Beiträge von Bayerwisser

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    F) Die 2010er Jahre, Teil 1 – Alles falsch gemacht

    2010/11
    1. Bundesliga 16. Platz, Zwangsabstieg in die 2.Bundesliga wegen Insolvenz
    Schon im Vorfeld dieser neuen Saison stand der Sport wieder im Schatten der Wirtschaftlichkeit:
    im August 2010 berichteten die Medien über die Insolvenz der HR Commitment, einem der Hauptsponsoren des DHC Rheinland, auf dem eine bessere Zukunft fußen sollte. Gerüchte, dass diese Firma nie an den Start gehen sollte und nur ein Platzhalter für den in aller Eile aufgestellten Etat zur Beantragung der Lizenz gewesen sein sollte. Die 350.000 Euro wollte das Team um den neuen starken Mann Heinz Lieven „irgendwie“ auftreiben. Bis zum 9. Spieltag Ende Oktober hieß das Sportcenter trotzdem „HR-Commitment Arena“, bis zum Ende der Saison prangte der HR-C-Schriftzug auf den Trikots.
    Doch die Sponsoren, insbesondere die größeren im Chemiepark Dormagen, zeigten dem neuen Handballmodell in Dormagen genauso die kalte Schulter, wie auch andere überregionale Firmen. Sicher lag es auch an der Art, mit der Bestandssponsoren „verwaltet“ wurden und Neusponsoren durch Standardbriefe angeschrieben wurden.
    Auch andere Freunde und Förderer des TSV wurden durch die neue DHC-Führung verprellt, unter anderen dadurch, dass sie für Ihre Dauerkarten bezahlen sollten. So wandten sich nicht nur viele langjährige Förderer ab, der DHC startete auch mit nicht allzuguter Mundpropaganda.
    Die Umbauarbeiten vom TSV (Bayer) Dormagen hin zum DHC Rheinland sahen vor, dass der ehemalige Hallensprecher neuer Geschäftsführer der GmbH wurde und die Geschäftsstelle mit 3 Personen besetzt wurde – auch die Auswahl dieser Personen stieß auf wenig Gegenliebe bei Fans und Zuschauern.
    Sportlich musste der DHC erneut umgebaut werden und verlor an Qualität. Die ersten drei Saisonspiele, alles Heimspiele gingen allesamt verloren, hoch und die Entscheidungen fielen früh. Die Auswärtssiege in Melsungen und Friesenheim waren die einzigen positiver Ausrutscher nach oben. Alle anderen Spiele der Hinserie verlor der DHC und war folglich, ohne Heimsieg!- zur Saisonhalbzeit abgeschlagen letzter.
    Während der DHC sportlich vor sich hin dümpelte – Max Holst und Kentin Mahé aus der eigenen Jugend hervorgegangen, waren die wenigen Lichtblicke, hegte der DHC-Vorsitzende weiter große Pläne. Zum Heimspiel gegen Gummersbach am 23.Oktober wurde der beliebte Zuschauertreff kurzerhand in einen VIP-Raum umgewandelt (und blieb es auch!) um japanische Delegationen aus der japanischen Handballliga und Geschäftsunternehmern ein entsprechendes Ambiente bieten zu können. Vollmundig wurden Kooperationen verkündet, die dem DHC Spieler bringen sollten und Zuschauer – sogar das Hallenheft sollte zweisprachig erscheinen. Dazu mehrere Sponsoren aus der japanischen Wirtschaft. In einem der wenigen wirklich begeisternden Spiel gewann Gummersbach 38:33 gegen den DHC.
    Die Realität sah anders aus: um Kosten zu sparen wurde bereits im Oktober der DHC umstrukturiert, der Geschäftsführer stellte seinen Posten zu Verfügung und nahm seinen alten Job bei seinem alten Arbeitgeber wieder an.
    Am zweiten Weihnachtsfeiertag, dem ersten Rückrundenspieltag, 26.12.2010 gelang dem TSV endlich der erste Heimsieg der Saison. Als Aufbaugegner stellte sich wie schon im Februar Nettelstedt zu Verfügung. 25:24 endete das Spiel und das Spieljahr 2010. Noch war Hoffen in Dormagen, doch schon vor dem nächsten Heimspiel gegen Melsungen Anfang Februar war in Dormagen nichts mehr so, wie es war:
    Am 08.Februar 2011 meldete der DHC offiziell Insolvenz an – nachdem kurz zuvor noch zwei neue Spieler verpflichtet wurden, die dem DHC helfen sollten, sportlich die Klasse zu halten. Angeblich hatte die Insolvenz von HR-Commitment ein Loch in die Kasse beim DHC gerissen, das nicht gestopft werden konnte.
    Viele hielten nicht nur den Schritt für übereilt –die Entscheidung wurde einsam vom Geschäftsführer gefällt- sondern es zeigte sich im Nachgang, dass der Antrag falsch gestellt war. Der DHC war noch nicht insolvent und hätte deshalb einen Antrag auf drohende Insolvenz stellen müssen. Da der Dormagener Torwarttrainer Andreas Thiel der Rechtsbeirat des DHB ist, hätte man nur mal bei ihm nachfragen müssen, wie sich ein Insolvenzantrag und die Lizenzbestimmungen bei der HBL vertragen. So stand der DHC als erster Absteiger fest – bei drohender Insolvenz wäre man nicht Zwangsabgestiegen.
    Da der Antrag noch innerhalb der Wechselfrist kam, sollte sich das Bild der Mannschaft erneut radikal verändern. Eine schöne Geste der Solidarität und sportlichen Anerkennung vor dem Dormagener Handball leistete Füchse Berlin Manager Bob Hanning, der Fabian Böhm nach Dormagen schickte, das Gehalt übernahm und Böhm dafür Einsatzzeit bekommen sollte.
    Dormagen kämpfte nun an allen Fronten um den Erhalt des Dormagener Handballs. Auf der einen Seite fehlten 200.000 Euro, auf der anderen Seite kämpfte die Mannschaft für sich und um Werbung für den Standort Dormagen zu machen: von den folgenden 7 Heimspielen wurden –in teilweise endlich wieder begeisterter Atmosphäre und immer vor über 2000 Zuschauern- insgesamt 5 gewonnen!
    Um die 200.000 Euro aufzutreiben, die nötig waren, um die Saison durchzuspielen, wurden verschiedene Spendeninitiativen ins Leben gerufen, auch eine Rettungsparty veranstaltet – am Ende gelang die Rettung, nicht aber die insgesamt wirtschaftliche Gesundung. Nicht ein potenter Sponsor konnte gefunden werden, trotz bundesweiter Berichterstattung. Und die im Hallenheft zum Spiel gegen Friesenheim angekündigte „Gedenktafel“ im Sportcenter wurde auch nie angebracht…
    Im Heimspiel gegen die HSG Ahlen-Hamm am 13.Mai 2011 ereignete sich etwas, was im Handball Seltenheitswert besitzt: in der 27. Minute erzielte Mario Clößner ein Eigentor! Einem mißglückten Dormagener Anspiel an den Kreis konnte Clößner nicht mehr ausweichen, er fiel mit dem Ball in der hand in den eigenen Strafraum, lies dabei den Ball Richtung Tor fallen – und der Ball war drin!
    Mitte Mai wurde der DHC endlich für das Engagement von Mannschaft, Sponsoren, Zuschauern und Fans belohnt: der DHC war entschuldet und wurde aus der Insolvenz entlassen und bekam im Gang vor das Sportgericht doch noch die Lizenz für die zweite Bundesliga erteilt – mit Abzug von 8 Pluspunkten.
    So hatten alle am 27.Mai 2011 im letzten Bundesligaspiel eines Dormagener Handball-Bundesligisten noch einmal Grund zu feiern: 2500 Zuschauer feierten sich selbst und ihre Spieler, die wie entfesselt gegen den SC Magdeburg auftraten und den ersten Bundesligaheimsieg gegen Magdeburg feierten. Beim 32:27 Sieg des DHC stimmte einfach alles.
    Mit dem 490. Bundesligaspiel der Dormagener ging noch eine Ära zu Ende: nach 10 Jahren sagte Kai Wandschneider „Tschüß“. Geliebt, umstritten – aber gemessen an den Möglichkeiten sehr erfolgreich war Wandschneider –verständlich nach den Turbulenzen der letzten Jahre- ausgebrannt.
    Der DHC des Jahres 2011 hatte in allen Bereichen neu anzufangen – er machte nichts besser.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    E) 00´er Jahre, zweite Hälfte, Teil 5 – Die letzten Male

    2009/2010
    1. Bundesliga 16. Platz
    Die Saison begann schon vor der Saison mit einem Paukenschlag: Uli Derad, Manager des TSV Dormagen und Geschäftsführer des Gesamtvereins TSV Bayer Dormagen trat –überraschend und kurzfristig- zum 01.Juli 2009 den Managerposten beim THW Kiel an – und hinterlies einen Scherbenhaufen! Kurz darauf wurde der TSV-Vorsitzende, Dr. Anders entmachtet – zunächst wegen gesundheitlicher Beschwerden, so hieß es.
    Mit gemischten Gefühlen ging der TSV also in die Saison 2009/2010: an der Sponsorenfront ging es noch immer nicht richtig voran, ein „Knaller“ war trotz der guten Auftritte in der Vorsaison nicht gefunden. Etliche Rekonvaleszenten mussten sich erst wieder „beweisen“ und aus finanziellen Gründen wurden überwiegend junge, hungrige Talente in den Kader eingebaut. Weil Torwarttalent Jens Vortmann nach Dormagen wechselte, ließ sich sogar Andy Thiel als Torwarttrainer wieder offiziell beim TSV sehen. Neuer Leader auf dem Feld sollte der Grieche Spyros Balomenos sein, der dem Vernehmen nach dafür fürstlich entlohnt werden sollte und auch deshalb von Anfang an nicht richtig zum TSV passte.
    Der Spielplan meinte es gut mit dem TSV doch anders als in der letzten Saison startete der TSV schwach und verlor die ersten 5 Spiele, darunter 3 Heimspiele, unter anderem das gegen den „Abstiegsrivalen“ aus Balingen. Der TSV war punktlos Tabellenletzter, als am 7. Spieltag die Europaauswahl aus Melsungen Station in Dormagen machte. Der TSV, bereits im Spiel zuvor wieder auf dem „aufsteigende Ast“ lief in der ersten Halbzeit ständig einem knappen Rückstand hinterher, in der 42. Minute kippte dann aber das Spiel zu Gunsten des TSV als er von 21:21 in 4 Minuten auf 25:21 davon zog. Der Grieche Vasilakis holte sich dabei auch noch die Rote Karte für eine grobe Unsportlichkeit ab. Der TSV kontrollierte nun das Spiel und gewann am Ende verdient seine ersten Saisonpunkte. Doch etwas hatte sich verändert: die „großen“ Mannschaften unterschätzten den TSV nicht mehr, machten früh ernst, so dass die Spiele häufig früh entschieden waren und endeten fast immer sehr deutlich für den Gegner – obwohl die Mannschaft wieder alles gab und Trainer Wandschneider keinen Trick und Kniff auslies (außer der Manndeckung). Auch wenn die Ergebnisse es nicht immer ausdrückten: er hatte in der letzten und dieser Saison seine Reifeprüfung gemacht.
    Doch die dunklen Wolken am TSV Himmel wurden noch dunkler: ., im Oktober wurde nach nur wenigen Jahren erneut ein Finanzloch entdeckt, dass ca. 1,5 Millionen Euro groß sein soll. Wie schon vor ein paar Jahren sprang erneut die Bayer AG für den Verein ein, bestand aber gleichzeitig darauf, dass der Profihandball komplett aus dem Hauptverein herausgelöst werden müsse. Heinz Lieven nahm sich der Aufgabe an, die Gesellschaft DHC Rheinland zu gründen, die Spielerverträge wunden umgeschrieben und der TSV Dormagen konnte sich nun wieder um den sportlichen Nicht-Abstieg kümmern, der benötigt wurde um das Projekt DHC Rheinland überhaupt starten zu können. Das werben um weiteren Sponsorenpartner, in vielen Augen von Fans und Zuschauer als zentrales Element zum Überleben des Dormagener Handballs gesehen, lag aber weiter brach.
    Ein Spieler wollte da schon nicht mehr mitmachen: Kjell Landsberg verlies „über Nacht“ den TSV Richtung Göppingen.
    Zum letzten Heimspiel des Jahres kamen die aufstrebenden Füchse aus Berlin nach Dormagen. Der TSV war zu dem Zeitpunkt Tabellenletzter mit 2 Siegen und 13 Niederlagen – und hatte eigentlich keine Chance gegen die Füchse. Doch das Dormagener Weihnachtswunder wurde wahr: gegen blutleere Berliner spielte sich Christoph Schindler in einen Rausch (12 Tore) und riß dabei Mannschaft und Publikum mit. Gemeinsam wurde am Ende der 32:23 Kantersieg gefeiert. Von dieser Euphorie beflügelt fuhr der TSV und ca. 1000 Dormagener 3 Tage später nach Düsseldorf zum Abstiegsgipfel.
    Als nach 5 Minuten der TSV bereits 1:4 führte, dachten viele, dass der TSV den zweiten Sieg in Folge holen würde. Doch zur Halbzeit stand es unentschieden, auch, weil ein gewisser Bostjan Hribar, kurz zuvor von den Düsseldorfern verpflichtet, richtig gut einschlug. Bis zur 44.Minute war das Spiel spannend, dann zerfiel der TSV komplett und war am Ende mit 34:26 geschlagen. Das Weihnachtsfest war für die Dormagener Handballfans gründlich verdorben.
    Im Januar 2010 warf der DHC Rheinland seine ersten Schatten voraus. Als Sponsor für den Hallennamen und Trikotwerbung hatte das Team um Heinz Lieven den Jobportalanbieter „HR-Commitment“ gewonnen, der ankündigte, sich eine 10jährige Partnerschaft mit dem DHC vorstellen zu können.
    Das erste Heimspiel am 12.Februar wurde dann auch prompt gegen Nettelstedt gewonnenn, anschließend gab es noch eine rauschende Karnevalsparty in der neuen „HR-C Arena“ – die Hoffnung auf eine bessere Zukunft hatte begonnen.
    Doch es kam wieder einmal ganz anders: den ersten Nackenschlag bekam der TSV 6 Stunden vor Ende der Wechselfrist, als sich völlig überraschend Christoph Schindler, bis dahin bester Werfer für den TSV, für einen Wechsel nach Gummersbach entschied, weil die Gummersbacher Schindler unter Druck gesetzt hatten. Der TSV hatte keine Möglichkeit mehr, einen Spieler nachzuverpflichten. Trainer Wandschneider nannte das Verhalten des VfL zu Recht öffentlich „Nicht akzeptabel“.
    Und auch mit dem neuen Großsponsor HR-C schien etwas nicht zu stimmen: das großartig angekündigte Jobportal ging erst gar nicht, dann nur reduziert an den Start und wurde bald wieder vom Netz genommen. Befürchtungen, die es schon zu Beginn der Partnerschaft gab, dass es sich hier um ein „Windei“ handeln könnte, schienen sich zu bestätigen.
    Sportlich lief es ebenfalls nicht mehr: nach der ernüchternden Heimniederlage gegen Hannover-Burgdorf folgte ein 31:31 gegen den Tabellenletzten Minden, bei dem Barna Putics in der Schlusssekunde den Ausgleich herstellte.
    Und nochmals wurde ein den Gesamtverein bedrohendes Finanzloch entdeckt, diesesmal über ca. 3,5 Millionen Euro, dass den Gesamtverein TSV Bayer Dormagen an den Rand der Insolvenz führen könnte. Noch einmal machte Bayer den Geldkoffer auf, um den Hauptverein mit 5000 Mitgliedern vor der Insolvenz zu retten. Diesesmal war die Rettungsaktion eher ein Darlehn, dass der Verein zurückzuzahlen hatte.
    All diese Vorkommnisse ließen es nicht zu, sich alleine auf den Sport zu konzentrieren, auch weil bereits an einer neuen Mannschaft für die kommende Saison gebastelt werden musste. So beendete der TSV die reguläre Runde aber dennoch immerhin auf dem Relegationsplatz 16. Mit seiner 6. Relegationsteilnahme war der TSV damit „offiziell“ Relegationsweltmeister.
    Gegner war der TV Emsdetten, der noch vor Beginn der Relegationsrunde den ersten Sieg gegen den TSV einfahren konnte: durch seinen Haltung, die Spieltermine nicht verschieben zu wollen, musste der TSV nicht nur auf die Dauerverletzten Wisotzki, Plaz und Chantziaras verzichten, sondern im Rückspiel auch auf Balomenos und vielleicht Lochtengbergh und Schagen, die mit Ihren Nationalmannschaften spielen mussten.
    Für die Spiele gegen Emsdetten wurden die mit Zweitspielrecht ausgestatteten Gelbke und Doetsch in den Kader eingebunden und ausgiebig das „Wunder von Emsdetten“ von vor 27 Jahren beschworen. Beeindruckend war die „Emsdettener Wand“ im Sportcenter am 13. Juni 2010: die ca. 500 Fans des TVE waren mehrheitlich in grüne T-Shirts gekleidet und machten optisch und stimmlich viel her. Ihre Mannschaft hielt gut mit, der TSV allerdings zeigte sich abgeklärter und konnte in der zweiten Halbzeit noch einen 4 Tore Vorsprung herauswerfen. Nicht viel.
    Dann ging es am 19.06.2010 zum Rückspiel in Münster, zu dem ca. 400 Dormagener mitfuhren. Auch hier machte Emsdetten wieder mächtig Stimmung, sie waren heiß auf den Aufstieg, aber auch der TSV wurde von uns bedingungslos angefeuert. Die Dormagener mussten auf Balomenos verzichten, Lochtenbergh und Schagen waren dabei, weil Sie –kaum geschlafen- direkt nach ihrem Länderspiel abgeholt wurden. Und der TSV hatte noch einen Coup gelandet: Gennadij Chalepo wurde mit 42 Jahren für dieses Spiel reaktiviert, um dem Dormagener Kader in der Abwehr Pausen gönnen zu können.
    Der TSV lag die gesamte erste Halbzeit über in Front, doch das fanatisch mitgehende Publikum ließ nicht nach und der TVE auch nicht. Nach 50 Minuten stand es 21:21, doch es war sichtbar, dass der kleine Dormagner Kader auf dem Zahnfleisch ging. Als in der 54. Minute das 24:21 für Emsdetten fiel, hätte das Spiel kippen können, doch nun sprangen die „Youngster“ in die Bresche: Schagen, Mahé und Nippes sorgten dafür, dass Emsdetten nie näher als 3 Tore davonziehen konnte. Am Ende hatte es gereicht: 29:26 – der TSV hat das zweite Wunder von Emsdetten geschafft und mit diesem Kader erneut die Klasse halten können. Die Spieler jubelten wie in Trance, in Dormagen wurde im Anschluss die Nacht zum Tag gemacht.
    Es war das letzte Profihandballspiel einer Mannschaft des TSV Bayer Dormagen, bevor der neue DHC kam und die Geschichte fortschreiben wollte. Es wurde eine traurige Geschichte…

