ZitatAlles anzeigenHandball HSV-Boss Rudolph:
"Wir brauchen ein starkes Nationalteam"Wie der HSV vom WM-Titel profitiert - und wann der Klub Meister wird.
ABENDBLATT: Herr Rudolph, spürt der HSV bereits die Auswirkungen des Titelgewinns der Nationalmannschaft?
ANDREAS RUDOLPH (51), Präsident der HSV-Handballer: Es gibt verstärkt Anfragen von Firmen nach Autogrammstunden und nach Möglichkeiten künftiger Zusammenarbeit. Sponsoren und Gönner haben sich gemeldet, die ihr Engagement intensivieren möchten, wie Unternehmen, die neu beim HSV einsteigen wollen.
ABENDBLATT: Ist der deutsche Handball strukturell überhaupt in der Lage, dem gestiegenen Interesse gerecht zu werden?
RUDOLPH: Ob der Deutsche Handball-Bund dazu in der Lage ist, weiß ich nicht. Der HSV jedenfalls ist gerüstet. Unsere Geschäftsstelle mit Piet Krebs an der Spitze ist hervorragend besetzt. Und weit vor der WM haben wir mit dem Hamburger Sportbund schon ein Schulprojekt angestoßen, das wir inzwischen mit Leben füllen.
ABENDBLATT: Trainer und Hallenzeiten sind kein Problem?
RUDOLPH: Mit unserem Cheftrainer Martin Schwalb, seinem Assistenten Michael Bollhöfer, unserem Sportchef Christian Fitzek und in der nächsten Saison unserem Torhüter Goran Stojanovic haben wir hochqualifizierte Leute, die diese Aufgaben begleiten können. Spätestens wenn im Herbst 2008 die neue Trainingshalle neben der Color-Line-Arena steht, sollten auch die Raumprobleme gelöst sein. Dort wollen wir unser neues Juniorenteam installieren.
ABENDBLATT: Die Bundesligaklubs hatten sich vor der WM gegen die Forderung des Bundestrainers gestellt, dass bei jedem Spiel vier Deutsche im Kader stehen müssten. Welche Position bezieht der HSV?
RUDOLPH: Wir unterstützen Heiner Brand nicht nur, weil wir seit Jahren auf deutsche Nationalspieler setzen und mit dieser Regel kein Problem hätten. Welche Sogwirkung Erfolge der Nationalmannschaft haben, zeigt sich doch gerade. Wir alle brauchen ein starkes Nationalteam - 2009 wie 2019. Die Investitionen in deutsche Spieler werden sich für alle Vereine auszahlen.
ABENDBLATT: Beim Investieren scheint der HSV dank Ihnen ganz weit vorn zu liegen.
RUDOLPH: Ich kenne diese Stimmen aus der Liga, die behaupten, dass wir mit Geld um uns schmeißen. Richtig ist, dass in Hamburg kein Mittelmaß akzeptiert wird. Deshalb müssen wir uns so schnell wie möglich in der Spitze festsetzen, damit das Projekt HSV mittelfristig überlebt. Das ist im Interesse der gesamten Bundesliga, die ja in die großen Städte will, um für Premium-Sponsoren und das Fernsehen attraktiver zu werden. Falsch ist, dass wir jeden Spieler bekommen, den wir haben wollen. Der Norweger Lund zum Beispiel ist vor dieser Saison nach Nordhorn gewechselt.
ABENDBLATT: Der HSV ist vor dem Neustart der Bundesliga bei Meister THW Kiel Dritter. Geht noch was nach oben?
RUDOLPH: Wir müssen in dieser Saison nicht Meister werden, wollen aber die anderen Klubs den Titel nicht, sagen wir nicht Nein. Unsere Ziele bleiben ein Champions-League-Platz (Rang 1-3, die Red.), die Teilnahme an der Pokalendrunde und der Gewinn des Europapokals.
ABENDBLATT: Und wann wird der HSV Meister?
RUDOLPH: Sport ist nicht kalkulierbar. Wenn alles klappt, sind in der nächsten Saison zehn Spieler beim HSV unter Vertrag, die bei der WM 2007 mit ihren Mannschaften im Halbfinale standen. Dieses Team sollte um den Titel spielen können.
ABENDBLATT: Welche Personalien sind offen?
RUDOLPH: Wir verhandeln noch mit einem Polen (Michal Jurecki, die Red.) und mit der SG Kronau/Östringen über die vorzeitige Freigabe Oleg Velykys - zum 1. Juli. Dann wären wir für 2007/2008 komplett.
rgerschienen am 7. Februar 2007
Quelle: Hamburger Abendblatt