Wenn man etwas ändern will, fände ich das Modell einer 12er-Liga mit einem regulären Durchlauf und anschließender Trennung in eine Meister/Europapokal- und eine Abstiegsrunde am interessantesten. Ungefähr so, wie es die 2. Fussball-Bundesliga im Jahr nach der Wiedervereinigung gemacht hat. Das Leistungsgefälle wäre nicht so hoch, weil die besagte Konzentration auf die 12 Vereine auftritt. In der Vorrunde spielt jeder gegen jeden. Ein klarer Vorteil gegenüber den Modellen von Paule, wo bspw. ein Viertel der Liga (die Nicht-Play-Off-Teilnehmer der anderen Staffel) den THW nie zu sehen bekommt. Oder wer auch immer gerade der Zuschauermagnet ist.
In den Finalrunden wäre dann auch noch für Spannung gesorgt, da nur noch die Mannschaften mit ähnlichem Niveau gegeneinander spielen. Auch die sportliche Komponente, daß keine Schwäche in den Play-Offs eine konstante vorherige Saisonleistung ruiniert, wäre hier besser berücksichtgt, als im Play-Off-System, da die Punkte aus der Vorrunde mit in die Hauptrunden genommen werden. Ganz nebenbei würden die Terminkalender geringfügig entlastet, da nur noch 32 anstatt 34 Spieltage stattfinden (22 in der Vorrunde + 10 in der jeweiligen Hauptrunde).
Einzige Verzerrung könnte ein Ergebnis wie in der Nordstaffel der 2. Liga aus dem obigen Link sein, daß die Mannschaften im oberen Teil der Abstiegsrunde mehr Punkte haben, als die letzten der Meisterrunde, weil andere Gegner gespielt haben. Solange davon aber nicht die EC-Qualifikation abhängt, wohl sicherlich ein verschmerzbarer Faktor.
Ich hab am Status quo allerdings auch nicht viel auszusetzen. Ich finde die Liga durchaus spannend, Abstieg und EC-Qualifikation sind hart umkämpft. Und die Meisterschaft ist nicht selten erst am letzten Spieltag entschieden worden. Ausreißer nach oben (THW in der letzten Saison oder vor drei Jahren) oder unten (Hildesheim, Essen, etc.) wird es immer geben, aber deswegen muß das System nicht schlecht sein. In Erinnerung sollte man vielleicht nochmal rufen, daß die letzte Nicht-Meisterschaft des THW gerade mal ein gutes Jahr her ist.
Und nur weil es oft der THW am Ende geworden ist, mag dem einen oder anderen die Liga langweilig erscheinen, aber eine Anerkennung der Leistung von Mannschaft und Umfeld wäre auch eine gute Alternative. Der Übergang zwischen einem objektiven langweilig-finden und Gequäke, weil man es dem THW nicht gönnt, sind da nämlich fließend.
Die Regeln ändern, um die Dominanz eines Teilnehmers zu brechen, kann auch abenteuerlich werden. Ich erinnere mich noch an Bernie Ecclestone, der aufgrund der Siegesserie eines gewissen Michael Schumacher die Punkteverteilung dahingehend verändert hat, daß die Differenz zwischen Platz 1+2 verschwindend gering wurde. Als dies in den Folgejahren dazu geführt hat, daß ein Zweitplatzierter in einem Rennen am Schluß eher auf eine Attacke auf den Spitzenreiter verzichtet hat, weil das Risiko eines Ausfalls den Nutzen der möglichen hinzu zu gewinnenden Punkte überstiegen hat, wurde es an anderer Stelle langweilig, so daß man den Modus erneut verändert hat. Und eine ständige Veränderung des Modus', je nach Wettbewerbslage, da sind wir uns wohl fast alle einig, ist nicht der richtige Weg.