Ganz allgemein: Ich brauche keine Playoffs im Handball. Wenn sie doch kommen werde ich sicher nicht aufhören, Handball in der Halle zu schauen, aber begeistert wäre ich nicht. Im Eishockey sind die Playoffs sehr attraktiv, in den amerikanischen Ligen auch. Aber es gibt eben einige wesentliche Unterschiede. Sowohl im Eishockey als auch in den amerikanischen Top-Ligen gibt es keine sonstigen Wettbewerbe, wie Pokal oder internationale Wettbewerbe. In den USA sind die Meisterschaften auch nicht in einer Liga organisiert, in der jeder gleich oft zuhause und auswärts gegen jedes andere Team antritt. Frag mal in der NFL nach, wer letzte Saison wirklich Spaß daran hatte, 4 Spiele gegen die AFC North zu spielen, während andere 4 Spiele gegen die NFC South hatten. Dass es hier ein Playoffsystem braucht, um nach der regulären Saison einen Meiste rzu finden, erscheint mir sehr logisch.
Ich würde aber gerne auf die Gründe von Handballer2105 eingehen und darüber diskutieren, warum das für mich eher nicht zutrifft:
- Es ist ein Alleinstellungsmerkmal der Meisterschaft, dass die beste Mannschaft nach 34 (dieses Jahr 36) Spiele der deutsche Meister ist.
Richtig, sehe ich auch so, wie schon oben erwähnt. Die reguläre Saison würde dann entwertet werden.
- In einer Saison kann sich Verletzungspech ausgleichen, in einem Playoff nicht.
Verletzungen haben in den seltensten Fällen Glück und Pech als Ursache. Und wie man sieht haben den Kielern ja nun auch wichtige Spieler in der Partie gegen die Löwen gefehlt, ganz ohne Playoffs.
Dennoch handelt es sich hierbei um ein Spiel im Rahmen von 35 weiteren Spielen.
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- Für die Spitzenmannschaften ist es am Ende der Saison die reine Tortur: Final4 in Hamburg, Berlin, Köln und dann noch mal Playoffs.
Zunächst qualifiziert sich ja nicht jede Mannschaft für jedes Turnier. Die Löwen sind nicht mit dabei in Köln, der THW nicht in Hamburg und logischerweise beide nicht in Berlin. Desweiteren qualifiziert sich nicht jeder Teilnehmer des Final 4 im Pokal auch für die Playoffs. Das kann mal passieren, ist aber eher unwahrscheinlich. Also sind es nicht wie bei Dir hier vier Events, sonder maximal drei (geht ja auch nicht anders), tendenziell eher zwei.
Natürlich wird es nicht jedes Jahr so sein, dass die 4 Teams im DHB Final 4 auch die vier besten Teams der Liga sind. Aber müssen es unbedingt alle vier sein? Dieses Jahr sind es immerhin drei von vier Teams, die in Hamburg und bei Playoffs dabei wären (Stand heute). Zwei Mannschaften aus den Top 4 der HBL hast du sehr oft dabei. Und für die wäre das schon mMn zuviel des Guten, auch noch um die Meisterschaft Playoffs zu spielen.
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- Die Belastung der Spieler ist sowieso schon viel zu hoch.
Richtig, die ist eh schon viel zu hoch. Aber dann müsste man grundsätzlich mal über einiges nachdenken. Beispielsweise eine Champions League, deren Gruppen zu groß sind. Ein EHF-Pokal, bei dem es eine völlig unnötige Gruppenphase gibt. Große Turniere in jedem Jahr, alle vier Jahre sogar zwei große Turniere. Eine Qualifikation für die EURO in einem Gruppensystem...
Das wären europäische Lösungen, oder gar Lösungen auf Ebene der IHF. Wird nicht passieren, da in vielen anderen europäischen Ländern eben keine derart anspruchsvolle und ausgeglichene Liga existiert wie in Deutschland. Diese Verbände haben genau 0,00 Prozent Interesse daran, wg. der HBL im europäischen Bereich etwas zu ändern. Also: ein Lösungsvorschlag, der von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist und deswegen mMn gar nicht weiter beachtet werden muss.
