@ Zickenbändiger:
kommt ganz darauf an, welche Ziele ich mit meiner Mannschaft verfolge.
zu 1)
Auswahlmannschaften stellen für mich nicht "das Kriterium" dar. Es ist immer wieder zu beobachten, dass gerade die Auswahlmannschaften beim Länderpokal eben nicht die vom DHB geforderten Deckungsvarianten spielen. Das DHB Rahmenkonzept soll ja eigentlich die individuelle Ausbildung der Spieler(innen) gewährleisten. Die individuelle Ausbildung findet aber im Verein statt. Die par Trainingseinheiten der Auswahlmannschaften, (ich meine nicht zusätzliche Stützpunkttrainings), sind zu wenig, um eine individuelle Ausbildung zu gewährleiten. Auch die Konzentration der besten Spieler bei ambitionierten Vereinen, die dann faktisch die Landesauswahl stellen, gewährleistet nicht unbedingt eine individuelle Ausbildung. Ist zumindest bei unserem Verband so, obwohl er Seriensieger im männlichen Bereich beim Länderpokal ist.
zu 2) gerade diesen Wachstumsschüben muss Rechnung getragen werden, da die Spieler das 1-1 Verhalten eigentlich wieder neu lernen müssen. Die Koordination geht durch den Wachstumsschub verloren und muss individuell wieder erarbeitet werden. Ich glaube nicht, dass durch eine 3-2-1 mit Absicherung (HM als Libero) die individuellen Fähigkeiten verbessert werden. Ein Aspekt einer 3-3 ist zum Beispiel, dass der einzelne Spieler sofort ein Feedback bekommt, wenn er einen Fehler macht, nähmlich einen Gegentreffer. Ich sage meinen Spielern immer: "Ich will sehen, was Du in der Abwehr draufhast. Du kannst Dich nicht immer auf einen Mitspieler verlassen, der Deinen Fehler ausbügelt. Du musst Deinen Gegenspieler beherschen." Das verstehen die Jungs und bringt sie dazu, in der Abwehr ihren Gegenspieler zu bekämpfen. Dass das nicht immer klappt ist klar, aber die Spieler erkennen ihre Fehler und versuchen sie von sich aus abzustellen.
zuz 3) Im Erwachsenenbereich wirkt sich das in der Jugend versäumte aus: Das individuelle Abwehrverhalten ist nicht gut genug, um eine offensive Abwehr zu spielen. Meist wird das durch defensivere Abwehrvarianten kaschiert, bei denen dann 3 gute Abwehrspieler reichen, um eine passable 6-0 zu spielen. Dass die Rückraumschützen in den unteren Klassen nicht so Wurfgewaltig sind, kommt dann dieser Variante natürlich auch noch zu Gute. Viele Spieler merken dann noch nicht einmal, dass sie im 1-1 eigentlich Defizite haben. Wenn ich aber als Jugendtrainer die Spieler individuell stark mache, kann der Trainer bei den Männern dann jede Deckungsvariante spielen die er will. Für die taktische Abstimmung einer bestimmtem Variante braucht man bei gut ausgebildeten Spielern gar nicht so lange, bis das Grundgerüst steht. Egal welche Variante.
zu 4) Mir ist egal was die anderen Mannschaften decken. Ich trainiere meine Mannschaft. Wer sagt denn, das eine 6-0 besser ist, als andere Varianten? Nur weil alle anderen 6-0 decken, muss ich das noch lange nicht. Meinen Jungs macht die 3-2-1 in der A-Jugend richtig Spaß, weil sie so Erfolg haben und im Tempogegenstoß oder Schnelle Mitte anderen Teams überlegen sind. Auch hatten wir letzte Runde in der Oberliga trotz einer 3-2-1 als Standardvariante die dritttbeste Abwehr (Anzahl Gegentore).
Fazit: macht Euch erst selber klar, was Eure Ziele sind und richtet Euch nicht so sehr nach anderen Mannschaften, Vorgaben oder Konzepten. Ich lasse offensiv decken, weil ich davon überzeugt bin und nicht weil es das RTK des DHB vorgibt. (Das Konzept von Arno Ehret hat das ja schon lange vor dem "neuen" Konzept vom Heiner vorgesehen und das neue ist ja eigentlich nur eine Erweiterung des Konzepts von Arno Ehret).
Wenn ich eine gute Abwehr spielen lassen will, brauche ich gute Abwehrspieler. Die Spieler müssen durch Training und Spiele zu guten Abwehrspielern gemacht werden. Wenn sie noch nicht so weit sind, muss ich die individuelle Ausbildung in den Vordergrund stellen und nicht eine taktische Vorgabe einer Deckungsvariante. Wenn die Spieler in der B-Jugend noch nicht so weit sind, weil die individuellen Grundlagen fehlen, gilt das immer noch. Ich vernachlässige doch nicht die Ausbildung, weil andere andere Mannschaften in der B-Jugend bereits eine 3-2-1 oder 6-0 spielen. Ich muss mich da nach der Decke strecken und den Leistungsstand der Spieler berücksichtigen. Fehlt es beim 1-1, muss das in Training und Spiel erarbeitet werden. Hirzu eignen sich offensive Varianten im Spiel wesentlich besser.
Gruß,
TSVROT