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    E) 00´er Jahre, zweite Hälfte, Teil 4 – Wenn Ergebnisse unwichtig werden

    2008/09
    1. Bundesliga 15. Platz
    Der Aufstiegskader des TSV blieb weitgehend zusammen, sicher auch um Kosten zu sparen. Lediglich Alexander Koke, der im letzten Jahr ein zerrüttetes Verhältnis zu Trainer Wandschneider hatte, und Top-Shooter Adrian Pfahl, dem es neben dem Finanziellen auch am System Wandschneider mangelte, verließen den TSV. Neu dazu stießen zwei Spieler, die, jeder auf seine Weise für Traurigkeit im TSV Lager sorgen sollten: Denis Zakharov und der junge Sebastian „Sebi“ Faißt.
    Vieles war neu in Dormagen, angefangen damit, dass die Internet-Fans sich eine neue „Bleibe“ suchen mussten, da das handball-Board nur für Zweitligisten gedacht war, über neue Trikotpartner, weil Bayer nicht mehr sponsorte, bis hin zu einem neuen Vereinslogo und Vereinsnamen. Zumindest letzter sollte die Tradition des TSV Bayer Dormagen fortführen. Man entschloss sich, als TSV Dormagen an den Start zu gehen.
    Die Saison begann mit einer Sensation: erstmals überhaupt gelang es einer Dormagener Mannschaft in Kiel, beim amtierenden Deutschen Meister zu punkten. Maciej Dmytruszynski verwandelte kurz vor Schluss einen Siebenmeter und sicherte dem TSV nicht nur ein 28:28 Unentschieden, sondern auch bundesweite Aufmerksamkeit!
    Nach zwei Klatschen in den folgenden Spielen kam am vierten Spieltag mit dem letztjährigen Tabellendritten HSV Hamburg eine Top-Mannschaft zum Punkspiel ins Sportcenter. Und mit Ihr kam der Schweinehallen-Schwalb.
    Der TSV hielt überraschend gut mit und führte in der 21. Minute sogar 13:10 – das Sportcenter stand wieder einmal Kopf. Zur Pause trotze der Underdog dem turmhohen Favoriten immerhin ein 15:15 ab. Das Spiel war nichts für schwache Nerven: die Dormagener kämpften und spielten, führten ständig mit einem oder zwei Toren, und als Miki Lochtenbergh sehenswert von außen das 28:26 zwei Minuten vor Schluss erzielte, war das der Sieg gegen Hamburg. Das 28:27 wurde gefeiert, wie eiine Meisterschaft, wie der Aufstieg. Das Sportcenter war wieder einmal Garant für eine Sensation und Martin Schwalb sichtlich bedient.
    Wie sehr das Dormagener Pubnlikum hinter seiner Mannschaft stand, aber auch wieviel Sachverstand es besitzt, machte auch das Heimspiel gegen Lemgo deutlich: 22:31 verloren, aber die Spieler wurden trotzdem gefeiert. Jeder in Dormagen konnte einschätzen, wie sensationell es war, dass der TSV noch einmal in der Bundesliga spielte – mit einer Zweitligamannschaft und einem Zweitligaetat.
    Am 10. Spieltag, dem 25.10.2008 kam laut Spielplan das erste Spiel, bei dem der TSV punkten konnte. Der alte Rivale aus Balingen kam nach Dormagen. Das Spiel war gewohnt eng und hitzig, Dormagen führte nach 20 Minuten mit 3 Toren, zur Halbzeit aber nur 16:15 durch eine doppelte Zeitstrafe kam Balingen wieder ran. Bis zur 49.Minute blieb es eng, dann erhielt Balingen eine doppelte Zeitstrafe und obendrein „Publikumsliebling“ „Litty“ Ettwein die rote Karte. Dormagen nutzte die Überzahl und brachte das Spiel nach Hause. Zum letzten 7m, es stand 27:23 für Dormagen trat dann Christian Ramota, Balingens Torhüter an, er sprach kurz mit Jojo Kurth und verwandelte zum Endstand. Am Tag danach erfuhren wir, dass dieses Ramotas letztes Handballspiel gewesen ist. In der Tabelle hatte Dormagen durch den Sieg Anschluss ans untere Mittelfeld gefunden.
    Vor dem 11.Spieltag gab Dormagens langjähriger und ungleich erfolgreicherer Konkurrent TuSEM Essen seine Insolvenz bekannt und stand –früh in der Saison- als erster Absteiger fest. Um die Saison zu Ende spielen zu können um in Liga zwei zu starten, verpflichtete der TuSEM in der Rückrunde drittklassige englische Handballer, die sich auf Olympia vorbereiten wollten. Eine Farce, die sich für Essen aber gelohnt hat. Schon kurz darauf kündigte auch der Stralsunder HV an, gegebenenfalls Insolvenz beantragen zu müssen. Schon im Oktober war also fraglich, ob über die Absteiger überhaupt sportlich entschieden wird.
    Der 11. Spieltag sah das Spiel des TSV gegen Minden vor. Ich machte mich mit einem Freund auf Richtung Kampa-Halle, da wir hofften, dass beim Tabellennachbar vielleicht etwas „geht“. Das Spiel war mäßig, der TS fand keine Einstellung zum Gegner, lag zur Halbzeit 14:10 zurück und am Ende 30:24. 10 7-Meter von Miki Lochtenbergh und 9 Tore von ihm reichten nicht; bei Minden traf Michael Hegemann ebenfalls 9 mal. Wir waren –das erste Mal in der Saison- so richtig bedient.
    Im nächsten Heimspiel sollte sich unsere Laune aber auch die Einstellung der Mannschaft wieder ändern: der VfL Gummersbach kam – die Dormagener Filliale. Die Talente, die Dormagen entdeckte und ausbildete, kaufte und kauft der VfL weg: heute: Szilagyi, Wagner und Adi Pfahl. Später kamen auch Schindler und Kentin Mahé dazu.
    Dormagen hielt direkt zu Anfang gut mit, nach 17 Minuten schien das Spiel aber seinen erwarteten Verlauf zu nehmen: Zrnic verwandelte zum 9:12. Doch dann drehte der TSV auf, Gummersbach konnte den TSV nucth durch Fouls stoppen und die 7-Meter verwandelte Miki Lochtenbergh sicher. Zur Pause hieß es plötzlich 17:13 für den TSV – welch ein 8:1 Zwischenspurt gegen so einen Gegner!
    Dank Momir Illic und zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen kam der VfL wieder heran und ging in Führung, die Wisotzki 4 Sekunden vor Schluss zum umjubelten 28:28 ausglich. Nach Anwurf kloppten sich Szilagyi und Schindler am Mittelkreis, beide bekamen Rot aber der TSV hatte einen Überraschungspunkt gesichert.
    Im Dezember wurden noch einige personelle Korrekturen am Kader vorgenommen: „Aufstiegsheld“ Joey Duin welchselte zum Bergischen HC in Liga 2, Mate Josza nach Ungarn und Chantziaras vom Insolventen Stralsunder HV nach Dormagen. Mit diesem Kader holte der TSV ein Unentschieden gegen Stralsund und in Wetzlar, bevor zum Ende der Hinrunde das Spiel in Essen anstand. Essen war zu dem Zeitpunkt noch mit seiner ersten Mannschaft am Start, so dass sich sich ein Krimi entwickelte, bei dem sich keine Mannschaft absetzen konnte. Dauernd wechselte die Führung, das Siegtor gelang –wieder einmal- Florian Wisotzki mit der Schlusssirene.
    Mit 10 gewonnenen Punkten beendete der TSV sensationell als 15. Die Hinrunde.
    Sieben Tage später feierte der TSV einen neuen Zuschauer-Rekord: im Spiel gegen den THW Kiel war das erweiterte Sportcenter erst- und letztmalig komplett ausverkauft: 3002 Zuschauer werden den TSV wohl so schnell nie wieder sehen wollen und werden.
    Am Samstag, 14.Februar 2009 gab es erstmals seit Jahren Pfiffe im Sportcenter gegen die eigene Mannschaft. Grund dafür war ein blutleerer und lustloser Auftritt des TSV gegen Großwallstadt. Wurde die Mannschaft zuvor auch bei hohen Niederlagen gefeiert, weil die Zuschauer merkten, dass das Team alles gegeben hat, so war das bei der 25:34 Niederlage –zu Recht- nicht der Fall, auch wenn das ein Neusser Journalist ganz anders sah: http://www.ngz-online.de/lokalsport/von…lassen-1.181463
    Anfang März wurde nicht nur der TSV Dormagen, sondern die ganze Handballwelt in Deutschland geschockt: Der Dormagener Junioren-Nationalspieler Sebastian Faißt, vor der Saison aus Konstanz nach Dormagen gewechselt und eines der größten Deutschen Handball-Talente verstarb während eines Junioren-Länderspiels am 3.März in der Schweiz. Tragischerweise wurde „Sebi“ am Tag seines Geburtstages, dem 07.03. beerdigt.
    Weniger wichtig, aber der nächste Schock für den Deutschen Handball folgte kurz darauf: die HSG Nordhorn war der dritte Verein, der am Ende der Saison aus der Bundesliga absteigen muss – auch er war insolvent. Damit war Anfang März klar, dass es keine sportlichen Absteiger geben würde. So früh in der Saison konnte der TSV lange nicht mehr die kommende Saison planen.
    Der Rest der Saison ist schnell erzählt: beim 26:20 Sensationssieg über Flensburg am 08.April 2009 gewann der TSV das erste Spiel der Rückrunde nach 7 Niederlagen in Folge. Diesem folgte noch der Sieg in Stralsund und die Heimerfolge gen Wetzlar und Essen an den letzten beiden Heimspieltagen.
    Die Saison beendete der TSV auf Rang 16, was, nochmal, angesichts der finanziellen und personellen Möglichkeiten und dem Verletzungepech in der Saison wirklich sensationell war. Dem TSV wurde durch die Insolvenzen ein weiteres Jahr Bundesliga geschenkt.

    E) 00´er Jahre, zweite Hälfte, Teil 3 – Strahlender Glanz und dunkle Wolken

    2007/08
    2. Bundesliga Gruppe Süd 1. Platz und Aufstieg in die 1. Bundesliga
    Zum letzten Mal trat der TSV Bayer Dormagen unter dem Namen seines Stammvereins an. Mit Max Holst und Tim Henkel wurde das Team ergänzt, mit Maciej Dmytruszynski verfügte der TSV erstmals seit Pascal Mahé über einen Abwehrhünen – am Ende waren viele der Meinung, dass Maciej der Garant des Aufstiegs war. Nicht mehr mittun wollte beim TSV Adrian Wagner, der kurz nach Saisonbeginn unter dubiosen Umständen den Verein wechselte.
    Der TSV kam gut aus den Startlöchern. Nach einem knappen Erfolg über Hüttenberg und einem Kantersieg bei Wallau-Massenheim war der TSV nach zwei Spieltagen bereits Tabellenführer. Am 3.Spieltag kam der neben Dormagen größte Aufstiegsfavorit, der rechtsrheinische Rivale aus Düsseldorf zum Derby. Vor ausverkauftem Haus zeigte Maciej direkt eine gute Abwehr- und mit 6 Toren auch sehr gute Angriffsleistung. Düsseldorf wurde mit 35:28 nach Hause geschickt, der TSV hatte erste Duftmarken gesetzt.
    Dormagen pflügte souverän durch die Halbserie, lediglich zwei (Auswärts-)Niederlagen und zwei Unentschieden (zu Hause gegen Coburg und in Bietigheim) brachten dem TSV mit zwei Punkten und +50 Toren Vorsprung vor Düsseldorf die Halbzeitmeisterschaft ein. Zu Hause hatte der TSV seit 3 Jahren nicht mehr verloren.
    Das Dormagen gewillt war, in diesem Jahr aufzusteigen, zeigte auch die Verpflichtung von Torhüter Vitali Feshchanka im Dezember vom insolvenzbedrohten OHV Aurich.
    Das Derbyrückspiel in Düsseldorf am 03.02.2008 erhitzte schon vor dem Spiel die Gemüter der Dormagener Fans. Denn der findige (oder windige?) Manager der HSG Düsseldorf, Frank Flatten erhob plötzlich für Dormagener Kartenbestellungen Top-Zuschläge: so sollten Dormagener für nichtnummerierte Sitzplätze im Oberrang das Gleiche zahlen, was nummerierte Sitzplätze im Unterrang kosteten. Trotz dieses Geschäftsgebarens machten sich knapp 1700 Dormagener auf den Weg ins Castello nach Reisholz – und wurden nicht enttäuscht. Erneut gewann der Tabellenführer gegen den Tabellenzweiten. 32:30 stand am Ende auf der Anzeigentafel, Wisotzki mit 9 Treffern wurde gefeiert, Frank Flatten verhöhnt, der Vorsprung auf die HSG betrug 6 Punkte.
    Die nächste Blau-Weiße Invasion gab es am 29.März 2008: der TSV trat beim Bergischen HC in der Wuppertaler Bayer-Halle an. 600-700 Fans des TSV unter den 2350 Zuschauern sorgten erneut für Heimspielatmosphäre und Aufstiegseuphorie in Dormagen. Der TSV nahm auch die Hürde beim BHC mit 24:22, war bis zur 45 Minute klar spielbestimmend und biss sich am Ende durch: Adrian Pfahl machte mit 11 Toren sein vielleicht bis dahin bestes Spiel für den TSV, Nils Meyer tankte sich in der Schlussphase unnachahmlich durch die BHC Abwehr und machte die letzten beiden, wichtigen Tore. Der Rest war Jubel pur! Der TSV hatte damit alle 11 Rückrundenspiele gewonnen und war seit 13 Spielen (nur 1 Unentschieden) ungeschlagen.
    Am 12. April 2008 war es dann endlich so weit: unser Traum wurde wahr. Rückblickend auf den Zwangsabstieg in die Regionalliga haben Verantwortliche beim TSV, Spieler und Fans alles dafür gegeben, nocheinmal in die Stärkste Liga der Welt zurückzukommen. Mit der Demontage der Friesenheimer (36:27) vor –natürlich- ausverkauftem Haus und der gleichzeitigen Niederlage der Düsseldorfer beim Tabellen-17. Oftersheim/Schwetzingen machte der TSV den Aufstieg bereits 5 Spieltage vor Saisonende perfekt.
    Die größte und längste Party Dormagens konnte beginnen und dauerte bis zum letzten Spieltag, einem Heimspiel, bei dem der TSV die Meisterschale in Empfang nehmen durfte. Der Kreis hatte sich geschlossen.
    Doch es war nicht alles erfolgreich und glänzend in der Saison. Der angekündigte Rückzug der Bayer AG vom Sponsoring, die Loslösung vom Hauptverein, die schwierige Sponsorensuche in ähnlicher Größenordnung und ein katastrophales Kommunikations- und Marketingkonzept warfen bereits erste dunkle Schatten auf die sportlichen Erfolge des TSV Bayer Dormagen. So stand der Handball in Dormagen im Moment eines großen Triumphes auf der Kippe – nicht zum letzten Mal. Leider.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    E) 00´er Jahre, zweite Hälfte, Teil 2 – Same procedure as last year

