigen Spiele, die kein Mensch braucht! Es gab großes Verständnis für Spieler, die sich freiwillig aus der Nationalmannschaft zurückgezogen haben, auch hier im Forum wurde es oft regelrecht gefordert und begrüßt. ud entsprechend sind auch solche Veranstaltungen in Verruf gekommen.
Da haben wir jetzt eine andere Situation. Das Hauen und Stechen um die 16 Plätze im Kader hat gezeigt, dass alle in Frage kommenden Spieler auch spielen wollen (natürlich mit der Aussicht, etwas zu reißen, wie sich das jetzt entwickelt, wird sich zeigen). Allein die überaus rege Diskussion während und im Nachgang der EM zeigt, wie sehr sich der Stellenwert der Nationalmannschaft gewandelt hat. Und dabei zeigt sich, dass eine gute, funktionierende Nationalmannschaft eben nichts ist, das nebenbei entsteht, wenn viele Spieler, die ja in Verband und Vereinen in der Jugend mit professionellen Strukturen ausgebildet wurden, nunmehr auf den Bundesliga-Alltag fokussieren, und dann vor den Turnieren mit Kurzlehrgängen zu einer Mannschaft zusammengeschustert werden. Andere Nationen haben da eine andere Situation, weil sich die Mannschaften in der Hierarchie und in ihrer inneren Mechanik auf der Grundlage der verfügbaren Spieler viel einfacher aufstellen lassen (einigen, denen das leicht fallen sollte, gelingt es trotzdem nicht - wie z.B meiner Meinung nach Serbien bei dieser EM). Das ist in Deutschland, trotz und gerade wegen der vielen in Frage kommenden Spieler, die in Bezug auf Leistung, Ausbildung und Alter auf einem Level stehen, nicht der Fall.
Deine Frage gehört also, finde ich, in die von Hanning angekündigte 6-Wochen-Aufarbeitung.