14.09.2007 - Lübbeckes Last-Minute-Team
Dass der nächste Gegner des VfL in der TOYOTA Handball-Bundesliga im Sommer mit 19 Transfers den Rekord bei den personellen Veränderungen aufstellte, hat einen nachvollziehbaren Grund. Der Tus N-Lübbecke, der die Gummersbacher am Samstag (19 Uhr) in der Kreissporthalle Lübbecke erwartet, musste am Ende der vergangenen Saison in die Relegation, um die Erstligazughörigkeit zu erhalten. Nach zwei Spielen gegen den TSV Bayer Dormagen war die Freude über den Klassenerhalt zwar groß, der späte Termin sorgte aber für ein neues Problem. "Am 13. Juni wussten wir erst, wo wir spielen", sagt Pressesprecher Markus Ernst. Statt kontinuierlicher Planung war totale Unsicherheit angesagt, da auch viele Verträge ausgelaufen waren. Rolf Herrmann hatte ein Jahr zuvor beim TBV Lemgo unterschrieben, Stian Tönnessen zog es früh zum SC Magdeburg, und auch Patrick Fölser war schon mit der HSG Düsseldorf handelseinig geworden. "Dieses Trio war die Achse, die in erster Linie bei uns für die Tore verantwortlich war", erklärt Markus Ernst die schwierige Situation, anschließend auf dem abgegrasten Spielermarkt Ersatz zu finden.
Statt einer noch unübersichtlicheren Auswahl aus aller Herren Länder legte Trainer Velimir Kljaic Wert auf die Vorgabe, dass die Sprachprobleme des neuen Aufgebotes im Rahmen blieben. Und so bemühte sich der Klub, die Kommunikation der Neuen im Team auf Deutsch und Kroatisch zu beschränken. Torwart Nikola Blazicko zum Beispiel, kam zwar aus Frankreich von Paris Handball, hat aber 118 Länderspiele für Kroatien absolviert. Der serbische Rückraumspieler Dusan Tomic spielte zuletzt im italienischen Triest, hat aber mit serbo-kroatisch auch kein Verständigungsproblem mit dem Kroaten Kljaic. Das gilt auch für die Entdeckung des Jahres: Sergo Datukashvili machte schon einige Jahre im serbischen Sabac Station, bevor er vom schwedischen Club Ystad IFK den Weg nach Westfalen fand. Der Georgier ist allerdings kein unbeschriebenes Blatt, er absolvierte zum Beispiel auch schon ein Probetraining beim THW Kiel.
Inzwischen ist Datukashvili in jedem Spiel der Top-Shooter des TuS N-Lübbecke, in Nordhorn versenkte der Rechtshänder sogar 15 Bälle aus dem linken Rückraum im Netz. Für internationale Erfahrung im 15-er Kader sorgen neben den beiden Isländern Birkir Gudmundsson (Torwart) und Thorir Olafsson (Rechtsaußen) vor allem der Serbe Branko Kokir (95 LS), der Kroate Josip Cale (25 LS) oder der Niederländer Tim Remer (47 LS) auf Linksaußen.
"Die Vorbereitung verlief mit Höhen und Tiefen", so Markus Ernst, bemerkenswert seien vor allem die Siege gegen den TBV Lemgo und MT Melsungen gewesen, die Niederlagen gegen die HSG Düsseldorf oder den Wilhelsmhavener HV zeugten dagegen davon, dass der Integrationsprozess bei den vielen Veränderungen noch einige Zeit in Anspruch nehme. Die Meisterschaft begann mit zwei eingeplanten Niederlagen gegen die SG Flensburg und die HSG Nordhorn, bei denen der TuS jeweils vierzig Minuten keine schlechte Figur machte. Nach dem verschenkten Punkt gegen den Wilhelsmhavener HV erlebte Velimir Klajic allerdings am vergangenen Mittwoch seinen Tiefpunkt mit dem 36:20-Debakel bei Frisch Auf Göppingen.
Das Statement von VfL-Trainer Alfred Gislason:
Beim Sieg in Wilhelmshaven war für mich vor allem das Auftreten der Mannschaft eine wichtige positive Erkenntnis, die für die Zukunft noch einiges erwarten lässt. Der Zusammenhalt während des Spiels war wirklich hervorragend. Wir haben gezeigt, dass wir eine echte Mannschaft sind.
Auf uns wartet in Lübbecke natürlich eine schwierige Aufgabe, denn auch Velko Kljaic ist in keiner einfachen Situation. Er hat aber viel Erfahrung und hat auch eine gute Nase bewiesen bei den neuen Spielern. Vor allem der Georgier Sergo Datukashvili hat eingeschlagen, auf den müssen wir besonders aufpassen. Georgier spielen im Übrigen auch in Island. Ich weiß, dass sie die alte russische Handballschule durchlaufen haben und Handball auf dem höchsten Niveau spielen können. Es gibt aber noch andere sehr erfahrene Spieler im Aufgebot, das natürlich noch zusammenwachsen muss. Die Isländer Gudmundsson und Olafsson kenne ich natürlich, das sind gute Leute. Branco Kokir, Josip Cale und auch der Tscheche Jakub Szymanski bürgen im Rückraum für Erstligaqualität, genau wie der Kroate Blazicko im Tor.
Es wird kein Spaziergang für uns, denn nach vier Spielen ohne Sieg ist Lübbecke ohne Zweifel hoch motiviert und wird bis zum Umfallen kämpfen. Es ist doch klar, dass sie ihre Punkte zum Klassenerhalt vor allem zu Hause holen wollen. Wir müssen kämpferisch dagegen halten und alles geben, sonst geht es schief. Ich erwarte eine offensive Deckung, darauf müssen wir mit beweglichem Spiel vorbereitet sein.
Vedran Zrnic trainiert noch nicht. Er sitzt aber wieder auf der Bank, um die Siebenmeter zu werfen. Mit Denis Zakharov rechne ich Mitte oder Ende Oktober, er kann uns sicher bei den Problemen im Rückraum noch langfristig helfen. Mit diesen beiden zusätzlichen Alternativen sieht es bei uns dann sicher anders aus.