    2006/07
    2. Bundesliga Süd 2. Platz und Relegationsspiele
    Eine Saison, die so endet, wie die vorherige, nur ohne die Dramatik.
    Um Aufzusteigen hatte der TSV seinen Kader noch einmal verstärkt. So kam das eingespielte und torgefährliche Team Adi Pfahl / Ingo Meckes aus Oßweil, dazu mit Adrian Wagner ein Ex-Nationalspieler für die linke Außenbahn.
    Dennoch begann die Saison mit einem peinlichen Fehlstart: beim „Dorfklub“ TV Kirchzell setzte es für das Dormagener Starensemble mit 28:26 eine nicht eingeplante Auswärtsniederlage.
    Zum Heimspiel am 18. November 2006 sorgte eine „neue Regelung […], die bei anderen Vereinen weitgehend üblich, weil zeitgemäß“ (Zitat Uli Derad im Hallenheft) für Unruhe. Die Pressekonferenz wurde nun nicht mehr öffentlich abgehalten. Vermutlich war aber der wahre Grund, dass sich Kai Wandschneider auch immer mal wieder unangenehme Fragen zu Taktik und Personal gefallen lassen musste. Das Fass zum Überlaufen sollen die als „Rentnertisch“ in die Geschichte eingegangenen Zuschauer gebracht haben, die sich kritisch gegenüber dem Trainer äußerten.
    Sportlich lief es –gemessen an der letzten Saison und den eigenen Ansprüchen, eher durchwachsen: nach 14 Saisonspielen stand man nur auf Platz 4, auch weil sich Adrian Pfahl früh an der Schulter verletzt hatte. Anfang Dezember wechselte deshalb Christoph Schindler zum TSV.
    Am 21. Februar 2007 kam es endlich wieder einmal zum ewigjungen Duell mit TuSEM Essen. Die Essener reisten dabei als Tabellenführer an, der sie seit dem ersten Spieltag waren, und hatten 5 Punkte Vorsprung auf den TSV, der Rang drei belegte.
    Das Sportcenter war wieder einmal ausverkauft und wie so häufig in Heimspielen gegen Spitzenteams dominierte der TSV das Spiel. 5 Minuten vor Schluss feierten die Dormagener das 26:22, doch der TSV verspielte diesen Vorsprung noch u8nd als Schütte 2 Sekunden vor Schluss von linksaußen noch den Ausgleich warf, war wieder einmal der TSV nur der „moralische Sieger“.
    Besser machte es der TSV am 20.April gegen Hüttenberg, den einzigen Mitbewerber neben Essen und Dormagen um den Aufstieg. 30:27 siegte der TSV und blieb somit im Aufstiegsrennen mit den schwächelnden Essenern, die nur noch einen Punkt Vorsprung hatten.
    Das Schicksal und der Spielplan wollten es, dass am letzten Spieltag, dem 19.05.2007 die beiden punktgleichen Mannschaften aus Essen und Dormagen in Essen aufeinander trafen. Essen war um 40 Tore besser, um Aufzusteigen musste der TSV also gewinnen. Wieder ein Endspiel.
    3300 Zuschauer am Hallo, ca. 800 davon aus Dormagen und ein absolut lausiger Getränke- und Essensverkauf, aber ein Start nach Maß für den TSV: 5:1 hieß es nach 9 Minuten, der TSV war auf einem guten Weg. Mit 12:10 ging es in die Halbzeit, in der es neben einem dramatischen Auftritt von Uwe Stemberg auch Diskussionen um die Anfeuerung und Kommentierung durch den Essener Hallensprecher gab. Essen kam in Halbzeit 2 bis zur 37. Minute zum Ausgleich, ab der 47. Minute kippte das Spiel und aus einer 17:16 Führung wurde ein 20:17 Rückstand. Der TSV fightete noch einmal zurück, aber mit dem 21:21 Endstand feierte Essen den Aufstieg und Dormagen musste wieder in die Relegation. Was heißt Essen feierte? Das war keine Feier. Die Halle war Minuten später leer, vor der Halle trafen wir noch eine Mutter eines Spielers, die niemanden mehr fand, mit dem sie ihre halbvolle Sektflasche leeren konnte. Das war ziemlich erbärmlich.
    So zog der TSV also wieder in die Relegation gegen den Nordstaffel-Zweiten, den Stralsunder HV. Der TSV war sichtlich angeknockt vom Spiel in Essen und konnte zu Hause nicht den nötigen Sieg verbuchen, der Sicherheit für das Rückspiel gegeben hätte. 31:31 endete das Spiel, zur Halbzeit lag Dormagen eigentlich schon aussichtslos 10:16 zurück.
    Im Rückspiel nahmen die siegesgewissen Stralsunder den TSV auf die leichte Schulter. Dormagen hatte seinen Biss wiedergefunden und kämpfte sich in die Relegation. Am Ende gewann der TSV 27:30 und beim Grillen im Garten waren wir froh, dass News 89,4 live von der Ostsee berichtete.
    Am 7.Juni machten wir uns dann nach Lübbecke auf. Nettelstedt war alleine vom Kader her schon ein ganz anderes Kaliber als letzte Saison Wilhelmshaven. Vor 3300 Zuschauern, über 500 davon aus Dormagen, führte der TSV nach 9 Minuten 3:6, danach aber setzten sich die erfahrenen Legionäre des TuS durch, ohne sich absetzen zu können. Über den 16:13 Halbzeitstand blieb der TSV, frenetisch angefeuert von seinen Fans aber in Schlagdistanz und verlor am Ende nur knapp 30:28. Matthes Reckzeh machte dabei ein absolutes Top-Spiel für den TSV.
    Das Rückspiel in Dormagen war auf den Tag genau ein Jahr nach dem Wahnsinnsspiel gegen Wilhelmshaven. Auch diesesmal war es wieder heiß, die Stimmung prächtig, aber trotz des knappen Hinspielergebnises angespannt. Man hatte Respekt vor dem Namen Nettelstedt und seinen Ausländern.
    Bis zur 26. Minute war das Spiel ausgeglichen und auf Augenhöhe, dan war der TSV unkonzentriert, schoß den Torwart an und ging mit 11:14 in die Pause. Nettelstedt wirkte abgezockt, es war eigentlich klar, dass eine Aufholjagd wie in der letzten Saison ausbleiben würde. Und so war es dann auch: Nettelstedt kontrollierte das Spiel in Halbzeit 2, auch weil Torwart Friedrich sensationell hielt.
    Beim 16:21 in der 43. Minute schien das Spiel gelaufen, der TuS lies das Spiel schleifen, Dormagen kam nocheinmal auf unter dem ohrenbetäubenden Jubel der TSV Fans. In der 55. Minute führte der TSV plötzlich 25:24 – noch ein Tor! Doch da erhält Wisotzki eine Zeitstrafe. Reckzeh hält den 7m, aber die zwei Minuten Unterzahl reichen, damit die Nettelstedter das Spiel abermals drehen. In den Schlusssekunden markieren die Gäste den 26:27 Siegtreffer, der Dormagen eine weitere knappe Relegationsniederlage und viel Sympathie einbringt, aber auch eine weitere Saison in der zweiten Liga.
    Nach Platz 4, 3, 2 und 2 war das Saisonziel für die kommende Saison schnell gefunden: Platz 1!

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    E) 00´er Jahre, zweite Hälfte, Teil 1 – Schläger und Geschlagene

    2005/06
    2. Bundesliga Süd 2. Platz und Relegationsspiele
    Der TSV hatte personell erneut nachgelegt und mit Florian Wisotzki den Hoffnungsträger verpflichtet, der die Mannschaft führen sollte. Mit Joey Duin wurde nicht nur ein großer Rückraumschütze verpflichtet, sondern auch ein „Feierbiest“, das insbesondere in Kombination mit Peter Sieberger mehr als einmal das Sportcenter während, aber besonders nach dem Spiel beben lies.
    Der TSV galt von Anfang an neben Balingen als Mitfavorit um den Aufstieg, startete auch mit drei Siegen, um am 4. Spieltag in Balingen erstmals zu verlieren. Dort lag man bereits zur Pause 18:8 zurück, Am Ende hatte man 32:27 verloren.
    Am 10.Dezember 2005 gab es eine Doppelveranstaltung im Sportcenter, die es in sich hatte. Zunächst trugen die niederländischen Spitzenklubs aus Sittard und Volendam ihr Eredivisie-Spiel in Dormagen aus, anschließend kam der Derbyknaller des TSV gegen Solingen. Vor 2277 Zuschauern fertigte der TSV die schwächelnden Solinger mit 31:23 ab. Bei der anschließenden Pressekonferenz war mein Bekannter aus Solingen, den ich seit Jahren aus dem Handball-Board kannte und der bei den Solingern im Vorstand sitzt, sehr nervös. A,m Tag danach wußte ich warum: die SG hatte kurz nach der Pressekonferenz ihren Trainer entlassen.
    Das erste Heimspiel des Jahres 2006 am 4.Februar war direkt ein Knaller, spielte doch der Zweite (10 Minuspunkte) gegen den Dritten Kornwestheim (12 Minuspunkte). Dabei zerlegte der TSV die Kornwestheimer mit 37:25 und feierte seinen höchsten Saisonsieg. Spätestens da gab es nur noch einen Zweikampf mit Balingen um den Aufstieg.
    Mitte Februar gab es im Sportcenter die gleiche Konstellation wie in der Vorsaison im November: Erst kam der Bundesligist THW Kiel (mal wieder) zum Viertelfinale im DHB-Pokal nach Dormagen, drei Tage später der Tabellenführer der zweiten Liga, der diesesmal Balingen-Weilstetten hieß.
    Das Pokalspiel gegen den Deutschen Meister war schon früh entschieden, immer wenn die couragierten Dormagener, unermüdlich angetrieben vom ausverkauften Sportcenter ein wenig näher an die Übermannschaft ranrückten, legte Kiel einen Gang zu. Apropos „legen“: eine interessante Anekdote ist sicherlich, dass Nationaltorhüter Henning Fritz zwar mit nach Dormagen fuhr, dann aber das ganze Spiel liegend im Bus verbrachte wegen akuter Magen-Darm-Beschwerden, die er allerdings schon vor der Fahrt nach Dormagen hatte. Ach ja: 32:43 verlor Dormagen gegen das stärkste Team der Welt, aber das war Nebensache, es war ein Handballfest. Und von Silagyis „Figurentwicklung“ hatte ich ja bereits früher berichtet.
    Drei Tage später kam es zum Showdown mit Balingen. Und auch dieses Spitzenspiel war ein Handballfest und unvergessen für die, die dabei waren: 20:18 zur Halbzeit, ein irre hohes Tempo, immer wieder der 7. Feldspieler durch Brack gebracht, sensationelle Stimmung und ein Alex Koke, der jede noch so kleine Lücke in der Deckung nutzte. Am Ende siegte der TSV 0:38 und lies sich frenetisch feiern. Dr. Brack sprach anerkennend von einem verdienten Sieger – das war nicht immer so.
    Das Spiel gegen die TSG Münster ist mir eigentlich nicht wegen des Spiels (41:29!!!), sondern wegen eines kurzen Gesprächs mit dem damaligen Münsterer Trainer Hans Josef Embs im Gedächtnis geblieben. In der Pressekonferenz nach dem Spiel hatte Kai Wandschneider in seiner bekannt „vorsichtigen“ Art vor dem Auswärtsspiel beim Mittelfeldteam Aue gewarnt – so, dass es sich oft schon nach Entschuldigungen für eine Niederlage anhörte, bevor das Spiel gespielt ist. In unserem Gespräch sagte Embs dann zu mir, dass er nicht verstehen könne, dass „der Wandschneider schon iwieder weint.“ Man müsse mit der Truppe Aue doch wegputzen und überhaupt „mit dem Spielermaterial müsstet ihr doch schon vor einem Jahr aufgestiegen sein“. Der TSV gewann übrigens in Aue durch einen –erneut- direkt verwandelten Freiwurf von Topscorer Koke in der Schlusssekunde 33:32.
    Am Ende lief Balingen mit zwei Punkten Vorsprung auf den TSV als Erster ein und stieg direkt in die Bundesliga auf. Der TSV aber hatte über die Relegation noch die Chance, sich für die Bundesliga zu qualifizieren.
    Akt 1: Ahlener SG gegen den TSV:
    Der Nord-Zweite Ahlener SG empfing am 26.05.2006 zunächst in heimischer Halle den TSV. Vor 1600 Zuschauern, darunter ca. 350 aus Dormagen, wäre die Partie fast gar nicht angepfiffen worden, denn die Hallendecke war undicht, Wasser tropfte auf das Spielfeld. Zum Glück konnte das Leck provisorisch abgedichtet werden.
    Das Spiel selbst war erwartet hitzig, auch wenn der TSV es von Anfang an im Griff hatte. 12 Strafminuten gab es bereits in der ersten Halbzeit, die der TSV dominierte und 17:12 führte. Koke schloß mit Kempatrick zur Halbzeitführung ab. Nach der Halbzeit machte der TSV da weiter, führte schnell mit 8 Toren – bis Philipp Klaus sich den bis dahin überragenden Koke „vornahm“: bei Angriff des TSV und Vorwärtsbewegung Koke macht Klaus einen Schritt aus der Abwehr heraus und versetzt Koke einen Aufwärtshaken Richtung Auge. Ungeahndet von den Schiedsrichtern –es hätte Ausschluss geben müssen- wurde Koke in der Kabine geklammert und stellte noch in Ahlen Strafanzeige zusammen mit seinem Vater gegen den Übeltäter. Ich habe die Szene später mehrmals auf Video gesehen: es war eine klare Tätlichkeit. Im Spiel selbst war nun so viel Gift, dass es am Ende weitere 30 Strafminuten und 5 Rote Karten gab – die beiden gegen den TSV übrigens erst in den letzten 2 Minuten, eine davon für den Co-Trainer. Der TSV brachte immerhin noch einen 4 Tore Vorsprung über die Zeit, siegte 27:31 in Ahlen.
    Das Rückspiel –Koke kam zu einem Kurzeinsatz- war nicht so spektakulär und auch nicht so aufgeheizt, der TSV gewann souverän und verdient 29:26 (15:12) im ausverkauften Sportcenter.
    Akt 2-1: Wilhelmshavener HV gegen den TSV:
    Im Duell gegen den Bundesligadrittletzten kam der TSV böse unter die Räder. Bereits nach 20 Minuten führte der WHV mit 13:3 Toren! Es spricht für die Moral des TSV, dass die restlichen 40 Minuten ausgeglichen gestaltet werden konnten. Trotzdem war das Rückspiel für Wilhelmshaven mit den Ex-Dormagenern Trainer Biegler und Spieler Bedzikowski eigentlich nur noch Formsache. Eigentlich.
    Akt 2-2: Dienstag, 13.Juni 2006, 20:00 Uhr: TSV Bayer Dormagen gegen den Wilhelmshavener HV
    Wenn man rückblickend gefragt würde, was war DAS Spiel für Dich in all den Jahren – vielleicht war es dieses Relegationsheimspiel. Noch heute sehe ich den letzten Ball immer wieder und wieder vor mir, Jojos Hand, die im Krabbeln danach greift. Die Kulmination einer ganzen Saison in diesem einen Augenblick. Doch mehr dazu später.
    Es war heiß in der Halle, stickig, der Schweiss lief schon auf der Tribüne in Strömen, ohne dass man sich körperlich betätigte. Es war kein Wetter für „in der Halle zu sein“ und erst recht nicht für ein Handballspiel. Die Halle war proppenvoll, die Dormagener Fans wollte ihre Mannschaft feiern, die eine grandiose Saison gespielt hatte und auch abseits des Spielfeldes begeisterte. Hoffnung nach der Hinspielklatsche hatte keiner mehr. Nur feiern und sich würdig verabschieden. 60 Spielminuten später war der Grundstein dafür gelegt, dass vielfach in Deutschland lange Zeit vom besten Publikum der Liga gesprochen wurde.
    Schiedsrichter an diesem Abend sind Dang/Zacharias – die „Willstätt-Schiedsrichter“ von 1999. Das Spiel plätschert zunächst so dahin, immer mal wieder ein Tor vor für den TSV, aber der WHV hat alles im Griff. Dormagen hat in der ersten Viertelstunde schon drei 7m verworfen. Dann macht der TSV plötzlich das Spiel, führ nach 19 Minuten mit 3 Toren, Auszeit WHV – und doch merken plötzlich alle: vielleicht geht noch etwas!
    Nach 24 Minuten das 15:9 durch Lochtenbergh, die Halle steht erstmals Kopf. Von nun an sollte jeder Dormagener Angriff nicht nur frenetisch bejubelt werden, nein, bei jedem Angriff erhob sich das Publikum von den Sitzen und peitschte den TSV nach vorne. 16:12 hieß es zur Halbzeit.
    Der TSV spielte sich jetzt in einen Rausch, getragen von den Fans. Tor um Tor schmolz der Wilhelmshavener Vorsprung, in der 51. Minute war es so weit: 30:20 stand es, nun war Dormagen im Spiel. In der 53. Minute hatte Dormagen 12 Tore Vorsprung und war Erstligist, allerdings sollte man in den kommenden 7 Minuten nur noch einmal treffen: knapp 30 Sekunden vor Ende erzielte Miki Lochtenbergh das 34:23. Jetzt kein Treffer mehr und der TSV wäre aufgestiegen. 3 Sekunden vor Schluss pfeifen die Schiedsrichter einen zumindest fragwürdigen Freiwurf für Wilhelmshaven und verhängen gleich noch eine zwei Minuten Strafe dazu!. Die Dormagener konzentrieren sich hauptsächlich auf Köhrmann als Werfer.
    Anpfiff. Die Dormagener springen Köhrmann entgegen, der aber den Ball nicht zugepasst bekommt, den erhält der Ex-Dormagener Bedzikowski, der sich hochschraubt. Die Abwehr schwängt um auf die linke Angriffsseite, Bedzikowski wirft, der Ball wird leicht abgefälscht von der Abwehr. Jojo Kurth ist links unten in der Ecke, hat den Ball…
    …nicht!
    Er fasst hinterher, doch der Ball ist knapp hinter der Linie. Die Sirene ertönt, 60:00 Minuten sind um, es ist totenstill in der Halle; Entsetzen in den Gesichtern, Leere im Kopf. Die angeknockten Wilhelmshavener feiern, die Dormagener können noch nicht begreifen, was passiert ist. Der WHV ist bei Gleichheit der Tordifferenz durch ein mehr erzieltes Auswärtstor aufgestiegen.
    Keiner der 2400 wird diese Szenen jemals vergessen. Vielleicht war es das: DAS Spiel aus 29 Jahren.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    D) Gezeitenwechsel in den 00ern, Teil 4 – We had a dream…

