Und hier der Bericht von der Schwäbischen Zeitung:
HSG Konstanz baut Siegesserie aus
3. Handball-Liga Süd, Männer: 27:22 vor 1300 Fans gegen Nieder-Roden siebter Sieg in Folge für Tabellenführer
Von Jochen Dedeleit
KONSTANZ Langsam wird es ernst. Für die Liga, den Verein und seine Fans. Die Handballer der HSG Konstanz sind in der 3. Liga Süd auf dem besten Wege, sich nach nunmehr 14:0 Punkten in Serie zu einem echten Titelkandidaten zu mausern. Das musste am vergangenen Samstagabend beim 27:22 (14:11)-Erfolg auch Aufsteiger HSG Nieder-Roden erkennen, davon durften sich zudem 1300 Zuschauer in einer fast vollen Schänzle-Halle überzeugen.
„Und das soll der Spitzenreiter sein?“, moserte ein Zuschauer, der zweifelsohne nicht zu den Stammgästen der HSG zu zählen war und wohl vorgehabt hatte, die Vorzüge der groß angekündigten Opening-Party zum Semesterstart mit ihren großzügigen Angeboten im gastronomischen Bereich kennenzulernen. Die Aussage veranlasste seinen Vordermann, sich bedächtig umzudrehen, und ihm mit einem Lächeln ein „Jetzt warte mal ab!“ mitzuteilen.
1:6 stand es zwar nach elf Minuten, doch jene, die die HSG Konstanz in dieser Saison von Anfang an begleiten, wussten, dass hier noch lange nichts verloren war. Eine Auszeit von Trainer Daniel Eblen wäre vielleicht angebracht gewesen, aber für die Initialzündung sorgte schließlich der wiederum die Ärmel hochkrempelnde Kapitän Simon Flockerzie mit zwei Treffern auf dem Feld. Der Spitzenreiter war mit der überaus offensiven und aggressiven, aber sicherlich auch kraftraubenden Deckung der Hessen, die mit drei Spielern vorgezogen agierten, überhaupt nicht zurecht gekommen und scheiterte zudem reihenweise an Gäste-Torhüter Marvin Hoppenstaedt.
In den folgenden 40 Minuten offenbarte sich aber die Klasse der Hausherren. Wobei die ganze Klasse noch nicht einmal zu sehen war. Denn wie so oft schon in der laufenden Spielzeit sprangen Spieler für ihre Nebenleute in die Bresche, bei denen es an diesem Abend nicht wie gewohnt lief. Die besten Schützen hießen dieses Mal Gerrit Bartsch, der seine neun Tore zum einen mit (gewohnt) spielerischer Raffinesse, zum anderen trocken vom Siebenmeterpunkt (4) erzielte, und Sebastian Groh. Der neben Flockerzie zweite Mann am Kreis stemmte sich mit voller Wucht gegen die aggressive Gäste-Abwehr, und war damit sechsmal erfolgreich.
Die besagten 40 Minuten gingen mit 23:9 (!) an die Konstanzer HSG, neben den elf Minuten zu Beginn gehörte den achtplatzierten Gästen aus dem Rodgau, die in ihren etatmäßigen Toptorschützen Timo Kaiser (5/1) und Sebastian Schulz (4/1) ihre treffsichersten Akteure hatten, die Zeit nach dem 24:15 (51.). Der Zuschauer, der zu Beginn gemosert hatte, klatschte nun Beifall und begeisterte sich vor allem an den Aktionen von Bartsch und Yannick Schatz, der bei seinen drei Treffern die Gegner gleich reihenweise stehen ließ. Begeistert zeigten sich auch Konstanz‘ Oberbürgermeister Ulrich Burchardt bei seinem ersten Besuch sowie Radprofi Tony Martin, zweifacher Zeitfahr-Weltmeister und Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele in London, dessen Autogramme hoch begehrt waren (die SZ wird noch ausführlich berichten).
Torhüter Patrick Glatt stand nicht nur bis zu dem Zeitpunkt, in dem er Max Wolf Platz machte, unter Strom, sondern auch noch nach dem Spiel. „Es ist kein ungutes Gefühl, wenn du den Ball an den Kopf kriegst. Denn dann hast du ihn gehalten“, ließ die Konstanzer Nummer eins mit seinem obligatorischen breiten Grinsen wissen. Und: „Mut und Masochismus gehören zu meinem Job. Den unbändigen Willen hat aber die gesamte Mannschaft.“ Darum sei nicht nur er glücklich, noch eine Woche länger ganz oben in der Tabelle zu stehen. Trotzdem habe man am Anfang der Partie wieder gesehen, wie schwer es sei, sich nach einem Sieg beim Tabellenzweiten zu Hause auf einen Aufsteiger einzustellen.
In bester Laune präsentierte sich hernach auch Geschäftsführer Frank Meisch. Obwohl sich dieser nun – langsam – mit Präsident Otto Eblen an die Aufgabe machen muss, neue Geldquellen aufzutun. „Wir müssen, wenn es denn soweit ist, für alle Eventualitäten gerüstet sein. Aber wir werden keinen Blindflug veranstalten“, so Meisch, der das Vorgehen bei West-Liga-Tabellenführer TuS Wermelskirchen gut heißt („Das ist aller Ehren wert!“). Dort verkündete Henning Faber, Geschäftsführer der TuS-Marketing GmbH, bereits nach einem Drittel der Saison, dass aus wirtschaftlichen Gründen auf jeden Fall auf den Aufstieg in die 2. Liga verzichtet werde.
„Als erstes muss an die Gesundheit des Vereins gedacht werden. Unser derzeitiger Etat von 350 000 Euro muss auf zumindest 500 000 Euro aufgestockt werden. Und dieser Betrag beinhaltet noch keinen einzigen neuen Spieler“, stellt Frank Meisch klar. Der Lizenzantrag werde der HSG Konstanz Mitte März zugeschickt, bis 30. April müsse er zurückgesandt werden. Mit entsprechendem Inhalt. Wenn Simon Flockerzie & Co. dann noch in der glücklichen Lage sein sollten, noch für die 2. Bundesliga infrage zu kommen.
HSG: Glatt, Wolf - Faißt (3), Hafner, Groh (6), Bartsch (9/4), Flockerzie (3), Schatz (3), Babik, Bruderhofer (2), Oesterle, Mittendorf, Meiners, Geßler (1).