Beiträge von DonMaffa

    Folgende Möglichkeiten des fussballspielenden Torwarts, wenn er den Ball Richtung Feld schießt:

    • Ball wird "aus der Hand" geschossen -> Abwurf wiederholen lassen
    • Ball liegt im Torraum -> Abwurf wiederholen lassen
    • Ball rollt im Torraum nicht in Richtung Feld -> Freiwurf für die angreifende Mannschaft
    • Ball rollt im Torraum in Richtung Feld -> Freiwurf für die angreifende Mannschaft
    • Ball ist in der Luft über dem Torraum -> Freiwurf für die angreifende Mannschaft


    Der Begriff der "Abwehr" in § 5:1 IHR kann sehr weit gefasst werden... Ansonsten Ermahnung bzw. Progression (wenn Gegenspieler gefährdet wird) gegen den Torwart. :hi:

    Selbst wenn es einen Torpfiff gegeben hätte, dann hätten die Schiedsrichter es annullieren müssen, denn es ist durch eine Regelwidrigkeit zustande gekommen. Ich denke, dass das Spiel aus o.a. Gründen mit Abwurf weitergeführt werden müsste.

    Ich könnte jetzt den Satz wortweise sezieren - unter anderem die Begriffe "zudem" oder "verletzt" - und könnte die Tatsache erläutern, dass ein Spieler eben nicht gestützt werden muss, um als verletzt zu gelten.

    Da aber die Regeln und auch die Erläuterungen in einem gewissen Maße der Interpretation der Schiedsrichter unterliegen, sollte jeder selbst wissen, inwieweit der Intention des IHF (schnelle Spielfortsetzung) gefolgt werden sollte.

    Es soll Kollegen geben, die die Erläuterung seeeehr genau nehmen... ;)

    IHF-Regelerläuterungen 2011

    Zitat

    Spielerwechsel (Regel 4:4)
    Das Verlassen und Betreten der Spielfläche darf nur über die eigene Auswechsellinie erfolgen. Eine Ausnahme bildet das Verlassen der Spielfläche durch einen verletzten Spieler nach einer Spielzeitunterbrechung. Dieser darf nicht gezwungen werden, die Spielfläche innerhalb des Auswechselraums zu verlassen, wenn klar ersichtlich ist, daβ seine Verletzung im Auswechselraum oder in der Umkleidekabine versorgt werden muss. Zudem sollten die Schiedsrichter gestatten, dass ein Auswechselspieler die Spielfläche schon betritt, bevor der verletzte Mitspieler diese verlassen hat, um so die Unterbrechung so kurz wie möglich zu halten.

    (Fettung von mir.)

    Nach IHF-Auslegung kein Wechselfehler.

    Angenommen im Straßenverkehr kommt es zu einem Zusammenstoß und es stellt sich heraus, dass einer der Autofahrer mit ordentlich Tempo meterweit rückwärts gefahren ist und dabei in die andere Richtung geguckt hat -> Wie hoch wäre hier die Mitschuld des Rückwärtsfahrers?

    Klar müsste man noch die Randbedingungen definieren (Vorfahrt, stand/fuhr der andere Beteiligte, ...). Aber grob gesagt, lässt sich doch schon festhalten, dass man mindestens fahrlässig gehandelt hat.

    Es würde doch auch niemand auf die Idee kommen, rückwärts durch einen Wald zu rennen, oder?

    Ich denke, außerhalb des Handballfeldes wird jeder anerkennen, dass blindes Rückwärtslaufen gefährlich für die eigene Gesundheit sein kann.

    Das sind alles Beispiele, die in einer Umwelt vorkommen, die nicht so begrenzt wie das Handballspielfeld sind. Im Rahmen des Tempogegenstoßes muss der Spieler einfach davon ausgehen dürfen, dass in seiner Laufrichtung kein Gegenspieler (außer dem Torwart selbst) mehr vorhanden ist. Also kann er auch nach dem Ball schauen.

    In der Umwelt sieht die Sache anders aus, da hier generische Hindernisse vorkommen, die der Fahrer so nicht ignorieren darf.

