Die Handball-Bundesliga (HBL) ist Nachfolger der HBVM
Essen/München - Handball-Bundesliga (HBL) gegen TUSEM Essen - so heißt das Duell am nächsten Donnerstag (23. Juni) vor dem Landgericht Dortmund. Vor einem Zivilgericht will der Europapokalsieger die Lizenz für die nächste Saison erstreiten.
Doch es geht dann nicht nur um den TUSEM.
Die Zukunft der HBL, genauer die Zukunft des "Herzstücks" der "stärksten Liga der Welt", die Zukunft des Lizenzierungsverfahrens steht auf dem Spiel.
"Das ganze Lizenzierungsverfahren steht auf dem Prüfstand!", gibt Andreas Thiel, ehemaliger Weltklasse-Torwart und jetzt Rechtsbeistand des Ligaverbands gegenüber Sport1.de unumwunden zu.
Essen ohne Lizenz
Die Situation: Die HBL hat dem TUSEM in zwei Instanzen die Lizenz für die nächste Saison verweigert. Den Grund nennt Thiel. "Uns liegen noch immer keine prüfbaren Unterlagen vor."
Die wirtschaftlichen Daten, zu denen unter anderem der Jahresabschluss sowie eine Vermögensaufstellung gehören, müssen von Wirtschaftsprüfern testiert werden. Bei den Akten des TUSEM ist dies nicht der Fall. Lediglich Manager Klaus Schorn soll die Unterlagen unterschrieben haben.
Ein klarer Verstoß gegen die Vorschriften. Sollte der TUSEM dennoch vor dem Landgericht Dortmund seine einstweilige Verfügung durchbekommen und damit für den Spielbetrieb zugelassen werden, wird das gesamte Lizenzierungsverfahren ad absurdum geführt.
Zukunft in Gefahr
Die Tragweite eine solchen Entscheidung ist nicht absehbar. Sinn der Lizenzierung ist es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Klubs zu prüfen und damit den Spielbetrieb der Liga zu sichern. Kippt die Lizenzierung, kann jeder Verein auch ohne wirtschaftlich abgesicherte Daten die Lizenz erhalten und irgendwelche Fantasiesummen verbuchen!
Die ohnehin recht wackelige wirtschaftliche Stabilität der Liga wäre nicht mehr gesichert. Die Zukunft der Liga damit in Gefahr.
Das mag sich Thiel erst gar nicht ausmalen. Der Kölner Anwalt sagt entschlossen: "In diesem Jahr wurde erstmals Konsequenz bewiesen. Wir haben uns an den Wortlaut der von der Mitgliederversammlung der HBL beschlossenen Richtlinien gehalten."
"Die richtige Entscheidung"
Der HBL sei bewusst gewesen, dass es gegebenenfalls zu einer gerichtlichen Überprüfung ihrer Richtlinien kommt. "Ob die Regelungen standhaft sind, wird man nun sehen", sagt Thiel. "Wie heißt es so schön. Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand. Wir müssen abwarten."
Dennoch ist Thiel optimistisch. "Wir haben anhand der Regelungen formell und materiell die einzig richtige Entscheidung getroffen."
Sollte das das Landgericht anders sehen, wird der Instanzenweg fortgeschritten. Thiel kündigt bei Sport1.de bereits an: "Dann geht die HBL vor dem Oberlandesgericht Hamm in die Berufung."
Michael Schwartz
Sport1