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Eine Liga, die man auch auf 16 Teams verkleinern könnte.
Grundsätzlich die einzige Idee, die machbar erscheint, denn das kann man national entscheiden. Aber was ist mit den Teams, die nicht europäisch spielen, im Pokal früh ausscheiden und mit den Playoffs nichts zu tun haben? Die haben zwei Heimspiele weniger. Zahlen Sponsoren mehr oder weniger, wenn ihre Werbung seltener zu sehen ist?
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- Der Abstand zum Rest der Liga würde wahrscheinlich noch größer.
Kannst Du das erläutern? Wieso sollte der Abstand zum Rest der Liga größer werden? Ich sehe das ganz anders. Wenn der THW irgendwann auf Platz drei so viel Vorsprung hat wie beispielsweise jetzt, denn wäre das Heimrecht im Rückspiel des Halbfinals gesichert, ein mögliches Finale sowieso an neutralem Ort. Die beste Gelegenheit also, um Spieler zu schonen und nötige Ruhepausen zu verschaffen.
... und damit möglicherweise die Tabelle zu verfälschen, wenn aufgrund der Schonung von Spielern verloren werden sollte? Sicher nicht auszuschließen; ich bräuchte das aber nicht.
Wer soll denn die gesteigerten TV-Einnahmen bezahlen?
Woher sollen die kommen?
Gibt es höhere TV-Einnahmen, seit der Pokal im Final-Four ausgespielt wird?
Wer überträgt das Final-Four?
Wie sollen siebenstellige Zuschauereinnahmen generiert werden?
Welche Halle ist so groß?
Oder doch Stadion?
Könnten Playoffs oderPlaydows spannender als die vergangene oder die aktuelle Serie sein?
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Berechtigte Fragen!
Als Dauerkarteninhaber beim VFB Friedrichshafen bin ich froh, dass jetzt Playoffs sind. Noch froher bin ich, wenn endlich Finals sind. Die Liga ist ganze elf Mannschaften stark. Davon eine außer Konkurrenz. In der Runde hatten die ersten beiden Mannschaften 11 Punkte Vorsprung auf den dritten. Der dritte hat, wenn man es ehrlich betrachtet, nicht den Hauch einer Chance ins Finale einzuziehen.
Bisher gab es in Friedrichshafen diese Saison 4-5 spannende Spiele: Championsleague-Heimspiele, Heimspiele in Liga und Pokal gegen Berlin.
Playoff-Viertel und Halbfinal-spiele bisher alle 3:0.
Da überlegt man sich als Dauerkarteninhaber mit 10 min Fußweg, ob man sich das wirklich angucken soll, wenn es gegen einen Verein aus dem Mittelfeld geht, weil es einfach kein spannendes Spiel verspricht. In dieser Liga sind Playoffs absolut interessant, weil die Runde vorher eigentlich nur dazu dient sich einzuspielen und das Heimrecht für's Finale zu erwerben.
Da aber in Finale und Halbfinale eine best-of-five Serie gespielt wird, reicht auch nicht ein guter Tag um auf einmal Meister zu werden.
Und genau das ist eben im Handball, wie du richtig angemerkt hast, komplett anders. Klar gibt es auch hier Spiele, bei denen das Heimteam den Gegner mit +14, +15 aus der Halle ballert. Aber ein Spiel THW gg. Erlangen hat gezeigt, dass auch vermeintlich klare Spiele ab und an richtig eng werden können. Gibt es hinten drauf noch Playoffs, die ja sicher extra kosten, überlege es sich sicherlich einige Zuschauer, vielleicht ein oder zwei Saisonspiel (mehr als üblich) nicht zu besuchen, um dann in den Playoffs mit dabei zu sein. Ob das den Zuschauerschnitt der Mannschaften erhöht?