    Auch wenn man das immer wieder schreibt - es wird dadurch nicht richtig. Der Konterspieler muss nicht nach hinten schauen. Wer bewusst nicht dahin schaut wo er hinläuft kann nicht beanspruchen den Zusammenstoß nicht verhindern zu können.

    Ein Konterspieler, der nicht nach hinten schaut, um die Richtung des Balles zu sehen, hat antizipatorische Fähigkeiten, die unbeschreiblich wären. Jedenfalls ist mir eine solche Situation in meinen 15 Jahren Handballerfahrung noch nicht untergekommen.

    Beim Zusammenstoß zwischen Torwart und Gegenstoßspieler sind zwei Personen aktiv beteiligt. Das lässt sich vom Kopftreffer beim Siebenmeter nicht sagen (denn wäre der Torwart aktiv, dann gäbe es in diesem Fall keine Strafe fürden Werfer. ;) ) Daher halte ich den Vergleich für nicht zielführend - ebensowenig wie den Fall Jo Deckarm.

    Die Passivität begründet sich in beiden Fällen darin, dass der Spieler (im Gegenstoß) bzw. der Torhüter (beim 7-m) die Folgen der Aktion nicht verhindern kann. Der Konterspieler sieht den Torhüter nicht, während der Torhüter beim 7-m die Hände nicht schnell genug vor das Gesicht ziehen kann. Passiv bedeutet nicht, dass keine Handlung vorgenommen wird.
    Das Beispiel dient auch nur dazu, aufzuzeigen, was das Extrem in solchen Fällen wäre.


    Beim THW Kiel kann man sehr schön sehen wie die Regeländerung konsequent umgesetzt wird. Die Gegenstoßpässe von Thierry Omeyer erreichen die Mitspieler zielsicher bei 9 bis 10 Metern vorm Tor - gelegentlich sogar als Kempa-Anspiel direkt am Wurfkreis. Diese Bälle wären früher ein gefundenes Fressen für den gegenerischen Torwart gewesen, der acht, neuen Metern vor seinem Tor stehend die Bälle locker abgelaufen hätte. Aber durch die Regeländerung kann er sich das nicht mehr erlauben, denn er riskiert mit großer Wahrscheinlichkeit eine Disqualifikastion und einen Siebenmeter gegen seine Mannschaft.


    Wie gesagt, Handball verändert sich eben. Es gibt genügend Tohüter, die trotzdem rauskommen und die Pässe abfangen, ohne mit dem Gegenspieler zusammenzuprallen. Und wenn der Gegenspieler sich dann im Torhüter absichtlich verhakt, dann gibt es eben die Hinausstellung für den Spieler.

    Natürlich ist das Beispiel von Jo Deckarm mit starken Emotionen verbunden, zeigt aber auch gleichzeitig die Problematik. Als Beispiel unterstreicht es sehr deutlich meine Argumente.
    Es mag vielleicht sein, dass die Argumente innerhalb der Diskussion bei beiden "Seiten" aufgebraucht sind, jedoch ist das noch lange kein Grund, das zu einem Vorwurf werden zu lassen.

    Arcosh:
    Rhetorische Gegenfrage: Die Hauptaufgabe des Tempogegenstoßes ist es, mit dem Torhüter zusammenzuprallen? - Natürlich nicht. Ebenso wenig wie beim 7-m den Torwart einen Ballabdruck im Gesicht zu verpassen. Es kann aber beides vorkommen und steht auf Grund des Gefährdungspotenzials unter Strafe - egal, ob gewollt oder ungewollt, denn bei beiden Aktionen tragen Torhüter bzw. 7-m-Schütze die Verantwortung dafür, dass der Kontrahent gesundheitlich nicht zu schaden kommt.

    Steinar:
    Dem TW B droht die Disqualifikation eben nicht, wenn er in Ballbesitz kommt und steht, bevor der Angreifer herankommt.
    Ich glaube nicht, dass sich die Konterspieler früher zurückgenommen haben, nur weil der Torhüter des Gegners herauskommen könnte. Diese Regelung ist letztendlich auch eine Reaktion darauf, dass Handball eben viel dynamischer und schneller geworden ist.


