Ich finde nicht, dass es eine Frage von mangelnder Handlungsschnelligkeit der anderen Spieler ist. Es ist vielmehr eine Evolution im Rahmen des deutschen Handballs. Juri hat die Mannschaft oft getragen und war Alleinunterhalter. Da war das Spiel aber auch komplett auf Ihn zugeschnitten, da er der einzige Handballer von internationalem Format im Rückraum war. Da war sein Handball mit vielen 2:2 Auftaktsituation und der Kooperation mit dem Kreis notwendig und genau richtig, um nicht vollends krachen zu gehen.
Nun ist die Situation aber eine andere: Wir haben mit Grgic einen - in der stärksten Liga der Welt agierenden - RL in der Vorstufe zur Weltklasse. Der Mann war letztes Jahr Torschützenkönig und liefert auch in Flensburg ab wie eine Maschine. Dazu Köster und Schluroff, Dazu mit Uscins einen auch wirklich guten RR. Diese profitieren aber gar nicht von Knorrs Spielstil. Sondern man merkt dem Angriffsspiel schon an, dass es dann stottert. Und dann will es Knorr mit der Brechstange übernehmen. Kann klappen - wie im ersten Spiel. Kann aber auch nicht klappen wie im zweiten Spiel. Da ist es notwendig, das Spiel besser auf die anderen guten Spieler einzustellen und da fehlt mir bei Alfred immer noch der klare Plan. Deutschland ist zu gut, um sich noch auf Knorr alleine verlassen zu müssen.
Auch das Überzahlspiel war in beiden Spielen eine mittelschwere Katastrophe. Nur Handball im Stehen, keine Bewegung und auch kein klarer Plan, wo die Überzahl ausgespielt werden soll. Stattdessen nehmen wir dann in Bedrängnis bzw. Zeitspiel einen Wurf im 1:1 über den Block. Das war mehrmals zu sehen und ist gerade in engen Spielen absolut tödlich. Wenn du da die Sondersituationen Unterzahl / Überzahl nicht gewinnst, wird es ganz schwer.
Deutschland hat für mich einen richtig guten Kader, der mit der richtigen Einstellung und dem richtigen Feintuning jede Mannschaft schlagen kann. Solange aber solche Spiele wie gegen Island dabei sind und von außen keine Impulse für Verbesserung kommen, werden wir immer wieder im VF/HF der großen Turniere scheitern, weil andere Mannschaften einfach besser gemeinsam agieren.