HSV nimmt acht Punkte Abzug hin
Handball: Hamburger einigen sich mit der Bundesliga außergerichtlich - keine Geldstrafe.
Von Rainer Grünberg, Achim Leoni
Hamburg - Der HSV Hamburg hat den von der Handball-Bundesliga (HBL) im Dezember ausgesprochenen Abzug von acht Pluspunkten zu Saisonende akzeptiert. Im Gegenzug hebt die HBL die verhängte Geldstrafe von 15 000 Euro auf. Auf diesen Kompromiß, der nur noch formal durch das Schiedsgericht abgesegnet werden muß, haben sich die Rechtsbeistände beider Parteien verständigt. Damit rutscht der HSV in der reellen Tabelle mit nun 19:11 Zählern vom fünften auf den achten Platz ab. Die Kosten des Widerspruchsverfahrens übernimmt zu zwei Dritteln die Liga, zu einem der HSV.
Der HBL-Vorstand hatte mit der Strafe zwei Verstöße des HSV gegen die Lizenzbestimmungen geahndet. Vier Punkte waren aberkannt worden, weil der wirtschaftliche Träger des Vereins, die inzwischen insolvente Omni Sport GmbH & Co. KG, im Lizenzantrag 320 000 Euro Mietschulden an die Color-Line-Arena unterschlagen hatte. Weitere vier Punkte hatte den HSV das Ausbleiben einer testierten Jahresbilanz der Omni Sport gekostet.
HSV-Rechtsbeistand Claus Runge (Rommel & Runge) hatte dem Einspruch zwar "gute Chancen" eingeräumt und vor allem formale Fehler geltend gemacht. Allerdings hatte Präsident Andreas Rudolph hinter den Kulissen frühzeitig signalisiert, daß man sich mit dem Punktabzug abfinden werde.
Offenbar soll das Tischtuch zwischen Klub und Liga nicht noch weiter zerschnitten werden. Denn in einer weit existentielleren Angelegenheit könnte der HSV noch darauf angewiesen sein, daß die HBL Gnade vor Recht ergehen läßt: Sollte das Insolvenzverfahren gegen die Omni Sport noch vor Juli eröffnet werden, stünde der Supercup-Sieger formal als erster Absteiger fest. Mit der "Mea culpa!"-Geste hoffen die in der Liga wenig wohlgelittenen HSV-Handballer nun verspielten Kredit zurückzugewinnen.
Um in ähnlichen Fällen künftig unabhängiger agieren zu können, will die HBL die Lizenzvergabe ändern. Künftig soll eine Kommission aus HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, dem Schweriner Wirtschaftsprüfer Siegfried Friedrich sowie - im Rechtsbedarfsfall - dem Anwalt und Ex-Nationaltorhüter Andreas Thiel die Spielgenehmigungen erteilen. Der HBL-Vorstand, der sich aus Vereinsvertretern zusammensetzt, soll dagegen keinen Einblick in die Unterlagen der Konkurrenten mehr haben.
Für das Final-Four-Turnier um den DHB-Pokal der Männer am 16./17. April loste Color-Line-Arena-Geschäftsführer Uwe Frommhold gestern in Hamburg folgende Halbfinalbegegnungen aus: SG Flensburg-Handewitt - HSG Nordhorn, Frisch-Auf Göppingen - THW Kiel. Die Anwurfzeiten stehen noch nicht fest.