    2004/05
    2. Bundesliga Süd 3. Platz
    Der TSV hatte Blut geleckt und wollte mehr. Dazu wurden die Schwachstellen am Kreis ausgemerzt und mit Alex Koke ein torgefährlicher Mittelmann verpflichtet. Dennoch began die Saison zunächst durchwachsen mit 2:4 Punkten aus 2 Heim und 1 Auswärtsspiel. Dennoch konnte sich der TSV schnell als dritte Kraft in der Liga hinter den ambitionierten Melsungern und dem Absteiger Kronau-Östringen positionieren.
    Die sportlichen Erfolge ließen bei vielen Zuschauern erstmals den Gedanken aufkommen: Ja, wir können es noch einmal schaffen. Noch einmal zurück in die Bundesliga. Das wurde der Traum und das Ziel der nächsten Spielzeiten.
    Gleichzeitig genügte es vielen nicht mehr, gerade nach Auswärtsspielen auf den WDR-Videotext zu warten, um das Ergebnis zu erfahren. Einige Vereine hatten sich zu der Zeit schon mit Live-Tickern befasst, um den Service zu erhöhen, in Dormagen war so etwas noch unbekannt. Ich experimentierte bereits seit der Spielzeit davor mit einer Art „SMS to Website“ und tickerte Meldungen, die mir Knut Kleinsorge, der Pressesprecher des TSV zukommen lies. Dieses Modul hat der TSV dann während der Saison auch beworben im Hallenheft und auf der Homepage, Knut füllte es von nun an alleine. Im Hallenheft zur Doppelausgabe Pokal / Bundesliga vom 03./06.11.2004 tauchte erstmals das schwarze Banner auf mit der Überschrift: „TSV Bayer Dormagen & Bayerwisser präsentieren…“ Natürlich war ich stolz.
    Am 14.11.2004 musste der TSV wieder zum Rivalen nach Oßweil, bei dem man im letzten Jahr deftig verloren hatte. Doch diesesmal kam es anders: Alex Koke verwandelte einen direkten Freiwurf nach Ablauf der 60 Minuten zum 29:30 Auswärtssieg. Es gibt ein schönes Bild, wie danach Michi Kopeinigg seinen Freund Alex umarmt und seine Freude herausschreit. Das ist immer noch eines meiner Handballbilder-Favoriten!
    Die letzte November / erste Dezemberwoche war dann einer der Saisonhöhepunkte: zunächst spielte der TSV zu Hause im Achtelfinale des DHB-Pokals gegen Erstligist Nordhorn und unterlag unglücklich 26:27. Erst drei Sekunden vor Schluss bewahrte Holger Glandorf die Niedersachsen vor der Blamage. Ein paar Tage später, am 03.12.2004 stieg dann das Duell „Dritter gegen Zweiter“, Der TSV empfing den Absteiger Kronau-Östringen. Vor fast 1700 Zuschauern gewann der TSV bei fantastischer Stimmung in der Halle gegen den Favoriten mit 28:27 (13:13). Ein erneut sensationeller Jojo Kurth, der kurz vor Schluss einen 7m entschärft, Nils Meyer, der sich –wie damals Dieter Springel- unnachahmlich durch die gegnerische Abwehr tankt – und am Ende Oli Tesch am Kreis zum 28:27: die Halle stand Kopf, der TSV war plötzlich im Aufstiegsrennen!
    Trotzdem mehrten sich die kritischen Stimmen bei den Zuschauern in Bezug auf die Arbeit von Kai Wandschneider, die insbesondere unverständliche Wechsel, personelle und taktische Entscheidungen nicht nachvollziehbar machten. Mit dieser Kritik konnte Kai kaum umgehen, brach mehr und mehr den Kontakt zu den Zuschauern und instruierte auch einzelne Spieler, mit bestimmten Fans nicht mehr zu sprechen.
    Am 17.Dezember kam Balingen ins Sportcenter zum letzten Heimspiel des Jahres – und der –vornehm formuliert- „rustikale“ Litty Ettwein wird auf Jahre hinaus Dormagens liebstes „Feindbild“.
    Nach einer Schwächephase der „Kröstis“ war der TSV Anfang des Jahres plötzlich „dran“ und übernahm den zweiten Tabellenplatz, den Relegationsplatz. Der Aufstiegskampf wurde noch einmal spannend.
    In einer denkwürdigen „Schlacht“ standen sich Anfang April dann der TSV Bayer Dormagen und der ThSV Eisenach in der Werner-Aßmann-Halle gegenüber. Nach 60 Spielminuten, 46 Strafminuten, 5 roten Karten, diversen Stinkefingern und jeder Menge „Kleingeld“ (Zitat Peter Sieberger: „die haben so viele Münzen geworfen, dass wir einen Abend mit der Mannschaft davon feiern gehen können“) hatte der TSV in Eisenach 23:19 gewonnen. Auch dies ein denkwürdiger Sieg des TSV, wenn auch Matthes Reckzeh eingestand: „Ich hatte am Ende echt Angst, dass wir da nicht rauskommen.“
    Die Saison außersportlich beschließen sollte die Mundartgruppe „Altreucher“, die mit dem „TSV-Song“ erstmals so etwas wie eine TSV-Hymne komponierten, die Ausdruck des neuen Wirgefühls beim TSV sein sollte. Nett.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    D) Gezeitenwechsel in den 00ern, Teil 3 – Die Gala, die keine war und neue Rekorde.

    2002/03
    2. Bundesliga Süd 12. Platz
    Mit nahezu unverändertem Kader (erwähnenswert: Neuzugang Nils Meyer) startete der TSV in seine erste Zweitligasaison als Westdeutscher Meister. Eingeordnet wurde der TSV in die Südgruppe, was nicht nur Lokalduelle mit Düsseldorf und Solingen versprach, sondern den Dormagener Fans eine ganze Reihe von lieben und netten Fankontakten bescherte, denn auch das Internet hatte als Medium für Meinungen und Informationen Einzug in die Fankultur gehalten. Insbesondere das Handball-Board von Betrieber Steffen Bödemann sollte für die kommenden 4 Jahre zur virtuellen Heimat der Dormagener Fans werden.
    Die Saison begann spektakulär mit einem 33:24 Auswärtserfolg bei Tuspo Obernburg. Das erste Heimspiel, gegen die HSG Konstanz, geriet dann fast zur Farce, da es für diese Saison verschärfte Zeitspielregeln gab. Die knapp 900 Zuschauern wurden so Zeuge eines Spiels, bei dem fast durchweg bereits nach 10-15 Sekunden der Arm der Schiris oben war. Dormagen stellte sich auf die se Groteske besser ein und gewann mit 32:26.
    Für das Heimspiel am 12.Oktober 2002 gegen Kornwestheim lies sich der Hauptsponsor Bayer etwas ganz besonderes einfallen: die Bayer Handball-Gala. Mit dieser sollte nicht nur Handball unter dem Bayerkreuz populär gemacht werden, sondern auch potenzielle neue Sponsoren angelockt werden. Immerhin 1200 Zuschauer kamen zur Gala, die allerdings aus Dormagener Sicht zum Fiasko wurde. Denn während die das „Vorspiel“ bestreitenden Damen des TSV Bayer 04 Leverkusen (Heute: die „Elfen“) ihr Spiel souverän gewannen und phasenweise begeisterten, ging der Auftritt der Dormagener komplett in die Hose. Zunächst waren die „Leverkusener Fans und Zuschauer“ überhaupt nicht am Dormagener Auftritt interessiert und erlebten das Spiel des TSV gar nicht mehr erst mit, dann zeigte der TSV eine nervöse, unterirdische Leistung, lag schon zur Pause 12:16 hinten und verlor am Ende sang- und klanglos 20:31 gegen bestenfalls solider Kornwestheimer. Damit war diese Gala die erste und letzte ihrer Art.
    Bereits eine Woche später hatte der TSV die Gelegenheit zur Wiedergutmachung: der Tabellenführer Kronau-Östringen stellte sich in Dormagen vor. Es entwickelte sich ein spannendes Spiel bei bester Stimmung. Der TSV hatte die HSG beim 22:17 bereits am Rande der Niederlage, das Publikum feierte euphorisch den TSV, als die „Kröstis“ zurückschlugen. 7 Minuten später führte Kronau-Östringen 22:23, am Ende trennten sich beide Mannschaften 24:25 – Schupplers Gewaltwurf mit dem Schlusspfiff rettete dem Tabellenführer das Unentschieden.
    Zum letzten Heimspiel des Jahres 2002 stellte sich ein weiterer Aufstiegsaspirant in Dormagen vor: die MSG Melsungen-Böddiger kam nicht nur mit dem „Ex-Willstätter“ Trainer Horvat, sondern auch mit den Profis Alexander Koke und Michael Kopeinigg, die später beide für den TSV spielen sollten. Der TSV verlor in einem harten Spiel 28:32 und beendete die Hinrunde grundsolide punktgenau im Mittelfeld der Tabelle mit 17:17 Punkten.
    In der „Winterpause“ holte der TSV für den schwer am Knie verletzten Jojo Kurth einen alten Bekannten zurück: zum zweiten Mal beim TSV spielte Torhüter Matthias Reckzeh. Doch dieser gab nicht den benötigten Rückhalt für den TSV den tollen Mittelfeld-Platz zu halten, so dass der TSV in der Rückrunde noch einmal in den Abstiegskampf hereingezogen wurde. Erst 4 Spieltage vor Saisonende war klar, dass der TSV für eine weitere Saison in Liga 2 würde planen können.
    Diese Planungssicherheit und die Bayer-Zusagen zum Etat bis 2004 ließen dem TSV schon früh die Möglichkeit, den „Übergangskader“ für die kommende Saison zu verstärken und umzustellen. Es sollte weiter aufwärts gehen. Allerdings ohne Pascal Mahé, der seine großartige Karriere als Spieler beendete.


    2003/04
    2. Bundesliga Süd 4. Platz
    Schon in der Vorbereitung zu dieser Saison hatte es sich angedeutet: diese Mannschaft würde ganz anders sein. Als in einem Vorbereitungsspiel auf die Saison Neuzugang Peter Sieberger einem abgeprallten Ball Richtung Seitenauslinie hinterhersprintete, dann hechtete und den Ball tatsächlich noch erwischte, bevor er selbst in die Trainerbank rutschte, spätestens da war klar: Leidenschaft und Kampf um jeden Ball sollte den „neuen TSV“ auszeichnen. Und wie sich später herausstellen sollte: auch menschlich hatte Dormagen ein Team, dass mit den Fans kommunizierte und feierte.
    Die weiteren Neuzugänge Tobi Plaz, Michiel Lochtenberghund Michi Kopeinigg machten allesamt einen fitten und motivierten Eindruck, lediglich Matthias „Aschi“ Aschenbroich lief ein gewisser Ruf voraus. Und dann war da noch Martin Baeckhoej, der aus Solingen kam und in den Spielen gegen Dormagen in der Vorsaison durch unglaubliche Sprungkraft und eminent harten Wurf glänzte. Dieses Team , so war man sich in Dormagen einig, konnte wieder die oberen Plätze angreifen.
    Unglücklicherweise kam direkt am ersten Spieltag, dem 06.09.2003 einer der Aufstiegsfavoriten, die TSG Oßweil nach Dormagen. Nach ausgeglichener erster Hälfte in einem schnellen Spiel lag Dormagen mit 15:16 hinten. Dann brachen alle Dämme beim TSV und Huth (15), Brack, Meckes und Pfahl (je 7) trafen nach belieben. Am Ende blieben fas 1400 schockierte Zuschauer und eine fassungslose Mannschaft zurück: 29:39 lautete das Endergebnis.
    Doch die Dormagener wurden in den nächsten Spielen ihren Vorschusslorbeeren gerecht und überrollten die Gegner mit ihrem Tempohandball. So auch am 27.09.2003, als es wieder einmal gegen den „ungeliebten Nachbarn“ aus Düsseldorf ging. Und dank der Nähe der Mannschaft zu den Zuschauern und dem festen Zusammenhalte aller untereinander entwickelte sich etwas, was es so in Dormagen noch nicht gab: „Völkerwanderungen“ zu den Derbyspielen. In der hässlichsten Halle der zweiten Liga, der Ratinger Sporthalle (eine Tribüne, ansonsten guckt man von oben auf das Spielfeld) waren von den offiziell ca. 650 Zuschauern die Hälfte aus Dormagen. Diese Heimspielatmosphäre, später Standard bei jedem Spiel der Dormagener in Düsseldorf, beflügelte das Wandschneider-Team zu einem furiosen und damals sensationellen 23:26 Auswärtssieg und lies den Trainer Radtka verzweifelt zurück.
    Am 17.10.2003 gab es einen neuen Zuschauerrekord für den TSV Bayer Dormagen. 1770 Fans wollten das Spitzenspiel des TSV (4., 10:2) gegen den Spitzenreiter aus Melsungen (1., 11:1) sehen. Und wie sich die Bilder gleichen: wie letztes Jahr, als man Kronau-Östringen am Rand der Niederlage hatte, war es diesesmal wieder der TSV, der bis zur 48. Minute mit 20:16 Toren führte. Wieder reichte es nicht ganz, das Spiel endete dramatisch und 21:21.
    Am 8.November spielte der TSV an einem Ort, den es eigentlich gar nicht gibt: „Römerwall“. Der Club ist in Rheinbrohl beheimatet und als wir endlich die Halle dort fanden (am Ende eines unbeleuchteten Weges), waren wir vom Interieur etwas überrascht. Die in eine Wand eingelassenen Trainer- und Spielerbänke sahen aus, wie gepresstes Schalholz von der Baustelle. Das hart umkämpfte Spiel in hitziger Atmosphäre gewann der TSV schließlich 31:28, die Pressekonferenz fand auf dem Spielfeld statt, inklusive Fragen der Fans, die sich aber eher über die „rustikale Gangart“ der Dormagener über das Mikro beschwerten, statt Fragen zu stellen.
    Das Jahr endete für den TSV am 19.Dezember 2003 mit einem ungefährdeten Derbysieg über die SG Solingen und erneut einem neuen Zuschauerrekord, denn das Spiel wollten über 2100 Zuschauer verfolgen; das Derby gegen Düsseldorf sahen dann bald 2500 Zuschauer. Der TSV war damit in der Zuschauerstatistik der zweiten Bundesliga klar die Nummer 1. Handball war zum Jahresausklang wieder „in“ in Dormagen.
    Der TSV konnte in der Rückserie zwar den bis dahin erreichten 4. Platz halten, allerdings mit größeren Leistungsschwankungen und einem Punktemäßigen „Abfall“ gegenüber den ersten drei Teams.
    Ein Highlight der Rückrunde war zweifelsfrei auch die Rückkehr von Dragan Markovic nach Dormagen. Als Trainer der SG Willstätt-Schutterwald angereis, dem TSV Platz 4 zu entreißen, musste er am Ende mit einer 34:21 Klatsche wieder nach Hause fahren. Jojo Kurth machte dabei vielleicht eines seiner besten Spiele für den TSV.
    Da der TSV auch seine nächsten Heimspiele gegen den 5. Und 6. Jeweils gewann, war dem TSV Platz 4 zum Saisonende nicht mehr zu nehmen.
    Die Saison wurde am Ende feucht-fröhlich mit den Spielern gefeiert und nicht das erste Mal in der Saison wurde das Sportcenter weit nach Mitternacht abgeschlossen

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    D) Gezeitenwechsel in den 00ern, Teil 2 – Die Null muss stehen.

