Moin!
Vielleicht ist das Thema doch noch nicht erschöpft. Beim Überfliegen der Argumente habe ich den üblichen Streit zwischen ausbildungs- und erfolgsorientierten Handballern gesehen. Die jungen Idealisten gegen die alten Hasen sozusagen. Es gibt aber noch eine dritte Meinung.
Weiter oben las ich einen zutreffenden Satz. Wenn ein Kind erstmals in die Halle kommt, jagt es dann dem Ball nach oder stellt es sich freiwillig an den 6m? Natürlich wird dem Ball nachgejagt. Alles andere macht eben keinen Spaß. Ist eigentlich schon mal jemandem aufgegangen, dass es mit diesem Spaß bald vorbei ist? Bei konsequenter Regelauslegung (nämlich klare Zuordnung 1 Spieler gegen 1 Spieler) gibt es jedes Mal 7m, wenn die Anfänger dem Ball nachjagen und nicht "stupide" bei einem Gegenspieler stehen. Statt taktisches Zwangskorsett "Fleischmauer" gibt es dann das Korsett Manndeckung.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Es gibt nichts langweiligeres, als defensiv ausgerichtete Kindermannschaften. Aber ein Übel durch ein anderes zu ersetzen?!
Seit anderthalb Jahren trainiere ich eine weibliche E-Jugend. Wir haben als komplette Mini-Mannschaft in der zu hohen Altersklasse angefangen und nur Niederlagen kassiert. Abwehrtaktik war von Anfang an: Den Ball holen! Im Training habe ich schnell gemerkt, dass Manndeckung den Mädchen keinen Spaß machte. Sie wollten nur den Ball. Zur Schadensbegrenzung habe ich meine beiden "weitesten" Spielerinnen abwechselnd Libero spielen lassen. Bei Ballverlust an die Mittellinie zurück und Gegenstöße verhindern. Nach und nach habe ich einzelne Spielerinnen auch mal die stärkste Gegenspielerin manndecken lassen. Nach anderthalb Jahren habe ich die Mädchen so langsam soweit, dass ihnen auch die Manndeckung Spaß macht. Aber der Ball hat immer noch eine magische Anziehungskraft.
Diese Saison werde ich versuchen, die zwei bis drei stärksten Gegenspielerinnen direkt zu decken. Der Libero wird beibehalten. Und da ich immer wieder Anfänger dazubekomme, laufen diese eben dem Ball nach. Damit sie erst einmal Spaß am Handball gewinnen, ohne vom Trainer zu etwas gezwungen zu werden. Nächstes Jahr (nach zweieinhalb Jahren) werde ich dann soweit sein, die unsinnigen Forderungen des DHB zu erfüllen. Und dann belohne ich die gegnerischen Mannschaften, die ihr Spiel nur auf eine einzige große Spielerin zuschneiden, da ich sie zwischenzeitlich nicht "doppeln" darf und auch noch schwache Spielerinnen decken muß.
Bei aller Liebe für die offensive Deckung, als Trainer ist es meine Sache, wie ich taktisch agiere. Es gibt nämlich für Anfängermannschaften genug Gründe, erst einmal keine reine Manndeckung zu spielen, sondern erst einmal auf den Entwicklungsstand der Spieler Rücksicht zu nehmen. Die Manndeckung ist das Produkt einer Entwicklung und nicht ihr Anfang.
Mit sportlichen Grüßen!
Der Zickenbändiger