Bei aller Euphorie sollte man den Ball ein bisschen flach halten und dem Vergleich mit Nenadic hält Holm in mehrfacher Hinsicht sicher nicht stand. Man darf auch nicht vergessen, dass Holm gestern bei allem berechtigten Lob auch viel von Wiede profitiert hat, der in vielen Aktionen der Entscheidungsträger und Raumöffner war. In vielen anderen Spielen läuft sich der Junge mit seiner Pirouette auch einfach nur fest. Da konnte er gestern (auch durch Wiede) mal ganz anders agieren und glänzen. Die Szene mit dem Tanzbären war wirklich köstlich. Die Räume in der Kieler Abwehr waren allerdings auch erstaunlich großzügig, da hat Jicha mit seiner Taktik schön ins Klo gegriffen.
In der zweiten HZ konnte man auch schön sehen, dass TW-Leistung oftmals mit der Abwehrleistung in enger Beziehung steht. MZ war ja nicht spektakulär und hat so in Manier der beiden etatmäßigen Berliner TW die Kiste vernagelt und reihenweise Freie weggenommen, sondern stand konsequent in der "richtigen" Ecke und die Abwehrspieler haben dafür gesorgt, dass die Bälle auch dorthin fliegen. Mit dieser Sicherheit im Rücken hielt er dann auch den ein oder anderen schwereren Wurf. Auf der anderen Seite kamen die Kieler TW überhaupt nicht ins Spiel, wurden eben auch sträflich von den Vorderleuten im Stich gelassen. Die Berliner konnten sich meist die Ecke aussuchen.Abschließend noch ein Wort zu den Kommentatoren, die ja oft genug gescholten werden. Martin Schwalb ist mE mit weitem Abstand der beste "Co"-Kommentator / Experte, den ich bei (Handball)Übertragungen gehört habe. Informativ ohne zu labern, sachlich ohne einzuschläfern, emotional wenn es angebracht ist ohne zu übertreiben, dazu fachlich top und bisweilen mit einem Schuss Selbstironie - große Klasse! Nicht nur gestern. Das macht wirklich Spaß, ihm ( und Petrzika) zuzuhören.
So siehts aus (ich weiß nicht, was ich da raus kürzen könnte).
Bei Kiel kann man natürlich die vergebenen zwei Großchancen gegen Ende und den verwehrten 7m zum Schluss anführen für Sieg oder Niederlage, aber es fehlte trotz der 5 vor zur HZ das zwingende Etwas schon von Beginn an zumindest im Angriff. Als dann die Berliner aufdrehten und der Zugriff der Kieler Abwehr schwand, war die Tür offen für Berlin.
Dass das Füchsepublikum begeisterungsfähig ist, habe ich schon gesehen, dass es aber auch wirklich pushen kann und den Gegner in die Schranken weist, ist mir so noch nicht so aufgefallen wie gestern, Respekt (wo wir immer beim Bashen des Publikums der anderen sind
).