Handball: Matthias Rauh verläßt HSV
Hamburg - Er hatte für die nächsten drei Jahre bei den Handballern des HSV fest zugesagt. Als Matthias Rauh die Konsequenzen dieser Entscheidung aber bewußt wurden, korrigierte er seinen Entschluß. Der 24 Jahre alte Rechtsaußen, den alle im Team "Servus" nennen, sagt tschüs! Der beste HSV-Torschützte wird den Klub zum Saisonende verlassen und zum Schweizer Pokalsieger, Tabellenführer und Meisterschaftsfavoriten Kadetten Schaffhausen wechseln. Der Vertrag dort ist bisher nicht unterschrieben, das soll nach Ostern geschehen. Seine neue Mannschaft, in der dann drei Deutsche spielen werden, hat im Gegensatz zum HSV einen Platz im Europapokal sicher, in Schaffhausen freut man sich auf die Champions League.
"Meine Gründe sind trotzdem rein privater Natur", versichert Rauh, "sportlich habe ich mich in Hamburg immer sehr wohl gefühlt, und beim HSV hätte ich wahrscheinlich weit bessere Perspektiven in Richtung Nationalmannschaft. In der Schweiz drohst du ein bißchen aus dem Blickfeld zu verschwinden. Das muß ich akzeptieren." Die Liebe zu Freundin Katja ist stärker. Die angehende Lehrerin hat ihr Referendariat in Singen begonnen und ist in den nächsten zwei Jahren dort gebunden. Die Grenzstadt Schaffhausen wiederum ist von Singen gerade 18 Kilometer entfernt. Zudem wohnen Rauhs Eltern ganz in der Nähe.
"Als ich Anfang des Jahres beim HSV bis 2008 zugesagt habe, war ich nicht ehrlich zu mir", erklärt der studierte Wirtschaftsingenieur seinen gut überlegten Sinneswandel, "ich habe mich in Hamburg einsam gefühlt und war nie richtig glücklich. Wenn ich aber nicht glücklich bin, kann ich auch keine Topleistungen bringen." Die Entscheidung sei ihm dennoch sehr schwergefallen, "denn ich weiß, was ich sportlich aufgebe. Ich bedauere, diese phantastische Mannschaft und dieses tolle Umfeld zu verlassen."
Trainer Bob Hanning, der Rauh vor einem Jahr vom Zweitligaaufsteiger Konstanz geholt und ihn in der laufenden Saison zu einem überdurchschnittlichen Erstligaspieler und sicheren Siebenmeterschützen ausgebildet hatte, zeigte sich enttäuscht: "Der Abgang von Matthias Rauh ist sportlich und menschlich ein Verlust für uns. Er war auf dem Sprung in die Nationalmannschaft. Matthias gibt eine große Chance aus der Hand, seine gute sportliche Entwicklung in Hamburg fortzusetzen."
Unerwartet kommt Rauhs Entscheidung für den HSV nicht. Seit Wochen sucht Hanning auf dieser Position nach Alternativen. Zuletzt gastierte Christian Back zum zweitägigen Probetraining. Der Däne fiel aber wegen seines zu lockeren Auftretens durch. Schon heute wollen die Hamburger einen neuen Linkshänder präsentieren. Der Mann nach Rauh wird kein leichtes Erbe antreten.