    2001/02
    Regionalliga West 1. Platz und Aufstieg in 2. Bundesliga
    Nach dem Schock des Zwangsabstiegs rückte Dormagen zusammen, das erste Mal seit Jahren. Im Gastronomiebereich wirbelte endlich ein Wirt mit Erfahrung und Reputation, der VIP-Raum war abgeschafft und auch die Zuschauer goutierten den „neuen“ Weg des TSV, honorierten auch, dass einige Spieler blieben und beim Neuaufbau helfen wollten und das Ziel „Aufstieg“ ausgaben. Hinzu kam, dass der Bau des neuen Sportcenters weiter betrieben wurde und im Laufe der Saison den Handballern zu Verfügung stehen sollte.
    Mit Kurth, Mahé, Andersson, Wallgren und Beelmann blieben gleich 5 „Absteiger“ dem Team erhalten, der Rest rekrutierte sich hauptsächlich aus lokalen- bzw. unteren Spielklassen.
    Los ging die neue Zeitrechnung beim TSV mit dem Pokalspiel gegen Zweitligist Friesenheim am 02.09.2011, bei dem die neue Regionalligamannschaft des TSV bis zum Schluss gut mithielt und nur 23:26 verlor. Auf dieser Leistung sollte sich aufbauen lassen.
    Gleich am ersten Spieltag, dem 08.09.2001 ging es gegen einen Aufstiegsmitfavoriten, den Wermelskirchner TV. In souveräner Manier, teilweise schon 7 Tore vor, gewann der TSV mit 24:20 und man hatte bei einigen Spielern aus der alten Bundesligamannschaft auch den Eindruck, dass dieses Regionalliganiveau das richtige für sie und ihr Selbstvertrauen und Können sei.
    Das ersten Auswärtsspiel in Weibern hatte es dann in sich, gab es doch in den Schlussminuten nach einer Rangelei eine rote Karte wegen grober Unsportlichkeit für einen Weiberner Spieler und –tatsächlich!- einen Ausschluss für Dormagens Kroaten Ivan Ivisic. Der TSV brachte seinen 10 Tore Vorsprung mit +5 ins Ziel.
    Am 29.09.2001 kam es zum ersten „Kreisduell“ in einem Pflichtspiel zwischen dem TV Korschenbroich und dem TSV. Die Halle zu finden war nicht einfach, da am Ende eines Wohngebietes gelegen, stellte sich als schnuckelig, aber überfüllt heraus und hatte bei den Stehplätzen hinter der Tribüne die bequeme Möglichkeit, sein Bierglas abstellen zu können. Dormagen entschied das Duell mit 29:18 für sich und war weiter ungeschlagen.
    9:29 hieß es Mitte Oktober beim Auswärtssieg beim MTVD Köln, der somit gleich zweimal in die Dormagener Geschichte eingehen sollte: mit dem höchsten Auswärtssieg des TSV und später als erster Gegner im neuen Sportcenter.
    Eine Woche nach dem Kantersieg stellte sich Eintracht Hagen, die Mannschaft, die bis zum Schluss Dormagens härtester Verfolger sein würde, in der Dreifachhalle vor. Bis zur 48. Minute führten die Hagener fast das gesamte Spiel über. Doch mit 9:2 Toren gewann Dormagen die letzten 12 Minuten gegen nun auch kräftemäßig nachlassende Hagener. 800 Zuschauer sorgten für ordentlich Stimmung in der Bude und durften erste zarte Aufstiegsträume träumen. Der TSV blieb die Hinserie ohne Punktverlust.
    Da die Dreifachhalle am Sonntag, 09.Dezember wegen eines Fecht-Weltcups nicht zu Verfügung stand, wurde das letzte Heimspiel des Jahres gegen Niederpleis erst- und einmalig in der Nievenheimer Gesamtschulsporthalle ausgetragen. Vor immerhin 600 Zuschauern gewann der TSV auch hier souverän mit 32:17.
    Am 23.Februar 2002 spielte letztmalig eine Erste Dormagener Handballmannschaft in der „Schweinehalle“. Letzter Gegner war die HSG Schwerte-Westhofen, die mit 27:12 aus der Halle gefegt wurde. Nach dem 10:6 Halbzeitstand warf Schwerte 20 Minuten kein Tor, traf erst zum 20:7 wieder per 7m.
    Samstag, 09.März 2002 wurde um 19:30 Uhr das Sportcenter für den Handball freigegeben – wie schon erwähnt: 10 Jahre zu spät. Trotzdem waren die 1000 Zuschauer froh, dass dieser Moment endlich gekommen war. Gegner war wie erwähnt die SG MTVD Köln. Ivan Ivisic erzielte den ersten Treffer in der neuen Halle beim 28:19 Sieg des TSV. Beeindruckt von dem fantastischen (architektonisch und von der Länge her) Thekenbereich habe ich den –noch heute immer wieder gerne zitierten- Spruch von der „längsten Theke Dormagens“ geprägt. Bis heute ein „geflügeltes Wort“.
    Am Freitag darauf kam es zum „Aufstiegsendspiel zwischen den immer noch verlustpunktfreien Dormagenern beim Verfolger Eintracht Hagen, das 5 Minuspunkte auf dem Konto hatte. Vor 1000 Zuschauern, darunter gut 300 Dormagenern legte der TSV los wie die Feuerwehr, führte schnell 7:2 und hatte bis zum Schluss den Gegner jederzeit unter Kontrolle. Der lautstarke Jubel der Dormagener Fans nach dem Schlusspfiff des 30:26 Sieges war der Auftakt zu den kommenden „Feierwochen“ des Aufsteigers.
    Offiziell aufgestiegen war der TSV dann am 20.April 2002 mit dem 38:19 Auswärtssieg beim TV Angermund. Ein Traum wurde war, nachdem ein Jahr zuvor die Dormagener handballwelt in Scherben lag. Nun gab es für den frischgebackenen Westdeutschen Meister nur noch ein Saisonziel: die „Null“ muss stehen.
    Mit einem erneut eindrucksvollen 43:25 Heimsieg gegen Soest gelang auch dieses einmalige Kunststück: 60:0 Punkte und +309 in der Tordifferenz: der Zwangsabsteiger meldete sich eindrucksvoll in der zweiten Bundesliga zurück!

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    D) Gezeitenwechsel in den 00ern, Teil 1 – Der tiefste Fall

    2000/01
    1. Bundesliga 17. Platz und Abstieg in die 2. Bundesliga Freiwilliger Rückzug in Regionalliga West
    Ein verändertes Konzept „Hallenheft“ läutete die erste Saison im neuen Jahrtausend ein. Weg vom redaktionellen Konzept hin zu einem 6seitigem Informationsblatt, dazu keine Saisonvorschau mehr und das vierteljährlich Kreisweit erscheinende Magazin „Kreisläufer“v gaben –rückwirkend- einen ersten Vorgeschmack auf den schmaleren Geldbeutel beim TSV.
    Diese Saison wird unter anderem wegen der „Lex Gummersbach“ in die Geschichte eingehen. Auf Grund des stattgegebenen Gnadengesuches für den Altmeister und um Klagen der Liga vorzubeugen, wurde die Bundesliga mit der Mammutanzahl von 20 Vereinen gestartet.
    Sportlich startete der TSV erstmals ohne Co-Trainer in die Saison, Gudmundsson alleine war verantwortlich beim TSV. Beim Ausländerkonzept setzte der TSV auf die „paarweise Blockbildung“: die Polen Bedzikowski und Nowakowski bekamen mit Rafal Bernacki im Tor noch einen Landamann hinzu, für Mahé wurde der Rückraumlinke Rigault verpflichtet und für den Skadinavier Sighvartsson kamen drei Schweden neu dazu: Christian Ericsson für den Rückraum rechts, Marcus Wallgren linksaußen und Hendrik Andersson in der Mitte sollte der neue Spielmacher sein. Wer allerdings Andersson einemal hat spielen sehen, der wußte schon sehr früh, wohin die Reise für den TSV geht. Langsamer als ein Martin Rubin, überfordert mit dem Zweikampfverhalten in der Bundesliga, technische Fehler und Känguruhüpfer (Markenzeichen!) ließen eher Mitleid statt Begeisterung aufkommen.
    Nicht ganz zu unrecht setzte es Klatsche um Klatsche und erst im 7. Saisonspiel gewann der TSV erstmals – gegen die SG Solingen, die zwar Neuling, aber favorisiert ins Duell mit dem TSV ging, auch weil die Mannschaft unter anderem Torgowanow und Hegemann aufbieten konnte.
    Der TSV versuchte alles: verpflichtete den „schlechtesten“ Rechtsaußen, den ich je hab spielen sehen, Holger Beelmann und einen Strich in der Landschaft mit ungeheurer Schelle, Viktor Szilagyi nach. Es wurde nicht besser. Als ich Szilagyi Jahre später beim THW Kiel wiedergesehen habe, war ich beeindruckt, wie viel Muskelmasse der Mann aufgebaut hat.
    Kurz zuvor hatte der TSV allerdings einen anderen „Sieg“ errungen, der die Handballer kurzfristig bundesweit bekannt machte: als es beim anzusetzenden Pokalspiel bei der SG Wallau Massenheim durch das Hallendach in Wiesbaden regnete, bewahrte der TSV Ruhe, protestierte nicht (man hätte am grünen Tisch gewonnen), suchte nach Lösungen und blieb geduldig. Dieses Fair Play wurde unter anderem mit dem "Preis für Toleranz und Fair play im Sport" ausgezeichnet. Die Preisübergabe fand dann am 19. Januar 2002 im Rahmen des ZDF-Sportstudio statt. Bundesinnenminister Schilly überreichte den Preis.
    Im Dezember, der TSV war mittlerweile auf Rang 17 nach oben geklettert, wurde Gudmundsson (endlich) ein Co-Trainer zur Seite gestellt: Michael Franz übernahm den Job für einige wenige Spiele, denn im Januar 2001 wurde er durch einen anderen Co-Trainer ersetzt, der gekommen war, um zu bleiben: Kai Wandschneider. Mit diesem gelang gleich im ersten Spiel am 10.02.2001 wieder ein Sieg gegen den Dormagener „Lieblingsgegner“, den aktuellen Doublegewinner THW Kiel. Beim 26:24 des TSV in unheimlich dichter Atmosphäre reichte auch eine tolle Leistung von Niko Jacobsen für Kiel nicht.
    Leider auch diese Energieleistung reichte nicht aus, um „Gummi“ das Ende der Saison als TSV Trainer erleben zu lassen. Nach der 31:27 Niederlage im Rückspiel in Solingen wurde er beurlaubt und wie üblich wurde der Co- zum Cheftrainer befördert. Die 10jährige „Ära Wandschneider“ begann und wurde mit dem höchsten Saisonsieg, dem 31:22 gegen Magdeburg am 17.03.2001 eingeläutet.
    Doch der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze war zu groß, auch die Energieleistungen unter Wandschneiders Regie vermochten den sportlichen Abstieg nicht zu verhindern.
    Nach der Niederlage im Abstiegsendspiel beim VfL Hameln am 16.05.2001 (25:21) stand der zweite Abstieg des TSV Bayer Dormagen fest. Einen Tag später kam es noch dicker: Der TSV Bayer Dormagen musste auf Grund der seit Mitte der 90er Jahren angehäuften Schulden von ca. 3,2 Millionen D-Mark die Lizenz für erste und zweite Liga zurückgeben. http://www.ngz-online.de/lokalsport/kla…ndball-1.154028 Als Grund dafür wurde angegeben, dass die Schulden in Liga 2 nicht abgebaut werden könnten.
    Am darauffolgenden Sonntag, in Dormagen Totensonntag, überraschte Bayer zunächst mit der Ankündigung, den Fußbballtrainer Vogts freizustellen, auf Grund vertraglicher Verpflichtungen aber die noch fälligen 3,5 Millionen D-Mark auszuzahlen – die Summe, die Dormagen gerettet hätte. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung in der Dreifachhalle. Fanproteste und eine mit „Vielen Dank Dormagen“ auflaufende Mannschaft, Polizeischutz für den TSV Vorsitzenden Dr. Anders und den sportlichen Leiter Uli Derad - und eine Dormagener Mannschaft, die wie entfesselt gegen den Favoriten Wetzlar spielte und 34:27 (Halbzeit 19:13) gewann! Das Team zahlte in Toren zurück, das Publikum stand schon in der ersten Hälfte, statt zu sitzen. Eine würdige Abschlussfeier, bei der viele mit Tränen in den Augen noch lange nach Spielschluss auf der Tribüne Abschied nahmen.
    Nach 388.Spielen in der ersten Bundesliga war Schluss – das erste Mal und wie wir alle dachten: das letzte Mal.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    C) Die erfolglosen Neunziger, Teil 3 – Happy End zum Millennium

    1999/2000
    1. Bundesliga 15. Platz
    Neue Saison, neue Spieler (Joachim Kurth, Neu-Sportschaumoderator Alex Bommes) und ein Experiment mit zwei gleichberechtigten Trainern: Peter Pysall wurde Gudmundur Gudmundsson zur Seite gestellt. So stellte sich der TSV erneut in der Bundesliga vor.
    Und kurz nach Saisonbeginn konnte der TSV noch einen Transfererfolg verbuchen, kam doch mit dem Kapitän der französischen Weltmeistermannschaft von 1995 in Pascal Mahe ein wahres Abwehrbollwerk nach Dormagen. „Kalou“ war der Legitime nachfolger unserer Abwehrbrecher Klaus Dyllong oder Lars-Hendrik Walther und zog die Mannschaft mit Elan mit.
    Dennoch dauerte es bis zum 6. Spieltag bis der Aufsteiger den ersten Wiederaufstiegssieg feiern konnte, mit 30.25 gegen den ThSV Eisenach. Danach hatte sich der TSV allerdings gut zurecht gefunden und belegte am Ende der Hinrunde mit dem 15. Den ersten Nicht-Abstiegs-Rang – diesen sollte er auch nach der Rückrunde inne haben.
    Vom Rückrundenauftakt in der Unihalle in Wuppertal ist mir neben dem schmerzhaften 30:18 und dem damit verbundenen, kurzfristigen Sturz auf den Relegationsrang eigentlich nur noch der Spruch „Die Gebäudereinigung Stein macht schön sauber!“ samt der entsprechenden Werbeträgerinnen (die konnte man nicht einfach Wischerinnen nennen!) in Erinnerung geblieben.
    Und während die Dormagener sportlich ums Überleben kämpften, wurden außerhalb im März 2000 endlich Weichen gestellt, die bereits 10 Jahre vorher hätten gestellt werden müssen: zur Saison 2001/2002 sollte endlich eine Multifunktionshalle für die Handballer an der Sportanlage am Höhenberg gebaut werden! Das diese in der Regional- statt in der Bundesliga eingeweiht werden würde, daran dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
    Am 04.03.2000 –diesesmal nicht im Februar und nicht gegen Essen- war es mal wieder so weit: die alljährliche Trainerentlassung beim TSV. Statt einer Gala anlässlich des 40. Geburtstages von Andi Thiel verlor der TSV gegen Bad Schwartau sang- und klanglos mit 19:23. Gudmundsson wurde zum alleinigen Cheftrainer befördert. Im 5. Spiel unter seiner Regie, dem Heimspiel gegen Gummersbach gelang ihm der erste Punktgewinn, in der Schlussphase der Meisterschaft holt der TSV noch drei (Heim)siege und läuft am Ende mit einem Punkt vor Wuppertal auf dem 15. Platz ein. Nach den 25:20 gegen Nettelstedt im letzten Spiel, konnte der Nichtabstieg gefeiert werden - und Andreas Thiel würdig verabschiedet werden.
    Die 2000er Jahre waren angebrochen – eine (Ge)zeitenwende auch für den TSV.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    C) Die erfolglosen Neunziger, Teil 2 – Der reparierte Betriebsunfall

