Keuchen im Kollektiv
VON ERIK EGGERS, 26.07.07, 21:02h
Bild: Dahmen
Der isländische Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson.
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Gummersbach - Ein Regenschauer ist über den Sportplatz Lochwiese in Gummersbach gezogen, doch es herrscht weiter Betrieb an diesem Nachmittag. Gegenüber der Eugen-Haas-Halle probieren sich Ferienkinder in einem Schnupperkurs an der Leichtathletik, und auf der schmucken Tartanbahn traben ein paar Jugendliche aus dem Handballinternat. Mittendrin drehen die Handball-Profis des VfL Gummersbach ihre Runden, um Kondition zu bolzen für die Ende August beginnende 31. Bundesliga-Saison. Die Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen, kontrolliert VfL-Coach Alfred Gislason am Ende der 400-Meter-Bahn mit zwei Stoppuhren die Zeiten seiner Schützlinge.
„Bisher lief es erstaunlich gut“, sagt der 47-jährige Isländer. Einigen Profis des Champions-League-Teilnehmers steht die nun schon zehn Tage andauernde Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Wie viel sie laufen? „Ungefähr 25 Kilometer am Tag“, berichtet Gislason, stets vorweg: Kapitän Gudjon Valur Sigurdsson. Der isländische Linksaußen besitzt wie immer die besten körperlichen Werte, obwohl er „im Urlaub fast gar nichts gemacht“ hat. Nachdem er mit Island die Qualifikation für das EM-Turnier in Norwegen geschafft hatte, suchte er in der Nähe von Alicante nach Abstand. „Ich musste erst einmal realisieren, was ich geschafft habe in den letzten Jahren“, erklärt der 27-Jährige: Gut Neun Minuten benötigt er jeweils für die sechs Runden. Weit hinter ihm, heftiger keuchend, folgen seine Landsleute, Kreisläufer Robert Gunnarsson und Abwehrspezialist Sverre Jakobsson.
Auch der griechische Nationalspieler Alexis Alvanos hat offenbar aus der Vergangenheit gelernt, er hält sich beachtlich, im Mittelfeld. „Alexis wiegt sechs Kilo weniger“, freut sich Gislason, der Alvanos im Vorjahr noch scharf kritisiert hatte. Am Ende trudeln die Torhüter Goran Stojanovic und Nandor Fazekas ein, dazu der Russe Denis Sacharow mit einem eher unrunden Laufstil; der hünenhafte Linkshänder, der seine Haare neuerdings kurz trägt, ringt nach seinem Kreuzbandriss um Anschluss. Nicht alle Neuzugänge sind fit. Einen guten Eindruck machen der Ex-Magdeburger Oleg Kuleschow, der russische Weltmeister von 1997, der norwegische Halblinke Kenneth Klev (aus Altea) und auch der slowenische Linkshänder Roman Pungartnik (aus Hamburg). Geoffrey Krantz, der aus Montpellier kam, musste dieses Training wegen einer Achillessehnenreizung vorzeitig abbrechen. Gislason macht sich deshalb keine Sorgen: „Das war bei ihm im letzten Jahr nicht anders.“ Bei den Vorbereitungsturnieren, die ab dem 1. August beginnen, werde Krantz mit dabei sein. Die Ziele, die Gislason sich selbst für die nächste Spielzeit steckt, sind außerordentlich ehrgeizig. „Ich will wieder einen Champions-League-Platz erreichen“, sagt der Erfolgstrainer trotz des Verlustes von Weltklassemann Daniel Narcisse.
Dabei hat die Konkurrenz mächtig aufgerüstet. Der Champions-League-Sieger und Deutsche Meister THW Kiel zahlte allein rund 600 000 Euro Ablöse für die Rückraum-Asse Filip Jicha (Lemgo) und Börge Lund (Nordhorn), die der VfL erfolglos umworben hatte. Vizemeister HSV Hamburg zahlt, wie im Fall des Nationaltorhüters Johannes Bitter, teilweise Netto-Gehälter in Höhe von 250 000 Euro. Und auch die aufstrebenden Rhein-Neckar-Löwen, die am 29. August zum ersten Saisonspiel in die Kölnarena kommen, sind in finanzieller Hinsicht an Gummersbach an vorbeigezogen; hier spielen neuerdings die drei deutschen Weltmeister Henning Fritz, Christian Schwarzer und Oliver Roggisch.
„Da können wir nicht mitgehen“, räumt Manager Stefan Hecker ein, der gestern immerhin die Vertragsverlängerung für Torwart Goran Stojanovic, den halblinken Momir Ilic und Rechtsaußen Vedran Zrnic vermelden konnte. Zumal fünf Wochen vor Saisonstart immer noch kein Nachfolger des Premiumsponsors TUI gefunden ist. Aber hier sei man, versichert Hecker, „in guten Gesprächen“.