Beiträge von immerweiter

    Dass ein Trainer angesichts der bisherigen Bilanz zur Disposition steht, ist ja nun nicht ungewöhnlich. Gross hat sich mit einigen Entscheidungen und öffentlichen Aussagen auch angreifbar gemacht. Erstaunlich (oder besser: erschütternd) sind allerdings die Begleitumstände dieser Entlassung.

    1. Zehn Tage nach der letzten Niederlage.
    2. Drei Tage nach dem letzten öffentlichen Treueschwur.
    3. Mit üblem verbalem Nachtreten von Manager Bobic.
    4. Mit stillosen Aussagen des neuen Trainers.
    5. Mit einer Kindheit in VfB-Bettwäsche als herausragende Qualifikation für den Trainerposten.
    5. Mit peinlichen Rechtfertigungsversuchen von Präsident Staudt.

    Jeder blamiert sich offenbar so gut er kann. Zu den bekannten Problemzonen Vorstand und Aufsichtsrat, genauer dem dort fehlenden Fußballsachverstand, gesellen sich jetzt noch charakterliche Schwächen bei Manager und Trainer und eine Außendarstellung, die direkt von den Stuttgart-21-Machern abgeschaut wurde.
    Man hat´s derzeit nicht leicht als Schwabe...

    Erstaunlich, dass hier offenbar kein Beitrag dümmlich genug sein kann, um nicht ernsthafte Reaktionen zu provozieren. Eine Wiege steht hier oder dort, aber nicht eher irgendwo auf der Welt. Die Frage, ob ein Verein ein ganz oder überwiegend "rein" deutsches Team an den Start bringt, ist keine politische oder gar rassistische, sondern Resultat eines Marketing-Konzeptes. Sehr wohl rassistisch ist es aber, allein die Hautfarbe von Nationalspielern als Grund für deren Berufung zu unterstellen. Dass dieses halbgare Geschwalle auch handballerisch wenig fundiert ist, hat Steinar dankenswerter Weise anhand des genannten Beispieles Lemgo-Wetzlar nachgewiesen.

    Sorry, die Frage, wie erfolgversprechend die Beschränkung auf deutsche Spieler ist und wem sie eventuell nützen könnte, kann man gerne diskutieren. Aber das ist deutlich zu viel der Ehre für dieses Ausgangsposting.

    Tja Steinar, dein leichter Hang zum Zynismus ist halt nicht jedermanns Sache. Während manche deiner Beiträge streng nach Besserwisserei riechen, ;)
    hast du hiermit in meinen Augen völlig recht:

    Zitat

    Aber Roggisch und seine Spielweise sind doch nur das Ergebnis. Daran haben die Trainer in Schutterwald, Göppingen, Essen, Magdeburg, bei den Löwen und in der Nationalmannschaft auch hingearbeitet. [...] Roggisch weiß, dass er bei einer solchen Aktion mit zwei Minuten davon kommt. Deshalb macht er es. Wenn er ernsthaft Rot + Bericht riskieren müsste, würde er es vermutlich auch nicht machen.

    In jeder zweiten Kreisligamannschaft findest du den Spieler, der seinen Ruf als "warrior" kultiviert und offen erklärt, dass es an den Schiedsrichtern liegt, was sie durchgehen lassen und was nicht. Das vorsätzliche Verletzen des Gegenspielers ist dabei nicht Programm, wird aber als Kollateralschaden schon mal in Kauf genommen. Wer da jetzt allzu scharfe Trennungslinien zwischen einzelnen Spielern zieht, heuchelt entweder oder hat das Pech, dass seinem Verein ein entsprechender Spieler gerade abgeht.

    Sorry, aber deine erneuten Einlassungen machen den Gehalt nicht besser. Ich mag dir gerne zugestehen, dass Zynismus nicht in deiner Absicht liegt. Aber zu unterstellen, dass ich als Besucher einer Großveranstaltung erst einmal von vorneherein mit 20 Toten rechnen muss, dabei zu implizieren, dass ich im Fall des Falles eben doch selbst schuld bin an meinem Schicksal: Das ist grober Unfug und kommt deshalb ziemlich zynisch rüber. Zumal die Besucher den Ernst der Lage an dieser Stelle vermutlich erst erkennen konnten, als es bereits zu spät war und nach vorne und hinten nichts mehr ging.