    1998/99
    2. Bundesliga Gruppe Süd 1. Platz und Aufstieg in die 1. Bundesliga
    „Den Betriebsunfall reparieren“ war das Motto der Saison für den TSV. Und folglich gelang es, den Hauptsponsor Bayer zu überzeugen, mit einer starken Mannschaft den direkten Wiederaufstieg aus der zweiten Bundesliga Süd zurück in die Bundesliga anzupeilen. Dazu wurden die Leistungsträger gehalten und die Mannschaft sinnvoll ergänzt, unter anderem mit dem polnischen Klasse-Duo Nowakowski und Bedzikowski. Letzter würde Jahre später einmal auf traumatische Weise in die Dormagener Handballgeschichte eingehen.
    Und so kam es, dass am 12.09.1998 um 20:00 Uhr beim VfL Pfullingen der „Hexer“ Andi Thiel erstmals in seiner langen und großartigen Karriere in einem Zweitligaspiel auflief!
    Schon früh in der Saison war klar, dass der Aufstieg nur über den Luxuskader des TSV gehen würde. Von außen zaugerte Nowakowski wie weiland Niko Jacobsen die Bälle zweistellig in den Kasten der Gegner, Boeriths und Bedzikowski führten gekonnt Regie Sighvartsson riß am Kreis die Löcher oder netzte selbst ein.
    Am 30.09.1998 ging es erstmals nach Hagen in die bundesweit bekannte Ischelandhalle. Mann, was war ich enttäuscht von der Halle: ein Bau aus den –vermutlich- 50er Jahren, niedrige Decken im Foyer, übles Pils (Andreas Pils) und ein Interieur, dass mit „abgerantzt“ noch freundlich umschrieben ist. Das ist die legendäre Heimspielstätte von Brandt Hagen? Immerhin hat der TSV auch hier sich schadlos gehalten und gewann 28:31 mit 12 Toren von Nowakowski.
    Gegen Jahresende zeichnete sich ab, dass es einen Dreikampf um den Aufstieg geben würde, in der Dormagen, Willstätt und Leutershausen die dominierenden Teams waren.
    Am 16.12.1998 kam der TV Willstätt zum Gastspiel nach Dormagen und entführte in einem hochdramatischen und sehr emotionalen Spiel beim 24:24 (12:14) einen Punkt aus der Festung „Dreifachhalle“. Rot gab es kurz nach der Pause übrigens für Dragan Markovic, den Regisseur der Willstätter, der nach Griff in den Wurfarm vom Platz gestellt wurde. Von da an wurde es hektisch im Spiel, insbesondere auf Willstätter Seite, denn nur dank der daraus resultierenden 6:3 Überzahl fand der TSV zurück ins Spiel. 3 Sekunden vor Schluss, es stand 24:24 wurde dem TVW ein Tor aberkannt, da die Schiedsrichter den Vorteil abpfiffen und auf Freiwurf entschieden. Ein glücklicher Punktgewinn für den TSV und ein prima Nährboden für das Rückspiel, von dem noch zu sprechen sein wird.
    Zum Ende der Hinrunde war aus dem Drei- ein punktgleicher Zweikampf geworden. Nur die fast doppelt so hohe Tordifferenz bescherte dem TSV Platz 1, wie auch in der Torschützenliste mit Nowakowski.
    Diesen Platz sollte der TSV auch am denkwürdigen 01.April 1999 inne haben mit 3 Punkten Vorsprung vor dem TV Willstätt. Mit einem Sieg wären die Dormagener fast sicher aufgestiegen, für Willstätt war es die letzte Chance, noch mal an den TSV heranzukommen.
    Wir sind schon einen Tag vorher angereist und haben in Kehl ein Hotel gebucht, haben die Stadt und Strassbourg genossen und abends eine Kneipe gefunden die als Spezialität „Gaffel Kölsch“ anbot – mit steifem Schaum und 7 Minuten gezapft wie ein Pils.
    Am ersten April holten wir dann unsere zurückgelegten Karten an der Abendkasse ab – 18 DM pro Karte, Block A, Reihe 9 Platz 10 und 11. Die Hanauerlandhalle mit offiziell 2500 Zuschauern nicht ausverkauft, sondern überfüllt. Zunächst war ein reguläreres „warmmachen“ wegen eines verzögerten Jugendspiels nicht möglich, später ständig Zuschauer innerhalb des Spielfeldes, weil es so voll war. Das Spiel sollte am Ende über 100 Minuten dauern.
    Das Spiel dominierte der TSV in Halbzeit 1 trotz der aufgeheizten Atmosphäre und ständiger Provokationen von Vlado Sola und Dragan Markovic. Dreimal führte der TSV mit 3 Toren, ließ aber immer Big Points aus, so dass es 14:13 für den TSV zur Pause hieß. Aus diesem Rückstand machte der TVW dann ein 19:15, war zu dem Zeitpunkt klar besser im Spiel, aber der TSV kämpfte sich trotzdem insbesondere durch Gilsson wieder heran.
    6 Minuten vor Schluss stand es wieder unentschieden, 24:24, wie im Hinspiel. Markovic hatte gerade Kreisläufer Sigvartsson aus nächster Nähe mit voller Wucht und Absicht den Ball, ins Gesicht geworfen (ohne Folgen wie 2Minuten oder Rot). Danach das 25:24 und 25:25. Das 26:25 von Gilsson wurde Minuten später wegen Kreisberührung abgepfiffen, so dass kurz darauf Willstätts Dudzic das 26:25 warf. Der folgende Dormagener Angriff verpuffte, aber auch der nächste Willstätter Ball geht nicht ins Tor. Thiel hält, noch sind 10 Sekunden zu spielen. Thiel passt auf Gilsson, der aus der eigenen Hälfte losstürmt – und am Mittelkreis brutal von Markovic zu Fall gebracht wird – ohne dass dieser zum Ball geht oder eine Chance gehabt hätte. Gilsson wird lange behandelt, Markovic bekommt Rot statt des erwarteten und geforderten Ausschlusses für die Tätlichkeit. Der Dormagener Block kocht und kann nur mit Mühe davon abgehalten zu werden, das Spielfeld zu stürmen. Als Gilsson sich aufrichtet und wieder steht, macht er Markovic aus und läuft hinter ihm her, um ihn zu verdreschen, Markovic läuft weg, Betreuer und Spieler können Gilsson nur mit Mühe einfangen und bändigen. Derad und Trainer Horvat geraten aneinander, Schubserei, am Ende bleibt es beim schmutzigen Willstätter Sieg. Und einem Ereignis, dass den Dabeigewesenen sicher immer in Erinnerung bleiben wird.
    Einen Spieltag später, am 33. Gewann der TSV mit Mühe zu Hause gegen den Dritten Leutershausen mit 25:24 und Willstätt kam in Östringen nicht über ein 23:23 hinaus. Bei zwei Punkten Vorsprung und 100 Toren Differenz konnte noch am Abend der Wiederaufstieg gefeiert werden.
    Der Betriebsunfall war repariert.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    C) Die erfolglosen Neunziger, Teil 1 – Auf dem Weg zum Relegationsmeister

    1996/97
    1. Bundesliga 14. Platz und Relegationsspiele
    „Das Jahr der vielen Unbekannten“ titelte die Saisonvorschau von „Päng!“ und lag nicht ganz falsch damit. Im Zehnten Bundesligajah des TSV gab es erstmals mehr Ausländer, wieder mal einen neuen Trainer (Aarason war von der SG Wallau abgeworben worden, Fitzek nun Cheftrainer) und eine völlig neu zusammengestellte Mannschaft mit 6 neuen, darunter dem Nachwuchsmann Stefan Adam, heute Manager bei den Bergischen Löwen. Und mit dem neuen Manager Stefan Röhrich kam auch ein VIP-Raum im Gastronomiebereich dazu, der künftig Wichtig von Unwichtig trennte.
    Nach dem ersten Spieltag am 14.09.2011 fand sich der TSV gleich da wieder, wo er nach seinem Selbstverständnis nicht hingehörte: das 23:30 gegen Nettelstedt brachte den Abstiegsplatz 15 ein. Insbesondere das neuverpflichtete skandinavische Trio, auf dem die Hoffnungen des TSV basierten, floppte.
    Und weil mit Rubin, Springel und mal wieder Michael Klemm weitere Ausfälle, diese allerdings verletzungsbedingt, hinzukamen, schaffte es der TSV auch nicht, sich aus dem Tabellenkeller abzusetzen. Daran änderte auch die Nachverpflichtung des dänischen Mittelmannes Rene Boeriths nichts.
    Im Februar 1997, nach 6 sieglosen Spielen in Folge und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz zog der TSV die Notreißleine und entließ nach der katastrofalen 15:24 Niederlage bei TuSEM Essen Christian Fitzek. Wie in Dormagen üblich, wurde der Co- zum Cheftrainer befördert und der hieß nun Hans-Joachim Gossow. Auch mit ihm kam nicht wirklich die Wende, hohe Auswärtsniederlagen und knappe Heimergebnisse wechselten sich ab. Dormagen war am Ende das schlechteste Auswärtsteam mit nur 2 Pluspunkten und das schlechteste Rückrundenteam, gemeinsam mit Minden.
    Am Ende konnte sich der TSV knapp auf dem 14. Platz einfinden, weil die Konkurrenz aus Hameln und Fredenbeck ihre letzten Spiele hauchdünn mit einem Tor verloren.
    Überraschend kam die Ankündigung der TSV-Spitze, namentlich Theo Falkenberg, den Vertrag mit Kapitän Derad um drei Jahre zu verlängern und ihn künftig auch als Sportlichen Leiter beim TSV einzubinden. Überraschend deshalb, weil mit Nikolaj Jacobsen bereits ein Weltklasse Linksaußen für de kommende Saison verpflichtet wurde.
    In zwei Relegationsspielen setzte sich der TSV gegen den Zweitligisten HSG Dutenhofen/Münchholzhausen (Heute HSG Wetzlar) durch und gewann sein Heimspiel 24:20 und bei den heimstarken Hessen 16:14.
    Danach hieß es Abschied nehmen von Maik Handschke, verletzungsbedingt Michael Klemm und –viele werden aufgeatmet haben- dem Mißverständnis Martin Rubin.
    Diese Saison hatte nicht nur die Fans erschüttert, sondern auch die Bayer AG und ihre Vision einen nationalen Champion zu unterstützen. Für die kommende Saison sollte noch einmal Geld für Stars da sein, doch das Fiasko beim TSV wurde größer.

    1997/98
    1. Bundesliga 14. Platz und Relegationsspiele (24:21 und 19:25 gegen TuS Schutterwald) Abstieg in die 2. Bundesliga, Gruppe Süd
    Das elfte Jahr ununterbrochene Bundesligazugehörigkeit bei TSV wurde mit dem Saisonziel „nahe an die einstelligen Tabellenplätze kommen“ eröffnet. Um dieses Ziel zu realisieren wurde neben Jacobsen und Sighvartsson für den Kreis auch der Schatten der Vergangenheit, Olaf Mast verpflichtet – eine Notlösung, weil der bereits Monate zuvor angekündigte Transfer des Jugoslawischen Shooters Igor Butulja doch nicht zu Stande kam. Butulja erschien gar nicht erst in Dormagen!
    Mast machte sich in der Saison davor als Bankdrücker von Kiel mit guter 7m-Quote einen „Namen“ und sollte nun die erste Geige im rechten Rückraum des TSV spielen – nach Martin Rubin der nächste große „Pechgriff“ bei der Spielerwahl, auch, wenn er sich zunächst prächtig einführte.
    Am 19. Oktober 1997 lief der TSV erstmals in einem Bundesligameisterschaftsspiel in der Unihalle Wuppertal auf. Wer die Halle kennt, wird sicher sich noch bis heute wundern, wie man eine solche Halle bauen kann, bei der man von allen Plätzen irgendwie das Gefühl hat, nicht richtig sehen zu können. Beim 21:21 zog Chrischa Hannawald den Dormagenern den Zahn, es langte nur zu einem 21:21. Ein gewisser Joachim Kurth kam für Wuppertal nicht zum Einsatz.
    Sportlich lag der TSV nach 12 Spieltagen genau da, wo er nicht mehr landen wollte: Tabellenletzter mit gerade mal einem Saisonsieg. Auch der Rückzug des OSC Rheinhausen nach 15 Spieltagen konnte nichts daran ändern, dass Dormagen eine weitere Saison im Tabellenkeller spielen würde – trotz der Weltklasseleistungen von „Hej, Niko, Hej!“.
    Der TSV reagierte mit Kaderergänzungen auf die sportliche Misere und verpflichtete neben dem Rheinhausener Kottwitz ein (späteres) Dormagener Idol: Hedinn Gilsson!
    Zum ersten Heimspiel des Jahres 1998 gab sich ein Spieler in Dormagen die Ehre, der 5 Jahre zuvor in Dormagen nicht auflaufen durfte: mit dem TuS Nettelstedt kam der Weltstar Talant Duschebajew! Dormagen hielt lange mit, verlor am Ende jedoch verdient 23:29.
    Erneut der Februar wurde wieder zum Schicksalsmonat eines TSV Trainers und wieder war es ein Spiel gegen Essen: ein Jahr nach Amtsübernahme wurde Gossow nach der 19:22 Heimniederlage gegen TuSEM von seinem Amt entbunden. Peter Pysall wurde der neue Chef der Mission Klassenerhalt.
    Pysall schaffte es, der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen und sich vom letzten (sportlichen) Tabellenplatz zu verabschieden und Hameln hinter sich zu lassen. Und das war wieder einmal hoch dramatisch:
    Am letzten Spieltag hatte der TSV zum zweiten Mal die Ehre, die Kür des Deutschen Meisters ausrichten zu dürfen. Doch diesesmal war es nicht ein einfaches Spalierstehen in einem bedeutungslosen Spiel: Dormagen lag auf einem Abstiegsrang, punktgleich mit Hameln aber 4 Tore schlechter – und Hameln hatte auch ein Heimspiel – gegen den „Nachbarn“ Minden!
    Und die Sensation wurde wahr: Dormagen schlug den feiernden Meister 25:20 –mit einer einmaligen Show von Niko Jacobsen, der 10 Treffer erzielte, und wartete gespannt auf das Ergebnis aus Hameln. Und auch hier die Sensation: Hameln verlor 28:29 und musste damit absteigen! Der Jubel von Dormagenern und Kielern gemeinsam kannte keine Grenzen!!!
    So kam es am Ende doch noch zum Showdown, der erneut Relegation hieß: Dormagen legte gegen Schutterwald in einem nervösen Spiel nur 24:21 vor, Martin Heuberger, heute Bundestrainer, hatte seine Mannschaft gegen verunsicherte Dormagener gut eingestellt. Im Rückspiel machten die Ortenauer den Sack zu und gewann 25:19 gegen erneut überforderte Dormagener.
    Nicht das letzte spannende Duell mit Schutterwald und seinen Nachfolgemannschaften, am Ende aber der erste Abstieg überhaupt einer Dormagener Handballmannschaft und der entgültige Anfang eines langen Niedergangs.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    B) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 3 – Die letzte einstellige Saison und der HSV Bayer Niederrhein

    1994/95
    1. Bundesliga 6. Platz
    „Päng!“ hieß es ab dieser Saison in der Halle an der Konrad-Adenauer-Straße. „Päng!“ war nach 11 Jahren anders: DIN A4 statt A5. Und für einen Knall sorgt der TSV auch bei der Wahl des Nachfolgers für HaDe Schmitz: Kristjan Aarason, gerade erst 33 und Christian Fitzek als Co übernahmen beim TSV das Ruder erfolgreich: 1995 schloss letztmalig eine Dormagener Handballmannschaft in der Bundesliga mit einem einstelligen Tabellenplatz ab.
    Neu war auch, dass der TSV erstmals nicht mit der Bayer Pille und Aspirin warb, sondern Werbung für einen neuen Hustensaft von Bayer – Larylin, machte. Und auch ein Maskottchen gab sich der TSV in dieser Saison: einen zu dem Zeitpunkt noch namenlosen, blauen Bären! Der sollte später „Larry“ heißen
    Im Kader präsentierten sich zwei junge Leute, die lange mit Dormagen und der Region in Verbindung bleiben sollten: der blutjunge Torwart Matthias Reckzeh und der Kreisläufer Jörn Ilper. Und im März 1995 wurde für die kommende Saison noch ein neuer Linksaußen angekündigt, der in die gleiche Kategorie fällt: der 29jährige Ulrich „Uli“ Derad.
    Am 03.Oktober 1994 war der TSV Bayer Dormagen wieder einmal an einer „Einmaligkeit“ beteiligt:
    Im Rahmen des Sportpressefestes sollte den Höhepunkt in der Kölner Sporthalle (ca. 7000 Zuschauer) die Bundesligapartie zwischen dem TSV und dem VfL Gummersbach bilden.
    Doch durch die Sporteinlagen zuvor, bei der Turner Magnesia auf dem Boden verteilten und die Tanzformationen Pailletten, musste das Spiel nach nicht mal 10 Minuten abgebrochen werden, weil der Boden zu glatt war und die Spieler reihenweise ausrutschten. Auch das ein Kuriosum mit Ewigkeitswert. Das Spiel wurde am 08. Februar 1995 wiederholt – erneut in der Kölner Sporthalle. 20:20 endete die Begegnung.
    Am Ende dieser Saison hieß es Abschied nehmen vom Urgestein des Dormagener Handballs schlechthin: Klaus „Dolo“ Dyllong hing mit 33 Jahren seine Handballschuhe an den Nagel.
    Und ein weiteres Kuriosum bot die Saison mit ihrem Abschluss: Da Dormagen und Hameln punkt- und torgleich die Saison beendet hatten, aber nur eine Mannschaft platzierungstechnisch am Europacup teilnehmen konnte, waren auch hier mal wieder Entscheidungsspiele notwendig um die Teilnahme am City-Cup. Interessanter weise wurden diese Spiele aus Termingründen vor der kommenden Saison ausgespielt.