    Jetzt mal losgelöst von den aktuellen Regeln.
    Ein Spieler rennt mit maximalem Tempo quer über das ganze Feld ohne auch nur einmal zu schauen wo er eigentlich hinläuft.
    Und du willst sagen man könne ihm nicht vorwerfen in Kauf zu nehmen irgendwo gegen zu laufen?

    Die Eigenschaft des Gegenstoßes ist es nun mal (in der 1. Welle), dass dort eben kein Gegenspieler ist, gegen den er laufen könnte, also muss er auch damit nicht rechnen. Mit der gleichen Logik müsste auch der Torwart damit rechnen, dass ihm der Ball ins Gesicht beim 7-m geworfen wird. Damit wäre diese Regel zum expliziten Schutz des Torhüters auch hinfällig.

    Ich denke, diese Regel ist zum Schutz für die Spieler dar und die Torhüter sollen sich darauf konzentrieren, den geworfenen Ball zu halten, anstatt Pässe abzufangen. Dann kann man nämlich auch gleich den Libero im Handball einführen.

    Schaut man sich den Fall von Jo Deckarm an, wird - glaube ich - klar, warum es diese Regel gibt, auch wenn Jo mit einem Feldspieler, den er vorher eben nicht sehen konnte, zusammengeprallt ist.

    Ja, aber der Gegenstoßspieler bleibt unbestraft, wenn er in den gegnerischen Torwart hineinrennt oder -springt. Was wäre wenn sich in einer vergleichbaren Situation der Torwart verletzt?

    Es kommt immer auf die Intention an. Der Torhüter ist nicht schutzlos, er kann zumindest (theoretisch) aktiv einen Zusammenprall verhindern. Handball ist nun mal eine Sportart, die auch zu Verletzungen führen kann. Ich kann dem Gegenstoßspieler nicht vorwerfen, dass er grob fahrlässig den Zusammenprall in Kauf nimmt; das gilt nicht für den herauskommenden Torwart. :verbot:

    Wie soll denn der Gegenstoßspieler sehen, wo sich der Torwart befindet, wenn er in Richtung eigener Torhüter schaut, um den Passweg antizipieren zu können?

    Und nochmal: Die Torhüter werden durch § 8:5 IHR nicht in ihren Bewegungsmöglichkeiten amputiert, sie müssen es sich nur zweimal überlegen, ob sie rauskommen oder nicht. Und bei einigen Kamikaze ist das auch besser so.

    Geschieht diese Aktion außerhalb des Torkreises gibt es DQ für den TW, innerhalb des Torkreises gibt es nichts für den Feldspieler. Irgendwie ungerecht und man hat eben doch den Eindruck das die TW in den Kreis gezwungen werden und die Konterspieler frei von jeglicher Verantwortung sind...

    § 6:1 IHR: "Der Torraum darf nur vom Torwart betreten werden."

    Ich denke, dass es für einen gegenstoß-laufenden Spieler viele andere Möglichkeiten gibt, einen Torerfolg zu erzielen, als es wirklich bis zur Torraumlinie auszureizen.
    Nichtsdestoweniger kann der Torwart zu jedem Zeitpunkt das Spiel überblicken und kann einschätzen, ob er mit dem Gegenspieler zusammenprallt oder nicht. Der gegenstoß-laufende Spieler kann das eben nicht und muss deswegen darauf vertrauen, dass er nicht blind mit irgendeinem Spieler zusammenläuft.

    Meiner Meinung nach werden die Torhüter eben nicht in den Torraum verbannt, sondern eher dazu gezwungen, lieber zweimal darüber nachzudenken, ob sie den Ball vor dem Gegenspieler erreichen können. Wenn dann die Gegenspielerin den Zusammenprall provoziert, liegt es bei den Schiedsrichtern, die das erkennen sollten.

    Die Regel ist doch schlicht und ergreifend die Folge aus der Disqualifikationspflicht für harte Angriffe von hinten, da auch hier der Gefoulte sich eben nicht schützen kann.