    Zitat

    Original von Río
    und "nur für Profis" würde ich das nicht abtun.
    Wir arbeiten zwar im Jugendleistungsbereich, aber Profis sind wir deshalb trotzdem nicht... ;)

    "Profis" bezog sich auf das medizinische Personal, nicht auf die Spieler. Wenn ich einen ausgebildeten Physio oder Arzt dabei habe, macht so ein Koffer Sinn. Wenn das Gesamtwissen der Betreuer auf Erste-Hilfe-Kurs und eigener Erfahrung beruht nicht.

    Ich weiß nicht, in welcher Liga du spielst, ergo: welche fachlichen und personellen Möglichkeiten ihr habt, aber die Kofferliste von firewater ist schon eher was für Profis.
    Bei uns ist drin: Kühlkompressen, Voltaren, Tape, Pflaster und Arnica-Globuli. Für alles andere wird in akuten Fällen der Notarzt/Sanitäter gerufen, bei bestehenden Beschwerden spielen die Leute nicht bzw. mit eigenen Hilfsmitteln und auf eigene Gefahr.

    Kleine Besserwisserei: Eine Angriffsformation mit 2 KL heißt 2:4-Angriff, weil 2 Spieler in der Fern- und 4 in der Nahwurfzone agieren ;)

    Zu deiner Frage: Es stimmt, ich kenne auch sehr viel mehr Spielweisen des Übergangs von 3:3 auf 2:4 selbst als des anschließenden gezielten Weiterspielens. Ein Klassiker ist aber das Umlaufen der Sperre gegen IR bzw. IL. Deine Halbspieler müssen sehr breit und trotzdem torgefährlich stoßen können, um HL bzw. HR weit nach außen zu ziehen. Der gegenseitige KL umläuft dann die Sperre seines Kollegen in den Schatten der Halbabwehrspieler. Das kann man zum Auftakt auch mit einem Kreuzen von Halb und Außen kombinieren.
    Ansonsten stimme ich Talentschmiede zu: Hängt von der Abwehrformation ab. Gegen offensive Gegner haben wir oft den Außen einlaufen lassen, während der KL zum Anspiel heraustrat. Das geht bestimmt auch mit 2 KL, vor allem, wenn einer davon Linkshänder ist bzw. als Rechtshänder sehr gut gegen die Hand werfen kann.

    Zitat

    Original von Betti
    Solange Bildung Ländersache bleibt geht da meiner Meinung nach erst mal gar nichts voran, jeder macht was er will und wie es ihm gerade einfällt.

    Selbst wenn Bildung nicht mehr Ländersache wäre, ist eine gemeinsame Reform fraglich. Irgendjemand hat in diesem Fred sinngemäß schon darauf hingewiesen, dass es ja nicht einmal ein gemeinsames Verständnis von Bildung gibt. (Schul-)Bildung soll je nach Lesart emanzipatorisch, werteorientiert, ökonomisch verwertbar, disziplinierend,... sein. Ohne gemeinsame Ziele keine gemeinsame Reform.

    Edit:Ich hab´s gefunden:

    Zitat

    Original von -F-:
    Lehrermangel und Klassengrößen sind doch auch nur Symptome. Der Kern des Problems liegt vielmehr darin, dass Bildung auf reine Zweckdienlichkeit reduziert wird. Für das "Gemeinwohl", ein höheres BIP, ...

    Genau!

    Interessant, eure Diskussion, da ist mir OT (noch dazu in einem OT-Forum) glatt egal. Ich bin mit Entwicklungspsychologie nicht sonderlich vertraut, sondern verfolge die Bildungsdiskussion eher aus der politischen Warte. Wenn ich mich recht erinnere, sagen die Gegner der frühen Selektion ja nicht, dass in einer verlängerten Grundschule alle Kinder per se besser lernen. Der Hauptkritikpunkt ist doch, dass durch die frühe Festlegung Kinder vom "geraden" Weg zum Abitur abgeschnitten werden - in einem Alter, in dem das noch garnicht nötig sei. Nicht umsonst dienten die wesentlichen Reparaturversuche am dreigliedrigen System in den letzten Jahrzehnten vor allem dem Zweck, die Folgen dieser vorschnellen Selektion abzufedern, in dem das System insgesamt durchlässiger gemacht und der zweite Bildungsweg ausgebaut wurde.
    Die Diskussion um die Lernerfolge guter Schüler in den zwei zusätzlichen Grundschuljahren wird ja vor allem geführt, weil die Anhänger des dreigliedrigen Schulsystems quasi mit Elitenförderung argumentieren. Sie befürchten, dass der schwache Rest das Niveau der Besten absenkt. Das wiederum ist meines Wissens durch keine Studie belegt.
    Diese Diskussion ist auch noch in anderer Hinsicht von Bedeutung. Der Tod der frühen Selektion könnte auf Dauer auch durch das Recht auf integrativen bzw. inklusiven Unterricht für Menschen mit Behinderungen kommen. Da muss man dann "stark" und "schwach" noch einmal ganz anders definieren. An Regelschulen, die integrativen Unterricht anbieten, entzündet sich der Widerstand auch prompt an diesem Thema.