    Noch ein Nachtrag zum IHF-Ligacup am Ende der Saison 1991/1992:
    Der TSV spielte damals zunächst gegen den TV Großwallstadt um die Platzierung „besserer 7.“ Und war nach Hin- und Rückspiel Sieger dieser Runde.
    In Runde1 des eigentlichen IHF-Liga-Cups ging es dann gegen den Meister-Playoff-Verlierer TSV Milbertshofen. Auch diese Runde entschied der TSV für sich und traf in Runde zwei auf den VfL Hameln. Nachdem auch diese Runde gewonnen wurde, sollte es in Runde drei gegen Dauerrivalen TuSEM Essen gehen. Doch –warum kann ich nicht mehr nachvollziehen- Essen verzichtete auf die Spiele der dritten Runde, so dass der TSV kampflos das Finale gegen den SC Magdeburg erreichte. Diese Spiele gewann der TSV Bayer Dormagen ebenfalls und hatte damit den IHF-Liga-Cup gewonnen.
    Zur EC-Cup-Teilnahme musste der Sieger des Liga-Cups nun noch in zwei Spielen gegen den Vizemeister (SG Leutershausen) antreten, nur der Sieger war qualifiziert für den Europacup. Diese Spiele entfielen aber, da in dem Jahr Wallau-Massenheim den Europapokalsieger wurde und als Meister im Meistercup starten würde; somit wurde ein weiterer Startplatz im Europacup frei. Dormagen und Leutershausen waren qualifiziert.


    1995/96
    1. Bundesliga 11. Platz
    Die Saison begann früh für den TSV: mit neuformierter Mannschaft (Bernau, Derad, Martin Rubin), neuformiertem Anspruch der TSV Leitung („Wir wollen eine deutsche Spitzenmannschaft sein!“) und neuem Bayer-Produkt auf der Brust ging es am 02.August in das erste von zwei Entscheidungsspielen um die City-Cup-Europapokalteilnahme. Diese Spiele gewann mal nicht der TSV, wenn auch äußerst knapp (28:24, 16:21), sondern Hameln, dass anschließend bis ins Finale des City Cups vordrang.
    Diese Spiele waren nicht die einzige Enttäuschung für den TSV und dessen Anhang. Es began mit der Neuverpflichtung auf der Königsposition: Martin Rubin. Ich habe ein Foto gefunden vom Saisonanfang, da steht unter seinem Namen aus einer Spielszene: „Immer einen Schritt schneller als seine Gegenspieler: Martin Rubin“. Die Wirklichkeit sah anders aus und bestätigte das Klischee, dass man gewöhnlich von den Eidgenossen hat, nämlich das alles etwas gemächlich und laaaaaaangsam geht. Und so spielte Rubin auch: wenig Esprit, wenig Torgefahr, nicht bundesligatauglich. Nach 10 Spielen hatte der „Shooter“ erst 30 Tore erzielt, gilt bis heute als erster richtiger (und teurer) Fehleinkauf.
    Bemerkenswert an dieser Saison war ansonsten eigentlich nur noch, dass zur kommenden Saison auch das „Bosman-Urteil“ greifen würde, also mehr Ausländer in den Vereinen zugelassen werden. Vielleicht im Rückblick mit ein Grund für den Niedergang des TSV, der mit deutschen Nationalspielern und Spitzenkräften Akzente gesetzt hat. Nicht zu verschweigen ist, dass in der Saison erstmals „finanzielle Schwierigkeiten“ bekannt wurden, die den TSV zwangen, den Gürtel in der kommenden Saison enger zu schnallen.
    Ach, und dann das noch: zum (letzten Saison-)Heimspiel am 06. April 1996 wird in der Rubrik „Päng klatscht“ folgendes berichtet: „Volker Koch zeigte seine Talente und tat sich da auf ganz andere Weise hervor: Mit seinem Aprilscherz der Fusion des TSV Bayer Dormagen und des HSV Düsseldorf zum HSV Bayer Niederrhein hatte er die Lacher auf seiner Seite. Für alle Dormagener Handballfreunde, die im letzten Jahr Schlagzeilen machten, hatte Koch einen netten Seitenhieb in der NGZ vom Montag parat“ – Die Geister die ich rief reloaded!

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    B ) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 2 – Goldene Jahre


    1993/94
    1. Bundesliga 8. Platz Halbfinale Europapokal der Pokalsieger (26:20 und 12:21 gegen Olympique Marseille)

    Fangen wir diesesmal mit dem Europapokal an: bei seiner zweiten und letzten Teilnahme konnte der TSV in dieser Saison auch noch einmal glänzen: Das schwere Erstrundenlos Cheljabinsk, erwies sich als echter Prüfstein, denn es galt aus dem Hinspiel einen 4 Tore Rückstand wettzumachen. Das gelang dem TSV hauchdünn, er siegte mit 5 Toren Differenz.

    Die Achtelfinals gegen Kumanovo aus Mazedonien waren dann nicht ganz so spannend. Nach einem 14 Tore Sieg im Hinspiel konnte man sich in Mazedonien eine 2 Tore Niederlage erlauben.

    Auch das Achtelfinale war eine eindeutige Angelegenheit für den TSV. Nach dem 28:13 (!) im Hinspiel gegen das dänische Spitzenteam GOG Gudme aus Dänemark reichte eine Ergebnisverwaltung und 3 Tore Niederlage zum Einzug ins Halbfinale des Pokalsieger-Cups.

    Dort traf der TSV auf das französische Spitzenteam Olympique Marseille Vitrolles. Am 23.03.1994 gab es erneut ein Debakel für Dormagen: nach einem 12:5 Halbzeitstand hieß es am Ende 12:2 aus TSV Sicht. Es war absehbar, dass das “Abenteuer Europapokal“ für den TSV im Rückspiel des Halbfinales enden würde – leider für immer. Olympique lies sich im Rückspiel nicht die Butter vom Brot nehmen, hielt ein 12:12 zur Halbzeit und verlor am Ende 26:20. Dormagen hatte alles gegeben, OM war besser.


    Die Saison 1 nach der Erfolgreichsten ging das Team es TSV personell fast unverändert an. Und sie begann gleich mit einer Überraschung, denn der TSV konnte in einem Auftaktspiel punkten! Am 12.09.1993 führte der TSV eine Viertelstunde vor Schluss bereits mit 5 Toren Differenz, nur um 8 Sekunden vor Schluss durch einen Rückhandwurf von Alexander Rymanov doch noch den Ausgleich zu kassieren.

    Am 18.September stellte sich der TuSEM Essen zum ewig jungen Westderby und brachte gleich zwei Superlative mit: den kleinsten (Co) Trainer der Bundesliga, Bob Hanning, sowie den größten Feldspieler der Liga, Mark Dragunski. Das war schon unheimlich, den spielen zu sehen – Selbst ein Spieler wie Abwehrrecke Klaus Dyllong konnte die hohen Anspiele an den Kreis nicht unterbinden, die Dragunski oft einhändig fing. Trotzdem siegte Dormagen vor ausverkauftem Haus 24:19. Im Rückspiel prallten übrigens Frank Arends und Andi Thiel zusammen, der mit Schien- und Wadenbeinbruch die Saison beenden musste.

    Der 17. Spieltag am 30.01.1994 wird –wahrscheinlich- unauslöschlich in den Statistik- und Geschichtsbüchtern des TSV Bayer Dormagen stehen bleiben. Wieder gab es einen Rekord, diesesmal allerdings einen negativen: mit 29:12 (!) verlor der TSV in der Ostseehalle in Kiel jegliche Fassung.

    Trotz einer passablen Rückrunde erreichte der TSV nicht die angestrebten Europapokalplätze: erneut die Auswärtsschwäche (4 Punkte in der Rückrunde) kosteten den TSV vordere Ränge.

    Am letzten Spieltag, dem 08.05.1994 durfte der TSV Bayer Dormagen erneut einmal wieder zusehen, wie eine andere Mannschaft geehrt wird. Diesesmal aber feierten die Dormagener mit: der THW Kiel war erstmals seit den 60er Jahren wieder Deutscher Meister geworden. Im Anschluss an das 26:28 erhielten die Spieler die Schale und die Fans hielt nichts mehr. Gemeinsam wurde schwarz-weiss gefeiert. Ich erinnere mich an Konfetti überall und einen Kieler Fan, der sogar einen weiss-schwarze Staßenbegrenzungspfahl dabei hatte, auf dem er Unterschriften sammelte. Ein feucht fröhlicher abend, bei dem aus Dormagener Sicht nicht nur HaDe Schmitz und Co-Trainer Biegler-Wirtz verabschiedet wurden, sondern auch –unwissend- die „goldenen Jahre" des TSV Bayer Dormagen.

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    B ) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 2 – Goldene Jahre

    1991/92
    1. Bundesliga, Gruppe Nord 7. Platz und Qualifikation zur eingleisigen 1. Bundesliga Gewinn des IHF-Liga-Cups und Erreichen des Europapokals (IHF-Pokal)

    Die Saison 91/92 war für den Deutschen Handball, wie für den TSV etwas Besonderes, denn am Ende stand nicht nur die Qualifikation für die eingleisige, gesamtdeutsche Bundesliga, sondern der TSV errang erneut einen Titel, der nie wieder ausgespielt wurde.

    Der TSV hatte spektakulär personell noch einmal nachgelegt und den Hexer, Andreas Thiel an den Rhein lotsen können! Trotzdem setzte es zum Saisonauftakt eine mehr als deftige 25:17 Niederlage beim Aufsteiger Hameln.

    Weniger eingeschlagen hatte die Verpflichtung des Hageners Olaf Mast, der bereits Anfang Dezember wieder –an Zweitligist Rheinhausen- ausgeliehen wurde, offiziell um Spielpraxis zu sammeln. Doch die Geister, die man ruft, wird man nicht mehr los…

    Am Mittwoch, 15.01.1992 feierte der TSV seinen bis dahin höchsten Bundesligasieg: mit 35:19 wurde der völlig überforderte Stahl Brandenburg wieder nach Hause geschckt. Bereits zu diesemfrühen Zeitpunkt der Saison war klar, dass Domagen die angestrebte Qualifikation zur gesamtdutschen Bundesliga schaffen wird.

    Doch immer wieder unerklärliche Leistungsschwankungen auswärts sorgten dafür, dass der TSV die angestrebten Meister-Playoffs verfehlte. Immerhin, der kuriose „IHF-Ligacup“, einmalig ausgesprielt für die Mannschaften zwischen Platz 5 bis 8, war für den TSV erreicht.

    In diesem Konstrukt schaltete der TSV nacheinander (in Hin- und Rückspielen) Ex-Meister Goßwallstadt, in beeindruckender Weise den TSV Milbertshofen und dann die SG Hameln aus – dabei gewann Dormagen als einziges Team der Saison in der Rattenfängerhalle.

    Wie und wo der TSV sich dann für den IHF-Pokal qualifizierte, kann ich leider heute nicht mehr nachvollziehen. Klar war allerdings: der TSV war in der kommenden Saison international dabei


    1992/93
    1. Bundesliga 12. Platz DHB-Pokal-Finalist (21:24 gegen Wallau-Massenheim) IHF-Pokal-Finalist (24:20 und 20:26 gegen Teka Santander)

    Die Saison 1992/1993 geht als die erfolgreichste in die Geschichte des TSV Bayer Dormagen ein. Abermals wurde das Team des TSV verstärkt und hat mit dem Rückraum Klemm/Springel, Robert Andersson (später Kiel) und Nationalspieler Karsten Kohlhaas mit den besten Rückraum der Liga. Hinzu kamen Thiel im Tor und Dyllong in der Abwehr, Fitzek und Maik Handschke am Kreis, Scheuermann auf Linksaußen. Beeindruckend.

    Im ersten Heimspiel der Saison, am 23.09.1992 gab es ein wiedersehen mit Gerry Vukoje. Er war kurzfristig als Trainer verpflichtet worden. Auf der Platte gab es neben Richard Radtka noch einen anderen Hünen zu bestaunen: Hedinn Gilsson. Das 26:19 war der deutlichste Sieg des TSV bis zum 16. Spieltag. Überhaupt: bis zum 16. Spieltag ab es nur ein weiteres Spiel (verloren), dass mit mehr als 3 Toren unterschied ausging. Die Nerven der Dormagener Zuschauer wurden ganz schön strapaziert.

    Bis zum 26. Spieltag hielt der TSV sich in den Top-5 der Bundesliga, ehe sich die Doppelbelastung mit Europa- und DHB-Pokal bemerkbar machte: von den letzten 8 Saisonspielen verlor der TSV gleich 7 und landete am Ende auf dem 12. Platz.

    Viel spannender als die Bundesliga war für die Dormagener Fans aber in diesem Jahr der Europapokal. Nachdem in Runde 1 Hapoel Tikva aus Israel zweimal deutlich geschlagen wurde, folgen in Runde 2 die Italiener von Ortiga Siracusa, die nicht ganz so deutlich, aber auch zwei Mal bezwungen wurden. Damit stand der TSV schon im Viertelfinale. Dort wartete das Weißrussische Top-Team SKA Minsk auf die Dormagener!

    Das Hinspiel „kaufte“ der TSV den Weißrussen ab und spielte in der Solinger Klingenhalle. Die Dormagener Fans triebenden TSV nach vorne, (die Solinger Zuschauerunterstützten unverständlicherweise Minsk), der am Ende 29:26 gewann. Im Rückspiel in Dormagen gab es im 6. Auftriff im IHF-Cp den 6. Sieg. Der TSV brandte ein Feuerwerk ab beim 27:20 Sieg.

    Auf Grund der ominösen Regelung, dass zwei Mannschaften aus einem Land nicht im Finale aufeinandertreffen dürfen (!!!), wurde beim Losen des Halbfinals nur noch bestimmt, dass Dormagen zunächst Heimrecht gegen die SG Leutershausen haben würde.

    Nach einem umkämpften Heimsieg (18:14) machte sich der Dormagener Tross auf nach „Hause“, wie der beliebte Schlachtruf der Leutershausener war. Zunächst sah es so aus, als könne die SG ihren Heimvorteil nutzen und Dormagen den Finaleinzug noch streitig machen, doch der TSV urde immer souveräner und blieb am Ende weiter ungeschlagen im Wettbewerb. Das 24:24 markierte den größten Erfolg in der Dormagener Handballgeschichte, den Einzug ins IHF-Europapokalfinale gegen die zu der Zeit wahrscheinlich beste Vereinsmannschaft der Welt: TEKA Santander

    Da der IHF die Halle in Dormagen ungeeignet als Austragungsort des Dormagener Heimspiels erschien, musste der TSV am 22.Mai 1993 nach Leverkusen in die dortige Rundsporthalle ausweichen. Die anfangs in Ehrfurcht erstarrenden Dormagener Spieler tauten langsam auf und gewannen hinten raus das Spiel noch sensationell mit 24:20.

