07.03.2008 - TOYOTA Handball-Bundesliga – 25. Spieltag: THW Kiel – VfL Gummersbach
Neben den körperlichen werden in den nächsten Tagen von den Handballern des VfL nach dem spektakulären 30:25-Sieg in der Champions League gegen Montpellier vor allem mentale Höchstleistungen erwartet, denn innerhalb von einer Woche spielen die Gummersbacher gegen drei der besten Mannschaften der Welt. Am Sonntag ist der THW Kiel Gastgeber (15 Uhr, live bei HBL.tv), das ist der Tabellenführer der TOYOTA Handball-Bundesliga, der aktuelle Deutsche Pokalsieger und Meister sowie der letzte Gewinner der Königsklasse. Nach dem Kölnarena-Hit gegen den HSV Hamburg (Vizemeister 2007, Sieger des Europapokals der Pokalsieger 2007 und derzeit Tabellendritter) am kommenden Mittwoch geht die Reise zum Ende der Woche nach Spanien, wo bekanntlich das entscheidende Duell am letzten Spieltag der Hauptrunde gegen Ciudad Real um die Qualifikation für das Halbfinale der Champions League angesetzt ist.
Aber auch der THW Kiel konnte sich in den vergangenen Tagen nicht auf die faule Haut legen. Rund 9500 Kilometer und die damit verbundenen Reisestrapazen hatte das Team von Noka Serdarusic innerhalb einer Woche in den Knochen, bevor es am Donnerstag sein CL-Spiel gegen US Ivry bestritt. In Leon, Moskau und Wilhelmshaven gab es für die erfolgsverwöhnten Titelträger der letzten drei Jahre aber nicht immer etwas zu feiern. Bei Ademar Leon kassierte Kiel die erste CL-Niederlage, dann folgten allerdings die Siege gegen Medvedi Moskau und beim Wilhelmshavener HV. In der Nordfrost-Arena versuchte im Übrigen Noka Serdarusic seinen Leistungsträger Nikola Karabatic zu schonen. Doch das Rückraumtrio Lund/Lövgren/Jicha funktionierte gegen den WHV nicht optimal, nach 32 Minuten führte der THW mit seiner 1-B-Besetzung nur mit 13:14. Am Ende war es bekanntlich ein klarer Sieg. Die Statistik des 27:37 verdeutlicht allein und für jeden offensichtlich die hohe homogene Qualität des Kaders aus dreizehn internationalen Topspielern und drei Talenten, in dem es schlichtweg für einen Gegner fatal wäre, sich in der taktischen Analyse nur auf einen oder zwei Spieler zu konzentrieren. Filip Jicha, Hendrik Lundström, Vid Kavticnik und Stefan Lövgren steuerten an diesem Tag je vier Tore bei, Marcus Ahlm und Kim Andersson jeweils fünf. Allerdings sorgt die hohe Belastung auch für Arbeit beim Mannschaftsarzt. Beide Torleute sind nicht völlig gesund: Mattias Andersson verletzte sich in Moskau am Knöchel und Thierry Omeyer, der zuletzt nur bei Siebenmetern eingesetzt wurde, plagt ein malades Knie. Dazu klagt Rückraum-Shooter Kim Andersson über eine Knochenhautreizung, Kreisläufer Marcus Ahlm kugelte sich zwischenzeitlich den Ringfinger an der Wurfhand aus. Interessant ist auch, dass der künftige Gummersbacher Viktor Szilagy trotz der Probleme nicht mehr gebraucht und nicht mehr eingesetzt wird, obwohl er bei seinem letzten Auftritt in Mannheim gegen die Rhein-Neckar Löwen in der zweiten Hälfte mit vier Toren einen bemerkenswerten Auftritt hatte.
Das Statement von VfL-Trainer Alfred Gislason:
"Wir haben vor diesem Spiel doch eine schöne Rolle. Meister können wir nicht mehr werden, aber dafür steht der THW in seinem Heimspiel total unter Druck, denn im Kampf um den Titel kann man sich zuhause keinen einzigen Punktverlust erlauben. Wir sind Außenseiter und wollen nur ein vernünftiges Spiel abliefern und schauen mal, was am Ende dabei herauskommt.
Wir können diese Aufgabe selbstbewusst angehen, denn in den letzten beiden Spielen hat unsere Abwehr wirklich gut gestanden und auch die Torhüter haben ihre Leistung gebracht. Dazu hat sich Momir Ilic in Velenje aus seinem Loch selbst befreit und gegen Montpellier in der Abwehr und im Angriff bewiesen, dass er seine Formkrise überwunden hat. Er hat gut gedeckt und war vorne wieder torgefährlich, das hat der Mannschaft sehr geholfen. Wie auch die Rückkehr von Oleg Kuleshov in diesen beiden Spielen.
Über Kiels Stärken gibt es nichts Neues zu berichten, die defensive 6-0-Deckung muss man erst mal knacken. Und auf die schnelle Mitte müssen wir uns natürlich auch einstellen, einen Doppelwechsel der Spezialisten wie wir ihn gegen Montpellier praktiziert haben, kann man sich gegen diese Mannschaft nicht leisten."