    Mit dem Orden kann ich leben, weil sich die deutsche Mannschaft mit ihrem Auftreten schon um die positive Außendarstellung der Bundesrepublik verdient gemacht hat. Da hat halt ein Fußballteam Vorteile gegen alle anderen Sportler. Anbiedernd finde ich eher die Verkündigung im Kreis der Geehrten, noch dazu mit einer peinlichen Begründung. Aber der DFB beherrscht das enge mediale Zusammenspiel mit der Politik, seit ich denken kann.

    Ich mag mich der Schiri-Schelte nicht so ganz anschließen. Webb hatte ein paar Patzer drin. Grundsätzlich fand ich aber seine Linie sehr gut, das Finale nicht unbedingt selbst entscheiden zu wollen. Diese Art Wichtigtuer gab es bei der WM zuhauf, eine großzügige Linie kann nur ein exzellenter Mann durchziehen.
    Leider stößt das an Grenzen, wenn eine Mannschaft das Spiel des Gegners auch mit brutalen Mitteln zerstören will. Ich denke aber, die wichtigen Fehlentscheidungen haben sich die Waage gehalten (kein Rot für de Jong / Iniesta, falscher Eckball vor dem Tor / kein Elfmeter für Xavi).
    Vor dem Finale war ich völlig neutral, während des Spiels bin ich wgen der derben Gangart der Oranjes ins Lager der Spanier gewechselt, die auch völlig verdient gewonnen haben.

    Ich war fürs Halbfinale von vorne herein skeptisch, weil ich die Spanier einfach für bärenstark halte - auch wenn sie zuvor im Turnier nicht den ganz großen Glanz versprüht hatten. England hatte keine Mannschaft, Argentinien keinen Trainer. Spanien hat beides und das auf höchstem Niveau.
    Trotzdem habe ich bei dieser WM ein ganz neues "Fußballgefühl" entdeckt. Ich schaue seit 1974, etwas reflektierter seit 1982. Niemals in diesen ganzen Jahren hat Deutschland den schönsten und attraktivsten Fußball im Turnier gespielt (Die EM 1972, als das anscheinend anders war, habe ich nicht miterlebt). Niemals hat unser Team ausländische Fans begeistert. Unter ästhetischen Gesichtspunkten hatten unsere Kicker - mit Ausnahme von 1990 - eigentlich nie mehr als das Viertelfinale verdient. Von daher kann ich sehr gut mit diesem Turnier leben, egal ob 3. oder 4. Weltmeister wäre ja schon fast zu krass gewesen.

    Zitat

    Original von hamster-gestreift
    Unverdient!
    Diese arroganten Holländer rund um den Treter van Bommel, dessen Vergehen nie geahndet werden, stehen im Finale.
    Was freue ich mich schon auf deren traurige Gesichter nach der Niederlage gegen Spanien/Deutschland. :nein:

    Sehe ich in allen Punkten anders. Für mich ein verdienter Sieg gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Gegner. Allerdings haben die Niederlande wie schon gegen Brasilien ein glückliches (und in meinen Augen irreguläres) Tor benötigt. Trotzdem waren sie insgesamt die knapp bessere Mannschaft. Vielleicht wäre es anders ausgegangen, wenn Uruguay komplett gewesen wäre.
    Auch von Arroganz habe ich nichts bemerkt. Angesichts der Freude über den Finaleinzug hatte ich das Gefühl, dass die Niederländer das Spiel keinesfalls schon vorher gewonnen hatten. Und van der Vaart hat ohne Umschweife zugegeben, dass ihm in der Schlussphase der A... auf Grundeis ging.
    Van Bommel ist in meinen Augen ein harter, aber nicht unfairer Defensivspieler, der bei der WM nahtlos an seine guten Saisonleistungen anknüpft und wesentlich für den Erfolg der Oranjes verantwortlich ist. Aber das ist natürlich Ansichtssache.

    Zitat

    Original von Zickenbändiger
    Im Jugendbereich oder unteren Leistungsbereich Senioren habe ich aber nicht immer eine Granate auf LA oder RA.