    Pfingstsonntag der Woche darauf kam es zum Rückspiel. Auch hier waren die Dormagener zu Anfang nicht wach, Santander hatte schon früh en Rückstand aufgeholt und war klar das bessere Team. Beim 26:20 konnte der TSV nur noch Ergebniskosmetik betreiben.

    Dennoch: der TSV konnte hoch erhobenen Hauptes aus der Saison gehen, zumal nach dem überraschenden Sieg in Gummersbach im DHB-Pokal-Viertelfinale noch eine weitre Titelchance oder zumindest die Möglichkeit zur erneuten Europacup-Quali hatte.

    Keine Premiere ohne den TSV Bayer Dormagen war deshalb auch im DHB-Pokal das Motto. Erstmals wurde das Halbfinale und Finale als „Final Four Wochenende“ gespielt. Der TSV sollte dabei in Frankfurt in seinem Halbfinale auf den Zweitligisten Eintracht Wiesbaden treffen. Mit 26:18 siegte der TSV deutlich und stand im Endspiel gegen die SG Wallau-Massenheim.

    In diesem zweiten Finale der Saison wurde der lange Rückraumshooter Matthias Schmidt zur tragischen Figur: bis weit in die zweite Halbzeit hinein führte der TSV gegen Wallau und hatte den erstn „echen“ nationalen Titel vor Augen. Doch dann drehte das Schiedsrichtergespann den Spielverlauf: Bei einer Abwehraktion in der Rückwärtsbewegung traf Matthias Schmidt einen Wallauer Spieler unglücklich. Doch während alle Anwesenden mit einer zwei Minuten Strafe rechneten, kreuzte die Schiedsrichter die Arme: Ausschluss wegen Tätlichkeit. Natürlich Premiere im Pokalfinale und nie wieder vorgekommen. Mit dauerhaft 5 Feldspielern konnte der TSV seinen Vorsprung nicht verteidigen und verlor am Ende unverdient 21:24.

    Keine Titel, zwei verlorene Finals, viel Sympathie und die erneute Europacup-Teilnahme blieben unter dem Strich übrig.

    Willkommen in den 90'ern:

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    B) Die erfolgreichen Neunziger, Teil 1 – Fünfmal Tusem Essen und die Schweinehalle

    1990/91
    1. Bundesliga 5. Platz und Teilnahme an den Play-Off-Spielen zur Meisterschaft

    Was noch keiner wusste: die Saison beginnt, wie sie endet; mit einem Spiel gegen TuSEM Essen, den stets erfolgreicheren, aber immer in Schlagdistanz verweilenden Rivalen. Zur neuen Saison wurde der Kader des TSV gezielt verstärkt, um nicht nur statt der Abstiegsrunde nun die Meister-Playoffs zu erreichen, sondern auch die Qualifikation für die neue Gesamtdeutsche Liga, die im nächsten Jahr ausgespielt werden sollte. Dormagen sollte übrigens in der DHB-Geschichte der einzige Sieger der Abstiegsrunde, da diese wieder abgeschafft wurde.

    So wurde neben Christian Fitzek und der „Tormaschine“ Marian Dumitru auch ein neuer Trainer verpflichtet: endlich hatte es mit HaDe Schmitz geklappt, der im Nachgang der erfolgreichste Dormagener Trainer sein sollte. Und auch für den Ex-Essener Schmitz wurde es eine besondere Saison gegen seinen alten Verein.

    Dabei wäre HaDe eigentlich gar nicht Trainer in Dormagen geworden, denn der Wunschkandidat war Martin Schwalb für die TSV-Verantwortlichen. Doch trotz eines lukrativen Angebotes ging Schwalb zur SG Wallau Massenheim. Begründung: "Mir reicht es, wenn ich einmal im Jahr in dieser Schweinehalle spielen muss." Für alle Dormagener, die schon länger dabei sind, war die Halle an der Konrad-Adenauer Straße seit dem die „Schweinehalle.“

    Im Gedächtnis ist mir chronologisch zunächst einmal das Spiel des 6. Spieltages beim VfL Fredenbeck geblieben. Eigentlich stand der TSV auf verlorenem Posten: in der 56. Minute stand es 21:15 für Fredenbeck, die das Spiel deutlich dominierten. Dann legte der TSV den Schalter um und eine Leistung hin, die ich nie wieder gesehen habe: in den letzten 4 Minuten machte der TSV aus dem 21:15 noch den 21:21 Endstand! Publikmsliebling „Kalle“ Töpfer traf eine Sekunde vor Schluss zum Ausgleich. Unglaublich!

    Doch immer wieder Verletzungen, diese Saison mal wieder Michael Klemm und Marian Dumitru machten den Dormagener Ambitionen einen Strich durc die Rechnung, sich in der Spitzengruppe der Liga zu etablieren. So beendete der TSV die Hinrunde zwar auf Platz 5, mit 13:13 Punkten war man den Abstiegsplätzen (Niederwürzbach 12. Mit 10:16) allerdings näher, als der Spitzengruppe.

    Der Auftakt der Rückrunde gegen Essen hatte es in sich: schließlich verpflichtete der TuSEM während der Saison mit Alexandr Tutschkin einen russischen Hünen – nicht selbstverständlich zu dieser Zeit. Ein hart umkämpftes Spiel gewannen die Essenener (mal wieder) hauchdünn: 23:24. Es war das einzige Spiel des Superstars gegen Dormagen in dieser Saison:Tutschkin brach sich später den Fuß.

    Nach Abschluss der Runde war klar, dass Dormagen wieder gegen den TuSEM ranmusste: in den erhofften Meister-Playoffs. Vor den Spielen wurde der TuSEM übrigens noch DHB-Pokalsieger – übrigens mit dem kurzfristig für Tutschkin nachverpflichteten „Gerry“ Vukoje! Dieser sollte auch in den Playoffs für den TuSEM spielen.

    Die Runde wurde im Best of Three Modus ausgetragen, wobei der Bundesligaerste gegn Dormagen mit einem Heimrecht begann. Mit einem mageren, hart umkämpften 5:5 wurde in der Grugahalle die Seiten getauscht. In der zweiten Halbzeit drehte der TuSEM dann aber auf und führte mit 15:12, aber Dormagen fightete zurück und rettete sich in die Verlängerung. Dort aber siegte der Tusem dann 22:16.

    Das Rückspiel in Dormagen ist Legende. In einem dramatischen Fight vor überfüllten Tribünen peitschten die TSV Anhänger en Außenseiter zum sensationellen 13:12 Sieg. Essens Top-Torschützen Fraatz und Vukoje gelangen jeweils nur 2 Treffer, für die auf den Tribünen dabei gewesenen wieder ein Spiel, dass für immer in Erinnerung bleiben sollte. Den ohrenbetäubenden Lärm in der ehrwürdigen Halle an der Konrad Adenauer Straße haben viele nie mehr aus dem Ohr bekommen. Im dritten Spiel setzte sich dann der TuSEM mit 25:21 entgültig durch. Ich meine mich zu erinnern, dass bei diesem Spiel erstmals Absperrungen und Leibesvisitationen durchgeführt wurden, weil man Angst vor den Dormagener handballfans hatten, die in den ersten Jahren wahrlich icht immer den besten Ruf hatten.

    Danke für die Blumen, Las Vegas, das war es auch, was ich im Sinn hatte.

    Heute schließe ich die 80'er ab, bevor es mit den sportlich erfolgreichen 90'ern weitergeht.


    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    A) Die wilden Achziger, Teil 3 – Die Saison des Arno E. und Oystein H.

    1989/90
    1. Bundesliga 9. Platz

    Mit 6 neuen Spielern nahm der TSV die Saison 1 ohne Vukoje auf. Gleich zu Beginn zeigte sich, dass man mit „Shooter“ Havang offenbar richtig eingekauft hat: 7, 6 und 8 Tore in den ersten drei Saisonspielen etabliertenn Havang unter den Top5 Torschützen der Liga.
    Am 01.11.1989 spielte der TSV beim TuS Schutterwald und der Ausgang des Spiels sollte sich Jahre später an ähnlicher Stelle ähnlich dramatisch fü den TSV gestalten: Eigengewächs Norbert Nowak warf ca. 20 Sekunden vor Schluss den Ausgleich für den TSV, doch die Schiedsrichter pfeifen den Angriff wg. Stürmerfoul ab, Dormagen verliert unglücklich 25:24. Wer denkt jetzt nich an das „legendäre“ Spiel in Willstätt Jahre später?
    Einen Tag vor Ende des Jahres 1989 erwischte es den TSV bei der 23:26 Niederlage gegen Essen zum ersten mal im Kalenderjahr. Trotz einer bemerkenswerten Leistung vom zweiten Mittelmann, Dieter Springel, der sich immer wieder klasse an den Kreis durchtankte und 7 Tore warf, nichts zu holen: die Flügelzange Fraat/Quarti verlagerte das Spiel nach Außen, weg vom starkenDormagener Innenblock.
    Ansonsten wäre die Saison so dain geplätschert, wenn sie nicht eine Brisanz durch die neu eingeführten Meister- und Abstiegs-Playoffs gehabt hätte: man musste mindestens 8. Werden, um die Meister-Playoffs zu spielen.
    Doch im 40. Jahr ihres Bestehens war die Auswärtsschwäche dafür verantwortlich, dass es mitdiesem Ziel nicht klappen sollte. Am Ende lief der TSV auf einem enttäuschenden 11.Platz ein.
    Als Konsequenz daraus führte der nur für diese Abstiegsrunde eingekaufte Arno Ehret Mannschaf als Trainer durch diese Runde. Nach einer 16:20 Niederlage zum Auftakt verlor Ehret kein Spiel mehr mit den Dormagenern und sicherte so dem TSV den Klassenerhalt. Im letzten Saisonspiel warf dann Havang erstmals 10 Tore und wurde Abstiegsrundentorschützenkönig. Auf der Gegenseite verfehlte Rainer Cordes den Uraltrekord von Jerzey Klempel mit 16 Toren in einem Spiel nur um 2 Tore.

    Weiter geht es:

    Mein persönlicher Rückblick auf 29 Jahre Dormagener Handball:

    A) Die wilden Achziger, Teil 2 – Von Bundestrainern und Ausländerkontingenten

    1987/88
    1. Bundesliga 5. Platz

    Am 12.09.2007 wurde mit dem Spiel beim TuS Hofweier der TSV Bayer Dormagen in den Kreis der Bundesligisten aufgenommen. Die Premiere ging gründlich daneben. 30:23 unterlag das nur punktuell ergänzte (Thomas Schulz, Dirk Kelle) Meisterteam.
    Zum zweiten Heimspiel stellte sich der MTSV Schwabing in der Dormagener Dreifachhalle vor. Ich weiss noch, wie mir ob der enormen Waden des Münchner Starspielers Andreas Dörhöfer fast die Augen aus dem Kopf fielen. Über Jahre wurde er in unserem Freundeskreis nur ehrfürchtig „Wade“ genannt. Zum ersten Bundesligasieg reichte es auch hier nicht: 22:23 war das verdiente Endergebnis.
    Den ersten Sieg gab es dann endlich am 10.10.1987 zu feiern: ausgerechnet das Starensemble des TuSEM Essen wurde von den Bayer-Ballern und einem fanatischen Publikum mit 18:16 geschlagen. Um dabei zu sein, standen die Leute auf Turnbänken rund um das Spielfeld in zweiter Reihe, die Türen der Gerätzeräume wurden geöffnet, um auch hier den Zuschauern das Dabeisein zu ermöglichen. Zu dieser Zeit waren sicherlich jedes Mal 1600-2000 Zuschauer in der Halle, die 1444 Plätze offiziell fasste.
    Erstmals überregional aufhorchen lies der TSV am 10.Spieltag, als er als Tabellenletzter dem bis dahin verlustpunktfreien VfL Gummersbach in einer hochdramatischen Partie beim 14:14 einen Punkt abknöpfte. Bedröpplet schlichen auch Andreas Thiel, Christian Fitzek und Kristjan Aarason, alle später auch beim TSV aktiv, vom Feld.
    Das Unentschieden setzte beim Aufsteiger ungeahnte Kräfte frei: von den kommenden 5 Spielen wurde nur das Erste –in Kiel verloren. Vor dem Duell mit Essen war der TSV plötzlich mit 16:16 Punkten im Mittelfeld der Tabelle, nur 2 Punkte hinter dem TuSEM. Doch dieser zeigte den Dormagenern die Grenzen auf: über ein 10:4 zur Halbzeit hieß es 17:13 am Ende. Die mitgereisten Dormagener waren in der ungewohnten Grugahalle restlos bedient.
    Und weitere dunkle Wolken zogen am Dormagener Himmel auf: Erfolgstrainer Ivanescu war als neuer Bundestrainer ausgeguckt worden und er nahm das Amt im Mai 1988 an. Die Bundesligavereine allerdings wehrten sich gegen die Doppelfunktion beim TSV und in der Nationalmannschaft, so dass Ivanescu schweren Herzens zum Saisonende sein Amt in Dormagen aufgeben musste. Bei der Suche nach dem Nachfolger kam es zur „Posse“ um HaDe Schmitz, der erst öffentlich verkündete, nach Dormagen zu wechseln, dann aber doch in Essen blieb. Das wiederrum erzürnte einen uns wohlbekannten Pressevertreter (Stichwort: „Tunnelblick“) so stark, dass ein gewisser „duz“, derzeit Pressesprecher des DHCRheinlnd im Hallenheft zum Spiel gegen Kiel am 16.April 1988 schrieb: „Was da in der […] Zeitung in den letzten Wochen an unsachlicher Kritik über die Arbeit des Vorstandsteams zu lesen war, geht schon kaum noch auf die berühmte Kuhhaut. Man kann Unruhe auch wirklich dadurch erzeugen, dass man bestimmte Themen immer wieder hochkocht. Wem esletztlich nützt, mag der Redakteur wissen.“
    Am 22. Spieltag kam Altmeister Göppingen nach Dormagen und brachte einen Spieler mit, dem es in Dormagen gut gefiel: Ulrich „Uli“ Derad. Das Spiel endete 20:15, Derad blieb blass – vielle sagen, seit damals hätte das sich bei ihm auch nicht geändert. Mit diesem Erfolg war die Bayer-Sieben das erfolgreichste Team der Rückrunde und der bis dahin erfolgreichste Aufsteiger jemals in der Handball-Bundesliga.

    1988/89
    1. Bundesliga 7. Platz
    Die zweite Saison im Oberhaus fing bescheiden an. Zwar hatte man sich mit Kalle Töpfer einen klasse Kreisläufer geangelt, die restlichen „Verstärkungen“ erwiesen sich allerdingsschnell als Mitläufer und Fehleinkäufe. Auch auf der Bank hatte der TSV kein Glück: die Fußstapfen Ivanescus waren für Nedeljko Vujinovic als zu groß. Im Dezember 1988, zur Rückrunde, wurde er, trotz sich einstellender, beginnender Erfolge, von Werner Enders abgelöst.
    Immerhin: am 6. Spieltag wurde ein Traum für die Dormagener Handballer und ihre Fans wahr: mit 18:15 –ohne Denker und Lenker Michael Klemm- gewann der TSV in der Eugen-Haas-Halle gegenGummerbach. Ich weiss noch, wie enttäuscht ich über die Halle war: wir hatten Stehplätze und die niedrig gezgene Decke schluckte nicht nur den Schall unsererRufe, sondern ermöglichte auch nur eine eingeschränkte Sicht auf das Spielfeld. Doch am Ende hatte sich die Fahrt gelohnt.
    Auch im Rückspiel gegen Gummersbach brandete lautrer Jubel auf: nicht nur ob des 24:19 Sieges, sondern auch wegen des ersten Saisontores von „Urgestein“ und Abwehrchef Klaus Dyllong. Eine echte Rarität!
    In einer ansonsten recht ereignislosen Saison gab es dann noch eine Nachricht, die die Dormagener Handballfans schockierte. Mit der Verpflichtung des norwegischen Nationalspielers Oystein Havang endete das Kapitel Vladimir Vukoje in Dormagen, weil zur damaligen Zeit nur ein (!!!) Ausländer erlaubt war. Gerry ist sicher ein Kandidat für die „Ehren-7“ des TSV Bayer Dormagen.