Die Sache ist leider nicht so einfach. Nicht nur im Handball (hier ist vor allem Eishockey noch grandioser), aber besonders im Handball ist es bei einigen Klubs üblich (ich schreibe hier ausdrücklich nicht "bei allen"), Nebenabreden zu treffen, die so nicht im Anstellungsvertrag stehen. Waum man das macht? Um Steuern und Beiträge zur BG eben nicht zu zahlen. Beliebt hier sind Nebenbeschäftigungen als Übungsleiter einer Jugendmannschaft, Fahrtgeld (davon "lebt fast die ganze Regionalliga), Poolautos und keine Dienstwagen (da spart man die gledwerte Versteuerung), Sonn-und Feiertagszuschläge, Wohnungen, usw. usw. Und natürlich ganz profan: Schwarzgeld. Bei letzterem sei nur an die HSG Nordhorn anfang des Jahrtausends erinnert, mit dem Wechseltheater von Petterson zu Kiel kam doch da alles hoch, der hat mehr als doppelt soviel netto erhalten als er Jahresbrutto auf der Steuerkarte hatte. Oder seinerzeit Dushebajev und Nettelstedt.
Und diese ganzen Praktiken sind nicht ausgestorebn, im Gegenteil, in wirtschaftlich schweren Zeiten florieren Steuervermeidungs- und -hinterziehungpraktiken offensichtlich.
Zum VfL: Zrnic hatte einen guten Lauf beim VfL und pokerte hoch um einen langfristigen Vertrag. Der VfL wollte ihn halten, um jeden Preis. Das war der VfL, der sich aus Köln zurückgezogen hat und klinisch (finanziell) tot war, trotz Ec-Ziege (oder auch wegen), Also ist man bei Zrnic an die Grenzen und darüber hinaus gegangen. Jetzt, wo er nicht mehr die Leistung bringt (was nicht so überraschend ist für einen alternden Spieler) tut das natürlich weh. Zusätzlich hat sich Zrnic zu einer Diva entwikclen dürfen, man hat ihn zum Kapitän gemacht, man hat ihn mit Sead H. streiten lassen, man hat ihn nach Kroatien fliegen lassen zur Eigenbehandlung, usw. Nun kommt ein junger profilloser Trainer, der vom erfahrenen Zrnic (aber auch andere) nicht für voll genommen wird, gerade nach der Abservierung vom ungeliebten Sead H. Dann kommt ein neuer GF, der sich auch profilieren muss, vor allem gegenüber dem AR, er soll vor allem Geld reinholen. Da das sich aber als sehr schwierig erweist, konzentriert er sich darauf, möglichst viele "Fehler"des/der Vorgänger zu finden und Gelder einzusparen. Den Trainer darf er leider nicht schmeissen, denn das wiederum kann der AR sich nicht leisten, nach der Gorr-Nummer im Frühjahr.
Also was tun? Zunächst streicht er alle Nebenabreden, vor allem betroffen sind die Spieler vom Balkan, die ja i.d.R. bereiter sind, auf solche "vertragsfreien" Nebenabreden einzugehen. Da geht es nicht nur um Zrinic, da ging es auch Poolautos für Torhüter, und weiteren Einzelheiten. In diesem Kontext auch um die Behandlungskosten von Schindler. Dagegen haben sich einige Spieler gewehrt, aber im Endeffekt den Schwanz eingezogen. Zrnic eben nicht. Er beharrt weiter darauf, das ihm zugesagte Leistungen (und die ja auch tatsächlich über einen längeren Zeitraum gewährt wurden) weiterhin zu erhalten und nicht einfach ohne überhaupt mal gefragt worden zu sein, gestrichen zu werden.
Da ich kein Jurist bin, aber die Praxis recht gut kenne, geht es bei Zrnic um folgendes:
A) Kann er seinen Anspruch auf Weitergewährung der Nebenabreden durchsetzen oder nicht, Stichwort hier "konkludentes Handeln". Das bedeutet aber im Falle, dass es ihm zugesprochen wird, erhebliche Steurnachzahlungen. Erst von Zrnic, das er sich dann aber vom VfL holen wird. Meine Meinung: wird schwer für den VfL, da raus zu kommen.
B) Unterschiede im Bruttogehalt: Da geht es um die schon oben erwähnten Zuschläge für Arbeit an Nacht-, Sonn- und Feiertagen, die in den alten Verträgen pauschal mit ins monatliche Vertraggehalt aufgenommen wurden. Üblicherweise mit dem Zusatz, dass das Risiko einer möglichen Nachversteuerung beim Arbeitgeber liegt. Meine Meinung: wird noch schwerer für den VfL.
Alles andere, wie mangelnde Fitness, Schadenminderungspflicht des Arbeitnehmers sind nur Ablenkungs-bzw. Stützhilfen, die abe rnicht wesentlich sind und nur als Verhandlungsmasse dienen.
Wenn es nicht gelingt einen Vergleich zu ziehen, wird es zu eben einem Urteil kommen, welches zugunsten des Arbeitnehmers ausfallen dürfte.
Es wäre besser gewesen, auf die öffentliche Demontage des Spielers zu verzichten, dann hätte er auch leichter einen neuen Verein gefunden und auch der Vergleich käme billiger. Für den VfL und seine PR wäre es ohnehin besser, sich künftig drüber im Klaren zu sein, dass nach Winczek, Gorr und jetzt Zrnic jetzt weiteres Porzellan nicht zerschlagen werden sollte, Wer will denn zu so einem Verein, wo man Versprechungen nicht einhält oder der beleidigt unberechenbar reagiert?