Michael Spatz:
ZitatAlles anzeigen08.11.2007
Michael Spatz im Interview
Michael Spatz im Interview
Michael Spatz hat noch viel vorNeuer Club und jetzt mit Blick Richtung Nationalmannschaft: Michael Spatz gilt als einer der Hoffnungsträger auf der Rechtsaußen-Position. Der 25-Jährige wechselte im Juli zum TV Grosswallstadt, einem Verein, der schon vielen Spielern den Weg zur Nationalmannschaft ebnete.
Annika Breutmann von der handballfactory.com sprach mit Spatz über seinen Verein, seine gerade überstandene Verletzung, die Perspektiven mit dem TVG und seine Ambitionen hinsichtlich der Nationalmannschaft.
Michael, nach drei Jahren beim VfL Gummersbach hat es dich wieder etwas näher an deine Heimat verschlagen. Fühlst du dich wohl beim TV Grosswallstadt?
Michael Spatz: Ja, ich fühle mich auf jeden Fall beim TV Grosswallstadt sehr wohl. Die ganze Mannschaft und das gesamte Umfeld haben es mir sehr leicht gemacht, mich in der neuen Umgebung und im Verein schnell zurecht zu finden. Auch mein neues Zuhause in Aschaffenburg gefällt mir richtig gut und die Nähe zur Heimat, zu meiner Familie, meiner Freundin und den Freunden, ist optimal.
Click here to find out more!Wie unterscheiden sich beide Clubs?
In Grosswallstadt ist alles viel familiärer. Man kennt jeden hier und jeder weiß, was er zu tun hat. Auch die Hallen sind sehr unterschiedlich. Im Vergleich zur Kölnarena ist die Frankenstolz Arena in Aschaffenburg sehr klein, aber wenn hier die Fans in Fahrt kommen, ist die Stimmung einfach Wahnsinn. Und auch in der Zusammensetzung der Mannschaft gibt es große Unterschiede. Hier in Grosswallstadt ist die Mannschaft optimal zusammengestellt. Wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, die sich alle top verstehen.
Der Einstieg war denkbar ungünstig: Du hattest ja mit einer langwierigen Handverletzung zu kämpfen. Seit drei Wochen bist du nun wieder dabei. Wie fühlst du dich?
Es war keine schöne Zeit, immer nur Lauftraining ohne Ball durchzuführen. Ich habe dann auch Eigeninitiative ergriffen und an meiner Grundschnelligkeit bei Global Speed in Mannheim gearbeitet. Das war eine schöne Abwechslung und hat mich weitergebracht. Seit ungefähr zwei Wochen bin ich komplett schmerzfrei und meine Leistung steigt stetig an. Der Knoten scheint dann im Spiel gegen Nettelstedt geplatzt zu sein und ich fühle mich wieder top. Auch das letzte Pokalspiel gegen den Zweitligisten TV Emsdetten, bei dem ich 12 Treffer erzielen konnte, hat gezeigt, dass die Formkurve weiter nach oben geht.
Warum der Schritt vom Champions League-Teilnehmer zum EHF Cup-Teilnehmer?
Es war eine schwierige Situation. Ich wollte bei Gummersbach nach zwei Spielzeiten, in denen ich immer gespielt habe, weiter Stammspieler bleiben, hatte dabei aber leider nicht die komplette Unterstützung des Trainers. Mein Ziel ist immer die Nationalmannschaft gewesen, aber um sich dafür zu qualifizieren, muss man eben Stammspieler sein. Bei Michael Roth und dem TVG habe ich das Gefühl, dass man mich dort so unterstützen wird, dass ich mit dem Verein erfolgreich sein und darüber hinaus mich auch für die Nationalmannschaft empfehle.
Der TVG diente schon einigen Spielern als Sprungbrett in die Nationalmannschaft. Wie schätzt du deine Perspektiven ein?
