Ich habe lange Außen gespielt und begrüße diese Richtung.
Zu meinen aktiven Zeiten und in meiner Spielklasse war das Spiel nicht so schnell wie heute. Aber wenn man als Flügelspieler abspringt und einen Wurf macht (auf den man sich aufgrund des in der Regel schweren Winkels) konzentriert, reicht ein „Stupser“, eine Hand am Arm oder ein Schritt mit folgendem Körperkontakt, um Dich völlig zu erwischen. Das sind hochkomplexe Bewegungsabläufe, und einen Rückraumspieler darf man auch nicht „richtig“ von der Seite angehen.
Ich bin da eher beim Threadersteller. Wir sollten die Abwehr nicht opfern, nur um noch schönere, spektakulärere Tore zu sehen. Es gibt beim Sport auch so etwas wie Eigenverantwortung. Immer nur auf die vermeintliche Gefährlichkeit der Aktion hinzuweisen, ist eine Art Totschlagargument geworden.
Was du beschreibst, nämlich den Wurf aus einer Situation, die keinen Kontakt zum Abwehrspieler erlaubt, ist für mich halt "Mission Impossible". Man will etwas, was eigentlich nicht geht.
Es völlig in Ordnung und notwendig, Fouls zu sanktionieren. Aber wie oben geschildert, verschiebt sich die Grenze anscheinend immer mehr in Richtung "Narrenfreiheit für den Angreifer". Zumindest bei den Außen. Beim klassischen Stürmerfoul über die Mitte oder die Halben sehen wir oft genug, dass die Abwehrspieler noch in der Bewegung sind und aktiv in den Weg des Angreifers gehen. Trotzdem wird da im Zweifel eher für den Abwehrspieler entschieden. Bei den Außen dagegen sieht man (gefühlt) immer öfter, dass die Abwehrspieler stehen, bevor es zum Kontakt kommt, und trotzdem wird gegen den Abwehrspieler entschieden. Dabei geben die Regeln keinerlei Auskunft, wie lange der Abwehrspieler schon stehen muss. 10 Sekunden, 1 Sekunde, 0,1 Sekunde - welcher Zeitraum ist zulässig, bevor aus einer zulässigen passiven Handlung (der Abwehrspieler steht da) eine unzulässige (der Abwehrspieler läuft in den Außen) wird? Und wo sollte man die Grenze zwischen Kreisläufer und Außen ziehen? Wenn ein Außen freien Weg hat und mit 3x Dribbeln irgendwo Richtung Kreismitte ankommt, dann kann man doch nicht mehr von einem Außen reden, oder?
Vor einigen Jahren wurde ja bereits das Herauslaufen des Torhüters stark eingeschränkt. Ich weiß, dass die Mehrheit hier im Forum das unterstützt. Ich bin aber nach wie vor der Ansicht, dass da Zwei dazu gehören. Früher wusste der Angreifer, dass da noch ein Torhüter kommen kann. Wer dann trotzdem über Meter im vollen Tempo rückwärts lief, hat meiner Meinung nach einen Zusammenstoß genauso billigend in Kauf genommen. Wenn ich im Straßenverkehr ohne Spiegel rückwärts fahre - wie würde das ein Gericht beurteilen? Aber da sind wir wieder beim Punkt: Was soll der Angreifer gefahrlos machen dürfen? Gegenstöße sind spektakulär - also werden die Angreifer besonders geschützt.
Kleine Nebenbemerkung: Wenn ich als Torwart außerhalb des Kreises völlig passiv stehe und der Angreifer rennt rückwärts in mich rein, müsste auf Stürmerfoul entschieden werden. Trotz der Tatsache, dass der Angreifer sich dabei verletzen kann. Aber ich kenne keinen Torwart, der dieses Risiko eingeht. Die Gefahr, trotzdem vom Platz gestellt zu werden, ist einfach zu groß.