Der Hinweis auf die Rettungsaktion, an der sich auch viele Fans beteiligt haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch gilt es an der Stelle zu differenzieren: Die Hilfsaktion hatte nur das eine Ziel, die Saison 2010/11 zu Ende spielen zu können. Das ging nur mit einem erfolgreich abgewickelten Insolvenzplanverfahren und hatte mit der Saison 2011/12 direkt nichts zu tun.
Natürlich war damit bei allen Beteiligten die Hoffnung verbunden, dass es in der nun laufenden Spielzeit anders und besser wird. Ist es aber leider nicht, ganz im Gegenteil.
1. Das Sportliche
Der DHC steht nach einem überraschend guten Saisonauftakt unter Berücksichtigung des vollen Punktabzuges mittlerweile auf dem ersten Abstiegsplatz. Selbst wenn ich zum Ende der Hinrunde nur die Hälfte abziehe, komme ich angesichts der Verletzung von Breuer und Zdrahala zu der Erkenntnis, dass es nun erst mal nur darum geht, die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen - und nicht mehr um eine sorgenfreie Saison, von der Trainer Richard Ratka noch vor dem Bietigheim-Spiel gesprochen hat. Spätestens seit Oktober ist in den Spielen immer offensichtlicher, wie begrenzt das spielerische Korsett ist, das Ratka seiner Mannschaft bisher verpasst hat. Selbst die Deckungen der biedersten Gegner (wie Potsdam) oder der Teams, die gerade nicht gut drauf sind (wie Friesenheim), können sich auf das ziemliche unkreative "Geschiebe" im aufgebauten Angriff nach 15 bis 20 Minuten einstellen. Manndeckung oder Verletzung im Rückraum – schon ist ein Bruch im Spiel, der leider nicht mehr behoben werden kann… Hinzu kommt die verfehlte Personalpolitik: Warum wurde mit Petro der vierte Kreisläufer verpflichtet? Oder wollte Heinz Lieven angesichts von damals 16:2 Punkten ein Zeichen in Richtung "Wir wollen den Aufstieg" setzen? Warum hat man da nicht auf das Tandem Michael Wittig/Alexander Kübler vertraut? Wollte Ratka Petro überhaupt haben? Warum spielt ein erfahrener, slowakischer Nationalspieler so wenig? Vielleicht weil er offensichtlich nicht austrainiert ist? Hätte man das Geld für seinen Vertrag nicht besser gespart, um etwas in der Hinterhand zu haben, wenn auf einer Position etwas passiert, die nur einfach besetzt ist - wie jetzt bei David Breuer?
2. Das Wirtschaftliche
Petro wurde verpflichtet, bevor die Berufsgenossenschaft für Arnaud gezahlt hat. Sind dadurch zusätliche Kosten angefallen? Der in der Pressekonferenz vor Saisonbeginn vorgegebene Zuschauerschnitt von 1.400 pro Heimspiel wurde zwar noch offiziellen Angaben bisher erreicht, doch selbst der DHC-Pressesprecher gibt mittlerweile zu, dass dabei immer aller Dauerkarten mit ausgewiesen wurden, egal ob die Inhaber in der Halle waren oder nicht. Also hier bereits ein erstes Defizit. Hinzu kommen die hartnäckigen Gerüchte, die seit November dahin gehen, dass Heinz Lieven schon wieder (privates) Geld nachschießen musste. Tendenz: Der vorgegebene Etat von 1 Million € wird nicht erreicht. Wer finanziert die Unterdeckung?
3. Sponsorenpflege/Marketing/Öffentlichkeitsarbeit
Vor der Saison wurde aus Kostengründen das Team neben dem Spielfeld rasiert: Aus vier (Thomas Dröge weg, Joachim Kurth weg) mach zwei! Aus dem Marketingassistenten wurde der Marketingleiter, der auch noch den Teammanager und den Co-Trainer geben sollte. Letzteres wurde nach zwei Wochen eingestellt. Warum nur? Was das Marketing angeht, sprechen viele Dormagener Sponsoren nicht nur untereinander nur noch von "dem Schweiger". Wobei zu hören ist, dass es in den vergangenen Wochen besser geworden ist. Kein Wunder, geht es doch um die Wirtschaftlichkeit, die für den Lizenzantrag nachzuweisen ist. Also Abklappern der Geldgeber, um den Etat benennen zu können. Lieber spät, als gar nicht... Aus der Geschäftsstellensekretärin wurde die Marketingassistentin, die ihre vorherigen Aufgaben aber auch noch erledigen muss. Dazu ein ehrenamtlicher Geschäftsführer, der sich in der One-Man-Show offensichtlich immer mehr als völlig überfordert erweist, und ein Pressesprecher, der nur auf Honorarbasis arbeitet. Wieviele Pressemitteilungen hat der DHC veröffentlicht, seitdem vor fast zwei Wochen die ersten Hinweise auf das Lizenzwirrwarr auftauchten? Keine einzige. Statt dessen lügt Heinz Lieven einen freien Mitarbeiter des Schaufensters an, als dieser mit einer entsprechenden Presseanfrage anruft. Statt dessen wird ein Asics-Werbefilm ins Internet gestellt und unter Facebook bittet der Marketingleiter darum, dort nur noch in einer Ecke über den DHC zu diskutieren. Ob das nur auf seinem eigenen Mist gewachsen ist? Oder ist er dort nun nebenberuflich auch noch Admin? Fazit: Provinzielle Strukturen für eine Profi-Sportverein, laienhaftes Vorgehen in vielen, wichtigen Bereichen.
Wenn es schon aktuell nicht gut läuft, wie soll es dann erst in der Handball-Ehe zwischen Dormagen und Düsseldorf werden? Herr Flatten hat seine entsprechenden „Qualitäten“ ja sowohl beim HSV als auch bei der HSG unter Beweis gestellt… Wobei es ja mittlerweile aus verbands- und lizenzrechtlicher Sicht sehr zweifelhaft erscheint, ob die SG DDHC überhaupt so zustande kommt, wie sie am 27. Dezember verkündet wurde. Gestern Abend hat der TSV-Vorstand getagt. Es bleibt mehr als spannend: Der 1. März naht!