Was hättest Du denn an Stelle von Trainer, Teammanager und Geschäftsführer in dieser Situation gemacht? Die Verpflichtungen von Immel und Wernig wurden vor der Relegation gegen Emsdetten bekannt gegeben. Hättest Du da gesagt: "Sorry, Leute, wir haben nächste Saison genau so wenig Geld wie in dieser, wir wissen noch nicht, ob wir die Klasse halten, wir konnten auf dem Spielmarkt erst tätig werden, als feststand, dass der DHC überhaupt gegründet wird, was erst im März der Fall war, wo der Markt so gut wie leer war. Und deshalb, sorry Leute, können wir nur einen abgehalfterten Ex-Nationalspieler und einen weiteren Ausbildungsspieler holen. Von den beiden Isis versprechen wir uns viel, aber in der deutschen Bundesliga weht ein anderer Wind als in deren Heimat. Von daher, sorry Leute, wird das wohl nichts mit dem Klassenerhalt in der nächsten Saison. Aber wenn wir die Relegation überstehen, sind wir überglücklich, weil wir uns dann nicht in der Zweiten Liga-Süd für die eingleisige Zweite Liga qualifizieren müssen. Wir müssen dann aber die Eintrittspreise erhöhen, auch wenn absehbar ist, dass wir Zuhause nix gewinnen und teilweise richtig schlecht spielen, weil der personelle Umbruch in der Mannschaft einfach viel zu groß ist."
Die Verantwortlichen haben immer versucht, die Situation realistisch, aber auch positiv darzustellen. Was bringt es auch, dem eigenen Kader vor Saisonbeginn zu sagen: "Ihr seid nicht wettbewerbsfähig, macht das Beste draus!" Ein Freibrief für alle. Und gegenüber den Sponsoren und der Öffentlichkeit kannst du es in keiner Hinsicht verkaufen, wenn du anstelle des Ziels "möglichst direkter Klassenerhalt" die Parole ausgibst "Es geht nur darum, nicht Letzter, sondern nur Vorletzter zu werden"...
Die aktuelle Situation würde - unabhängig vom Punktestand - nur besser aussehen, wenn alle Neuzugänge voll eingeschlagen hätten (Qualität) und wenn der Kader von Anfang an die erforderliche (!) Breite (Quantität) gehabt hätte. Beides war und ist leider nicht der Fall! Deshalb sind viele Niederlagen auch so bitter zustande gekommen. Fünf Prozent mehr, dann wäre die eine oder andere Partie anders gelaufen. Aber wo sollen mit dem schlechtesten Kader seit dem Aufstieg - und der im Aufstiegsjahr war der Beste - diese entscheidenden Prozente herkommen, die vermitlich gereicht hätten, um in Balingen und Hamm sowie gegen Wetzlar zu gewinnen? So musste und muss der Unerfahrenheit und Jugend leider Tribut gezollt werden. Daher auch die Einbrüche - entweder im Spiel selbst oder von einem Spiel auf das andere (z.B. beste Saisonleistung in Balingen, Katastrophenspiel gegen Göppingen). Daher auch die vielen Konzentrationsfehler, die bei den Heimspielen mindestens einmal zu dem "Highlight" führen, dass ein Spieler den Ball einfach ins Aus passt, weil er dort einen Mitspieler vermutet. Die Zahl der technischen Fehler dürfte auf Rekordniveau liegen... Daher auch in einigen Spielen der Eindruck, dass die Spieler nicht wie früher bis zur letzten Sekunde kämpfen, auch wenn es nur noch um die Höhe der Niederlage geht. Ich bin mir sicher, dass keiner absichtlich abschenkt, aber die Qualität und Quantität ist einfach nicht da, um über 60 Minuten auf dem erforderlichen Niveau gegenzuhalten. Der Trainer hat in der PK nach dem Wetzlar-Spiel völlig richtig festgestellt, dass ein gestandener Kreisläufer und ein gestandener Rückraumspieler geholt werden müssten, die beide in Angriff und Abwehr so gut sind, dass sie dem Team sofort richtig weiterhelfen. Nur: Woher soll das Geld dafür kommen???
"Updates" schieben seriöse Leute nur öffentlich hinterher, wenn es auch welche gibt. Ich tue es ungerne, aber ich zitiere den Herren, der den Dormagener Handballkarren verantwortlich in den Sand gesetzt hat und der jetzt auf der Kieler Bank Momir Ilic die Wasserflasche reichen darf: "Erst wenn die Unterschrift unter dem Vertrag steht, gibt es etwas bekannt zu geben."
Ich bleibe dabei, dass viele Zuschauer nach einigen Spielen in dieser Saison die Relation verloren haben. Das macht keiner mit Absicht, liegt aber in der Natur der Sache, wenn man jahrelang die Spiele im Sportcenter verfolgt hat. Man muss sich immer wieder davon frei zu machen, Vergleiche zur Vorsaison (noch mit Schindler, noch mit Meyer, noch mit Wisotzki, noch mit Landsberg) zu ziehen. Das fing doch schon gegen Berlin an, die zu dem Zeitpunkt durchaus schlagbar waren... Natürlich hätte der DHC mit einem Schindler sicherlich schon zwei oder mehr Heimsiege eingefahren und vielleicht in Balingen sowie in Hamm gepunktet. Den DHC gibt es aber nur ohne Schindler! Selbst ein Balomenos, der von vielen Zuschauern auf einmal herbeigesehnt wird, wäre keine Garantie dafür, dass es bisher anders gelaufen wäre. Dafür hat er hier nun wirklich keine Bäume ausgerissen - im Gegensatz zu einigen anderen Spielern, die nicht mehr da sind. Im Umfeld des DHC sollte sich jeder Zuschauer, der zu einem Spiel geht, vorher noch einmal ins Gedächtnis rufen: Der Kern der Aufstiegsmannschaft ist weg und der Kern des Rückraums der Vorsaison ist weg!!! Wer dennoch Vergleiche zieht, der legt falsche Maßstäbe an.
Fakt ist: Der DHC hat bis auf ganz wenige Ausnahmen einen Zweitliga-Kader, der in der aktuellen Südgruppe vermutlich nicht den Aufstieg schaffen würde, sondern sich strecken müsste, um nicht schlechter als Platz 9 abzuschneiden. Wie soll das reichen, um in der Ersten Liga die Klasse zu halten???