Ich kann nicht nachvollziehen, wie negativ hier die neuesten Entwicklungen überwiegend beurteilt werden! Das eine oder andere konnte doch wirklich nicht überraschen...
1. Ausfall des Sponsors HR-C
Die 900.000€, die hier auf der Basis einer ironischen Spekulation auf einmal als real angenommen werden, sind es mit Sicherheit nicht. Der Verein hatte sich ein kleines Polster angelegt, außerdem stehen die vier Gesellschafter - vermutlich teilweise auch persönlich (konkreter darf ich an der Stelle nicht werden) - dafür ein, dass der offizielle Etat von 1,63 Millionen € weiter gedeckt ist. Wer der Vereinsführung und damit vor allem Heinz Lieven unterstellt, unseriös vorzugehen, der kennt ihn entweder nicht persönlich oder will dem DHC einfach nur schaden. Das Jobportal hätte vielleicht eine Chance gehabt, wenn es sofort nach Bekanntgabe des Einstiegs in den Dormagener Handball online gegangen wäre. Das ist leider nicht passiert, Chance vertan! Ich finde es richtig und konsequent, dass der Vertrag nun vom DHC gekündigt wurde, um den Hallennamen neu vermarkten zu können. Wenn das am Ende eine weitere japanische Firma macht und diese ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Verein nachkommt, wird sicherlich niemand mehr meckern.
2. Japan-Connection
Es hat zwar etwas länger gedauert, als es avisiert wurde, aber jetzt ist das Konzept öffentlich auf dem Tisch. Es ist meiner Meinung nach in jeder Hinsicht förderlich: Mehr Zuschauer in der Halle und ein neuer Fanclub können nicht schaden. Nachwuchstalente zu fördern, auch wenn der japanische Handball vermutlich nur Regionalligaformat hat, kann auch nicht schaden. Wenn diese beiden Nationalspieler kommen, werden sie hier ausgebildet, Kai Wandschneider hat mehr Spieler im Training zur Verfügung (was in dieser Saison nicht nur aufgrund von Verletzungen, sondern aufgrund von Verpflichtungen in der Ausbildung ein Problem ist), zur Not spielen die in der zweiten Mannschaft. Am wichtigsten aber ist doch der Kontakt über Choya und den Generalkonsul zu einigen weiteren japanischen Firmen. Wenn davon am Ende einer groß, also im sechsstelligen Bereich, einsteigt, ist die ganze Geschichte doch schon ein großer Erfolg!
3. Hannes Lindt
Da der DHC ganz offensichtlich keine Ablösesumme bezahlen will, wird der Wechsel wohl erst zum 1.1. erfolgen. Formal betrachtet ist der Wechsel seitens des DHC sauber abgewickelt worden. Die Unstimmigkeiten liegen auf der Frankfurter Seite - und es sind nicht die ersten dieser Art. Vielleicht ist das auch eine persönliche Sache (Manager HSG? Manager Lindt?). Letztlich ist das aber völlig egal, denn Thomas Dröge wird als seriöser Teammanager keine Personalie bekannt geben, wenn er nicht auf der sicheren Seite ist. Die Anzeige über den abgeschlossenen Aufhebungsvertrag lag ihm vor, danach kam die Pressekonferenz. Lindt hat jedenfalls das Potenzial, der Mannschaft weiter zu helfen, und nicht nur als reiner Ergänzungsspieler durchzugehen. Man wird das aber erst sehen, wenn er da ist und sich eingewöhnt hat.
4. DHC als junger Verein
Es ist im Umfeld, vor allem bei den Heimspielen schon mehr bewegt worden als im alten Verein und unter der alten Führung vorher in mehreren Jahren Zweit- und Erstliga-Handball. Es wird seriös gewirtschaftet. Deshalb war auch klar, dass Thomas Kempen nicht volles Risiko geht. Da wäre er ja auch schön dumm gewesen: eine neue GmbH, die Vorgeschichte, Planungen zunächst mal nur auf ein bis zwei Jahre absehbar. Von Anfang an war klar, dass er auch selber schauen muss, ob die Sache einen hauptamtlichen Geschäftsführer trägt, er also ganz aus der RheinlandVersicherung ausscheidet. Es gab eine mit allen Beteiligten vereinbarte Übergangs- oder Erprobungsphase. Diese wird nun beendet, er kehrt in seinen alten Job zurück. Wenn die Abläufe beim DHC auch unter einem Ehrenamtler genau so weiter laufen, wenn dieser Ehrenamtler auch als Aufsichtsratsvorsitzender in allen Dingen des "großen" Sponsoring der Macher war und ist, dann ist der jetzige Schritt doch nur konsequent. Ich finde das in keinster Weise negativ. Negativ aber finde ich die Stimmungsmache, die nicht nur hier teilweise läuft und der Sachlage einfach nicht gerecht wird. Das ist aber auch kein Wunder, wenn selbst ein Journalist einer lokalen Tageszeitung, der über erhebliches Hintergrundwissen verfügt, offensichtlich nicht mehr daran denken will, wie er selber vor Saisonbeginn die Lage dargestellt hat, und knapp zwei Monate später vom "Dormagener Hilflosen Club" schreibt. Das ist nicht nur vom Stil her unterste Schublade, weil es beleidigenden Charakter hat, sondern es hilft vor allem in der Sache überhaupt nicht weiter!!!
Es ist ein Wunder, dass es überhaupt noch Erstliga-Handball in Dormagen gibt - sowohl in sportlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Das sollte man immer bedenken, bevor man die Leute angreift, die viel Zeit, Kraft und Nerven dafür eingesetzt haben und einsetzen, dass es so ist.
Von daher, und weil die Spieler eh nichts dafür können: Heute Abend gegen Kiel im Pokal ist es eher egal, aber am Samstag im Rheinderby gegen Gummersbach sollte die Halle nicht nur möglichst voll werden, sondern auch wie ein Mann hinter dem DHC stehen und das Team anfeuern!