Harmi hatte drauf gewartet. Irgendwann musste es kommen. Irgendwann musste der Schiedsrichter doch endlich den Arm heben. 2:50 zeigte die Hallenuhr in der zweiten Hälfte an. Harmis Mädels hatten den Rekord im Dauerpassen ohne ernsthaften Torwurfversuch gebrochen. Gefühlte 50 Pässe und 15 Freiwürfe. Warum ist der Gegner auch so dusselig und hält uns dauernd fest, selbst dann, wenn wir gar nicht Richtung Tor gehen?
Zurück zum Spiel.
2:51 – Der rechte Arm des Schiedsrichters beginnt mit einer langsamen Aufwärtsbewegung.
2:55 – Der rechte Arm des Schiedsrichters hat den höchst erreichbaren Punkt erreicht
2:58 –Der Schiri beginnt, mit dem linken Arm die Pfeife Richtung Mund zu führen
3:01 - Frieda holt nach Harmis Zuruf zum Torwurf aus, die Pfeife erreicht derweil ihren Bestimmungsort zwischen den Lippen des Schiris.
3:03 – Die Ereignisse überschlagen sich. Der Ball verlässt Friedas Hand Richtung Tor, Gleichzeitig holt der Schiedsrichter tief Luft.
3:05 – Friedas Lattenkracher weckt Zuschauer, Spielerinnen und sonstiges Volk in der Halle. Zu spät für den Schiedsrichter, die in diesem Moment zum Ausblasen durch den mit einer Trillerpfeife verschlossenen Mund ausgestoßene Luft noch zum Bremsen zu bringen. Passives Spiel nach 3:06 Minuten. 
3:10 – Unser Gegner muss erst aus seiner Lethargie erwachen. Freiwurf, Fehlpass, Frieda schnappt sich den Ball und hämmert bei 3:13 unhaltbar ein. Nicht schlecht, so ein passives Spiel. So schnell kann Handball danach sein. Das waren allerdings auch die einzigen schnellen drei Sekunden im Spiel. 
Das Spiel Not gegen Elend endet 14:11 für den Gegner. Harmi ist trotzdem zufrieden, hatten seine Mädels doch tatsächlich mal wieder mehr als 10 Tore geworfen. Acht verschiedene Torschützinnen, acht Tore über die 6:0-Deckung und in der eigenen 6:0-Abwehr nur drei Tore aus dem Feld kassiert. Der Rest leider Tempogegenstöße, es bleibt noch ein wenig Arbeit…

Nach dem Spiel noch netter Smalltalk mit dem Schiri: „Ich war fast eingeschlafen, da hab ich gedacht, jetzt gib mal langsam passives Spiel….“
Szenenwechsel, zwei Stunden nach der torarmen Begenung. Die „Dritte“ spielt. Harmi muss bei seinen alten Weggefährten mindestens dreimal pro Saison Zeitnehmer machen, um die Teilnahmeberechtigung für die jährlich anfallenden gesellschaftlichen Ereignisse wie Weihnachtsfeier, Sommerfest, Kloatscheeten, runde Geburtstage oder Weggen bringen aufrecht zu erhalten. 
„Dritte“ da, Gegner da, Schiri fehlt. Kurzer Blick auf die Uhr, die Jungs aus dem Emsland wollen irgendwann auch wieder nach Hause, und schon wird ein Ersatzschiri ausgespäht: Harmi! Dazu ein zweiter Handballverrückter, der auch ständig in der Halle rumrennt. Alle einverstanden, Anpfiff, und schon geht es los mit weiteren sechzig Minuten Not gegen Elend.
Kreisliga Männer, 5:5 zur Halbzeit. Man könnte voller Optimismus geneigt sein, von starken Abwehrreihen zu sprechen. Doch es sind eher die kläglichen Bemühungen, gegen tief stehende Abwehren Tore aus sieben Metern über den Block zu werfen. Dazu zwei gut aufgelegte Torhüter.
In der zweiten Hälfte fallen doch tatsächlich 40 Prozent Tore mehr! Die „Dritte“ gewinnt 13:11. Harmi und sein Kompagnon sind mit der eigenen Leistung ganz zufrieden. Niemand hatte großartig gemeckert, das faire Spiel benötigte vier gelbe Karten und zwei Zeitstrafen. Beim Stand von 13:10 beklagt der Gästetrainer allerdings eine für ihn offensichtliche Fehlentscheidung. Vorteil weggenommen. Harmi entschuldigt sich: „Tut mir leid, aber ich hab mich so langsam dem Spielniveau angepasst.“ 
Gegners Trainer nimmt es mit Humor und Harmis Kompagnon schenkt ihm dafür vier Sekunden vor Schluss einen Strafwurf, wo Harmi locker „Kreis ab“ gegeben hätte. Aber in der Handballecke hatte Harmi ja gelernt, dass das als Feldschiedsrichter nun mal gar nicht geht. 