Alles deutet auf Jochen Kienbaum hin, aber beim VfL Gummersbach ist noch vieles unklar
(bv/9.1.2007-13:30) Von Bernd Vorländer
Gummersbach – Entscheidungen über die Besetzung des Aufsichtsrates und neue Konzepte sollen in den nächsten Wochen fallen.
Allmählich kehrt wieder Geschäftigkeit in der Führungsetage des VfL Gummersbach ein, nachdem der designierte neue Chef des Aufsichtsrates, Jochen Kienbaum, aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Kienbaum wie auch Aufsichtsratsmitglied Gerd Rosendahl basteln derzeit an einem Konzept für die „Nach-Krämer-Zeit“. Bekanntlich war der frühere VfL-Macher in der vorigen Woche überraschend von seinem Amt zurückgetreten. Und natürlich stellen sich viele VfL-Fans die Frage, ob die vom Ex-Chef der Kreissparkasse Köln geworbenen Groß-Sponsoren und Gönner auch künftig noch bei der Stange bleiben. Bei dem Reise-Multi TUI ist dies eher zweifelhaft.
[Bilder: Archiv --- Jochen Kienbaum.]
Viele Fragen also, die es in den kommenden Wochen ebenso zu beantworten gilt wie man auch Ausschau nach neuen Geldquellen halten muss. Jochen Kienbaum kann da bereits einen ersten Erfolg vermelden. Hartmut Lademacher ist Chef des international agierenden Software-Riesen LHS-Group und war bereits einmal vor sieben Jahr an Bord des VfL-Sponsoren-Pools, beendete jedoch sein Engagement aufgrund der finanziellen Wirren des damals hoch verschuldeten Traditionsvereins.
Noch ist unklar, in welcher endgültigen personellen Aufstellung der VfL die nächsten Jahre angeht, doch zeichnet sich bereits ab, welchen Einfluss künftig die Entscheidungsträger auf der Kommandobrücke haben werden. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Gefährdungen für die VfL-Macher.
Jochen Kienbaum: Der 60-jährige Chef der Gummersbacher Unternehmensberatung wird mit ziemlicher Sicherheit neuer Aufsichtsratchef. Mit Hartmut Lademacher als Geldgeber im Schlepptau hat er ein starkes Pfund im Gepäck, mit dem sich wuchern lässt. Kienbaum kennt den VfL und das Innenleben des Vereins sehr gut.
[Hans-Peter Krämer]
Schon einmal hat er mitgeholfen, seinen Verein vor dem Konkurs zu retten. Maßgeblich war er daran beteiligt, das Handball-Internat ins Leben zu rufen, und er ist bis heute einer der größten Förderer. Seine Aufgabe wird sein, zum einen die Bodenständigkeit des VfL zu erhalten, gleichzeitig den Verein jedoch wie ein auf internationalem Terrain tätiges, mittelständisches Unternehmen zu führen. In diesem Zusammenhang wird von ihm auch eine Entscheidung darüber gefällt werden müssen, in welchem Umfang der VfL künftig seine Heimspiele in der Kölnarena austrägt, und ob in Gummersbach eine neue Halle entsteht.
Klar ist, dass die Euphorie um den VfL auch mit den Auftritten in der Domstadt zusammenhängt. Fraglich ist, ob sich Kienbaum von den Einflüsterungen alteingesessener Gummersbacher lösen kann, die die Blau-Weißen am liebsten ausschließlich in der Kreisstadt spielen sehen möchten, und für die der VfL immer noch der Verein der siebziger und achtziger Jahre ist.
Hans-Peter Krämer: Will nach seiner Demission als Aufsichtsratschef „normales“ Mitglied im Aufsichtsrat bleiben, um die von ihm geworbenen Sponsoren weiter zu betreuen. Ob allerdings das beschädigte Verhältnis zu Kienbaum repariert werden kann, ist eher unwahrscheinlich. In der Vergangenheit bestanden tiefe Meinungsunterschiede darin, welche Entwicklung der VfL nehmen sollte. Hier liegt erhebliches Konfliktpotenzial.
[Francois-Xavier Houlet]
Gerd Rosendahl: Ist ein intimer Kenner des VfL, den er als Spieler wie als Offizieller erlebt hat. Musste in der Vergangenheit zwischen den beiden Streithähnen Krämer und Kienbaum vermitteln.
Hätte auch Interesse am Aufsichtsratsvorsitz gehabt, muss sich jedoch als Geschäftsführer der angeschlagenen ISE-Gruppe um den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Stabilisierung der Firma mit Stammsitz in Bergneustadt kümmern.
Stefan Hecker: Der ehemalige Weltklasse-Keeper macht nach seiner aktiven Zeit und einer Eingewöhnungszeit als Geschäftsführer inzwischen einen Klasse-Job. Binnen kurzer Zeit hat er die Zahl der Business-Partner des VfL erheblich ausgeweitet und dem Verein in der mittelständischen Wirtschaft zu einem Standbein, aber auch zu neuem Ansehen verholfen. Auch bei der Reaktivierung von Sponsor Lademacher war Hecker maßgeblich beteiligt.
[Stefan Hecker]
Über 140 Mittelständler unterstützen derzeit den VfL – eine Rekordzahl. Außerdem kennt sich Hecker nach wie vor in der Handball-Szene hervorragend aus und zehrt in seiner Tätigkeit von diesen Kontakten. Derzeit ist Hecker aus der VfL-Führungsetage nicht wegzudenken.
Francois-Xavier Houlet: Nach seiner langen Verletzung hat der 36-Jährige in den Spielen vor der WM-Pause gezeigt, wie wichtig er noch für die Mannschaft ist. Doch im Sommer ist unwiderruflich Schluss mit der aktiven Zeit als Leistungssportler. Houlet wechselt dann als Sportdirektor ins Management.
Der Franzose, der bereits seit 1999 in Diensten des VfL steht, muss allerdings recht schnell beweisen, dass er mit Geschick und in Zusammenarbeit mit Coach Alfred Gislason personell den VfL auf Spitzenniveau halten kann. Neben internationalen Spitzenkräften gilt es auch, Spieler des Internats in das Bundesliga-Team zu integrieren, wie es etwa in Magdeburg seit Jahren geschieht. Dieser Schritt ist in Gummersbach seit zwei Jahrzehnten verschlafen worden.