Liebes Handballtagebuch,
Da fährt man zur Vorrunde der Bezirksmeisterschaft mit dem Hintergedanken: „Bloß nicht blamieren, ordentlich spielen, freundlich sein, nette Leute kennen lernen, sich artig beim Gastgeber bedanken und mit drei hoffentlich nicht all zu hohen Niederlagen im Gepäck wieder nach Hause fahren.“ 
Zu viele schwache Gegner hatten uns das Leben in der Saison zu leicht gemacht. Zu viele Mädchen konnten nicht regelmäßig trainieren. Grippewelle, Schule, Konfer, alles war gegen uns. Für die Kreismeisterschaft reichte es, aber jetzt kamen andere Kaliber.
Vor dem ersten Spiel gegen die Gastgeber die Mädels noch kurz motiviert, ihnen erklärt, wie stark unser erster Gegner doch ist, --- und prompt mit 12:8 gewonnen. Im Angriff viel Bewegung, gute Chancenverwertung, solide Abwehrarbeit und im Tor mit Biene eine bärenstarke Keeperin. 
Anschließend unsere nächsten Gegner beobachten. Ein tolles Spiel mit vielen packenden Szenen und viel Athletik. Die mitgefahrenen Eltern staunen nur, die Mädels auch. Harmi erfreut sich an einem tollen Spiel und denkt so bei sich: „Na ja, dann kriegen wir gegen die beiden halt die Hucke voll. Aber wenigstens ein Spiel haben wir gewonnen.“ 
Nächstes Spiel gegen den Verlierer der letzten Begegnung. Die Mädels brauchten gar nicht motiviert werden, die hatten genug gesehen. Diese starke Mannschaft wollen wir doch ein wenig ärgern. Beide Mannschaften legen los wie die Feuerwehr. So ehrgeizig und motiviert hatte ich einige meiner Mädels noch nicht gesehen. Handball pur. Wir mit offensiver 1:5, die Anderen sogar offene Manndeckung. Das war natürlich was für Lisa und Konsorten. Endlich mal nicht gegen 5:1 Deckungen mit Damen in der 60 Kilo – Klasse. Doppelpässe, Passtäuschungen, Überzieher, volles Programm. 
Der Gegner nicht anders. Körperliche Überlegenheit gepaart mit Athletik und Technik. Durch das schnelle Spiel und einem der Spielgeschwindigkeit nicht gewachsenen Schiedsrichter leider auch viele Strafwürfe und Zeitstrafen. OK, wir sind nicht auf nem Kindergeburtstag, sondern bei der Bezirksmeisterschaft.
Ein Hammerspiel! Die Zuschauer trauen ihren Augen nicht. Der Schiri übrigens auch nicht. Unser Gegner durch die Mitte und mit Tempogegenstößen, Biene hält mehrere. Unser Gegner über außen, Biene hält alle! Unser Gegner bekommt vier Strafwürfe, Biene hält alle! 
Drei Minuten vor Schluss führen wir tatsächlich mit drei Toren. Dank Biene. Da fällt dem Zeitnehmer auf, dass die Uhr stehen geblieben war. Vergleich mit dem durchgeschwitzten und abgekämpften Schiri, es fehlen etwa 1 Minute 09 Sekunden. Anstatt jetzt allerdings die Hallenuhr auf die richtige Zeit zu bringen, lässt er die Zeit nachspielen! Also spielen wir eigentlich 2 min 18 sek zu lange. Ob er das körperlich durchsteht? Erst nachdem er wieder anpfeift, fällt mir der Fehler auf. Egal, weiter geht’s, die Mädels haben sich in Rage gespielt.
Letzte Minute, 13:11 für uns. Der Gegner bekommt den fünften Strafwurf. Schiri brauchte wohl wieder ne Verschnaufpause. Gegners Trainer ruft einen Namen, das angesprochene Mädchen zeigt ihm einen Vogel. Sie wollte sich wohl nicht mit Biene messen. Irgend ein Mädel nimmt dann all ihren Mut zusammen, tritt an --- und scheitert an Biene. Im direkten Gegenzug tanzt Lisa ihre Gegenspielerin aus, spielt Doppelpass mit Nadine, geht per Überzieher an einer anderen Spielerin vorbei und spielt wieder auf unsere Wurfmaschine Nadine, die zum Schrecken der gesamten Sporthalle in rasender Geschwindigkeit alleine auf das Tor zuläuft, bei sieben Metern abspringt und mit einem Mörderhammer den Ball in Richtung Tor zimmert. Totenstille in der Halle, doch es geht noch mal gut. Die Torhüterin hat sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht, um der drohenden Gehirnerschütterung und einer blutenden Nase zu entgehen. Der Ball schlägt mitten im Tor ein. 14:11. Gegner kommt noch mal durch die Mitte, Gegentor zum 14:12, Abpfiff, Schluss, gewonnen!

Ein Hammerspiel! Die komplette Halle steht Kopf! Eltern von anderen Mannschaften klatschen. Selbst die anderen Trainer sprechen Lob für beide Mannschaften aus. Hätten wir doch in der Saison mehr von solchen Spielen gehabt.
Im letzten Spiel waren die Mädels dann völlig platt. Da der zweite Platz zum weiterkommen reichte und unser Gegner auch weiter war, haben wir es ruhig angehen lassen und verloren Egal!
Da fährt man zur Vorrunde der Bezirksmeisterschaft mit dem Hintergedanken: „Bloß nicht blamieren, ordentlich spielen, freundlich sein, nette Leute kennen lernen, sich artig beim Gastgeber bedanken und mit drei hoffentlich nicht all zu hohen Niederlagen im Gepäck wieder nach Hause fahren.“ Hat alles geklappt, bis auf den letzten Punkt… 
In der zweiten Runde hat dann auch der letzte Punkt geklappt… Egal, sechstbeste Mannschaft im Bezirk, damit hatten wir nicht gerechnet! Für alle Beteiligten war es allerdings eine tolle Erfahrung, auf sehr spielstarke Mannschaften zu treffen, hochklassige Spiele abzuliefern und viele nette Trainerkollegen kennen zu lernen.
Gruß, harmi