1,3 Millionen Euro Schulden: Wallau vor Insolvenz
Wallau (dpa) - Die seit Jahren finanziell angeschlagene SG Wallau-Massenheim steht vor dem Aus in der Handball-Bundesliga (HBL). Zwei Wochen vor Beginn des Lizenzierungsverfahrens für die kommende Saison veröffentlichte Verein einen Schuldenstand von knapp 1,3 Millionen Euro.
«Ich weiß nur aus der Presse, dass die Außenstände bestätigt sind», sagte Frank Bohmann der dpa. Der HBL-Geschäftsführer, der zusammen mit Wirtschaftsprüfer Siegfried Friedrich über die Zulassung für die kommende Spielzeit entscheidet, kündigte ein rigoroses Vorgehen an: «Wir werden sehr sorgfältig prüfen. Es kommt immer die Wahrheit heraus.»
Die ohnehin angespannte Situation bei den Hessen hatte sich zugespitzt durch die personellen Querelen und verschärft durch eine 60 000-Euro-Forderung des Spielerberaters Wolfgang Gütschow (Pirmasens). Zuvor hatten der von seinen Kollegen entmachtete Hauptgesellschafter Volkmar Rohr und der angeblich gekündigte Geschäftsführer Bülent Aksen 1,277 Millionen Euro Verbindlichkeiten bekannt gegeben. Nur einen Tag später bestätigte Gütschow, «vorsorglich und aus taktischen Gründen» am 7. Januar einen Fremd-Antrag auf Insolvenz gestellt zu haben.
Sollte die SG Wallau-Massenheim selbst einen Antrag auf Insolvenz stellen, wäre dadurch der Zwangsabstieg besiegelt. Trotzdem hat der Tabellenzehnte wie alle anderen Bundesligisten auch einen Lizenzantrag gestellt. Scharfrichter über die Lizenzerteilung werden jedoch die wirtschaftlichen Unterlagen, die bis zum 10. März bei Bohmann vorliegen müssen. «Wer bis dahin nicht eingereicht hat, verwirkt sein Recht auf Lizenzerteilung. Es gibt keine Ausnahmen», stellte der Geschäftsführer klar.
Schon wegen des Hickhacks um den ebenfalls hoch verschuldeten HSV Hamburg will die HBL von ihrer harten Linie nicht abweichen.
«Wir prüfen die Unterlagen formal», sagte Bohmann. Anschließend werden die Papiere an einen unabhängigen Gutachterausschuss weiter gegeben, der nach eingegehender Prüfung eine Empfehlung abgibt. «Danach entscheiden Herr Friedrich und ich bis zum 25. Mai, ob ein Verein teilnehmen darf oder nicht, oder unter Auflagen», erläuterte Bohmann. Die Aussichten für die SG Wallau-Massenheim sind derzeit nicht gut. Schließlich müssen die Hessen «das abgelaufene Wirtschaftsjahr testiert nachweisen und einen Plan einreichen, dass sie auch das nächste Jahr vernünftig wirtschaften», sagte Bohmann.
Gütschows Insolvenz-Antrag kann erst nach länger währender Prüfung eines Fachmanns zur Eröffnung kommen. Die Prüfungen dauerten nach seinen Angaben mehrere Monate. So könne er auch den Antrag jeder Zeit zurückziehen. «Das Prozedere habe ich aus ähnlichen Gründen in der laufenden Saison mit dem HSV Hamburg geführt», sagte Gütschow, der unter anderem den gekündigten Nationalspieler Jan-Olaf Immel vertritt. «Ich habe aber ein erhebliches Interesse, die Arbeitsplätze meiner Spieler zu sichern.»
Quelle Westdeutsche Zeitung WZ . http://www.wz-newsline.de/seschat4/200/s…d=243&ID=186283