Michael Spatz: Ich war ja schon im Kader und beim Sommerlehrgang dabei. Dann war ich leider länger verletzt. Ich hoffe natürlich, dass ich wieder in den Kader der Nationalmannschaft aufgenommen werde. Wie für den Verein werde ich mich auch dafür zerreißen. Es ist nicht nur eine große Ehre für Deutschland zu spielen, sondern auch eine wahnsinnige Chance und Herausforderung. Aber neben guter Leistung im Verein, braucht man da auch ein Quäntchen Glück. Ich denke aber trotzdem, dass ich mich in dieser Saison mit guten Leistungen bei einem guten Bundesligisten noch einmal empfehlen kann.
Warum, meinst du, wäre es eine kluge Entscheidung des Bundestrainers, dich in den Kader der Nationalmannschaft aufzunehmen?
Naja, ich würde die Entscheidungen des Bundestrainers in solchen Fragen grundsätzlich nicht anzweifeln, sondern mich einfach auf die neue Situation einstellen (grinst).
Wie denkst du über die Situation der hohen Belastung der Spieler der Bundesliga, die international vertreten sind? Wo liegt die Grenze der Belastung?
Das ist natürlich eine ernste Situation, die nicht so einfach zu lösen ist. Gerade für die Spieler, die in europäischen Wettbewerben mit ihren Vereinen auftreten und zusätzlich noch bei der Nationalmannschaft sind. Bei diesen Spielern ist die Belastung zu hoch. Wir jungen Spieler spüren das vielleicht noch nicht so. Aber man hat kaum noch eine Pause zur Regeneration. Das Risiko sich zu verletzen, ist natürlich wesentlich größer. Ich denke aber, dass sich da auf die Schnelle nicht viel ändern wird und die Spieler weiter mit einem sehr vollen Terminkalender zurecht kommen müssen.
Kurz zur Zukunft. Macht man sich in deiner Situation auch schon Gedanken wie es nach der Sportlerkarriere weitergehen soll?
Man sollte, gerade als Sportler, immer auch für die Zukunft planen. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem man als Profisportler nicht mehr weiter machen kann. Um mich darauf einzustellen, habe ich immer geschaut, auch etwas Sinnvolles neben dem Handballsport zu machen. Deshalb studiere ich noch Diplomsportwissenschaft. Ich will mir neben dem Handball ein zweites Standbein aufbauen.
Was ist denn dein Traumberuf nach Handballprofi?
Michael Spatz: Ich könnte mir schon sehr gut vorstellen, nach der Profikarriere bei einem Sportartikelhersteller zu arbeiten. Oder ins Vereinsmanagement, das wäre natürlich auch eine schöne Aussicht. Aber ich hoffe, ich habe noch ein paar Jahre als Spieler vor mir.
Also ein Leben ohne Handball scheint für dich nicht in Frage zu kommen?
Nein, das ist ganz unmöglich (lacht). Schon mein Vater ist Handballer und hat unter anderem zwei Jahre Bundesliga in Birkenau gespielt. Handball war für mich von klein auf immer eine Leidenschaft. Ohne Handball würde mir einfach was fehlen.
Aber es gibt doch auch Momente, in denen du den Handball zu Seite legst?
Michael Spatz: Ja klar. Die Zeit neben dem Handball verbringe ich natürlich, wenn es geht, mit meiner Freundin. Das Studium kostet auch Zeit. Aber ab und zu will man manchmal nur fernsehen, im Internet surfen, Fußball spielen, oder auch gerne mal richtig ausschlafen (lacht).
Welche Erwartungen hast du an deine neue Spielsaison beim TVG?
Ich hoffe einfach, dass wir als Team gut funktionieren und für mich, dass ich viel dazu lernen kann und viel Spielpraxis erhalte. Unser Ziel ist es, im Europapokal sehr weit zu kommen und uns für die nächste Saison wieder für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Vielleicht schaffen wir es auch ins Final Four des DHB-Pokals.