    Genau. Und da gelten bei mir andere Regeln. Bei unseren Gegnern (wJA Bezirksliga) haben wir häufig nur Rechtshänder auf der rechten Angriffsseite, auf Außen teilweise harmlose Werfer. In diesen Spielen hilft/sichert AL konsequent nach innen, weil sie
    a) RR bei Durchbrüchen gegen die Hand auf der Wurfarmseite angreifen und
    b) die RA gegen meinen guten Torwart in die Wurffalle schicken kann. Das klapt in manchen Spielen fünf oder sechs mal. Nebenbei erspare ich meiner HM so einiges an Laufarbeit, weil sie gegen RR nur zur Mitte sichern muss. Auf der linken Seite, wo meist stärkere Werferinnen agieren, sieht das anders aus. Allerdings richtet sich das Abwehrverhalten auch dort eher nach Spielweise und Qualität der Gegnerinnen als nach Lehrbuchregeln.
    An guten Tagen schaffen es die Mädels, auf eigene Faust und abweichend von den Regelbewegungen Situationen zu lösen. Z.B. hat einmal HR Durchbrüche bzw. Abspiele der starken LA zur Mitte verhindert, während HM den RL aus der Mitte offensiv angegangen ist. Hat uns drei Tore vom Kreis gekostet, aber potenzielle acht oder zehn Treffer von LA bzw. RL aus dem Parallelstoß verhindert.

    Zitat

    Original von Kacid

    Ich zähle drei.

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    Original von Steinar
    Ich auch - aber vielleicht ist Lahm als Münchener ja auch nicht waschecht oder es hängt mit seinem Engagement in Stuttgart zusammen. :D


    Puh, wenigstens habe ich "zumindest" geschrieben, könnte mich also noch ein bisschen rausreden. Aber woher wusste Steinar, dass ich tatsächlich den Spielführer vergessen hatte?

    Abgesehen davon überzeugt mich der Index auch nicht. Quantität vor Qualität wurde schon kritisiert. Außerdem stört es mich, wenn subjektiven Entscheidungen (Torwartfehler oder glänzender Schuss) mit ein bisschen Erbsenzählerei ein objektives Mäntelchen übergezogen wird. Allerdings muss ich zugeben, dass dieser Index nicht schlechter ist als z.B. die merkwürdige Sitte der Spielerbenotungen von kicker bis sport1.

    Dass die Nationalelf Wurzeln von Polen bis Ghana hat, finde ich angenehm, aber heute auch einfach normal. Wer sich vor zehn, fünfzehn Jahren bei Jugendspielen umgeschaut hat, musste schon rein statistisch damit rechnen, dass sich die vielen "Migrationshintergrundskinder" irgendwann in der Spitze widerspiegeln.
    Der Fußball, den wir sonst für manche Fehlentwicklung im Sport verantwortlich machen, hat in Sachen Integration sicher eine positive Vorreiterrolle eingenommen. Ich warne allerdings davor, diese Tatsache jetzt politisch und historisch zu sehr aufzuladen. Das Beispiel Frankreich hat gezeigt, dass dem Sport auf diesem Level Aufgaben zugeschrieben werden, die er nicht erfüllen kann.

    P.S.: Zumindest zwei überragende deutsche Spieler sind waschechte Bayern. Auch eine integrative Leistung... :)

    Man könnte schon diskutieren, ob das Verhindern einer klaren Torchance im Strafraum (egal ob durch Foul- oder Handspiel) zusätzlich zum Elfer mit Rot geahndet werden muss. Da bewegt sich jede Abwehraktion in einem Grenzbereich mit ungeheuer viel Risiko. Wenn´s schiefgeht, muss der Schiedsrichter - regelkonform - sehr stark ins Spielgeschehen eingreifen. Ein Vorteil, der gerade uns Handballer eigentlich mit Neid erfüllen müsste, ist allerdings, dass der Schiedsrichter keinen Ermessenspielraum, sondern klare Vorgaben hat: Foul (oder Hand) ja/nein. Mehr muss er nicht entscheiden.

    Zur Nachberichterstattung des deutschen Spiels: Schön fand ich Scholli in der ARD, der einen Beitrag mit detaillierter Kritik an einzelnen Spielern etwa so kommentierte und damit Beckmann für einen Moment aus dem Konzept brachte:
    Beckmann: "Was sagen Sie zu Friedrichs Aussage?" Scholl: "Da habe ich schon nicht mehr zugehört, weil ich mit dem ganzen Beitrag nicht einverstanden bin."

    Zitat

    Original von Steinar
    Zum alltäglichen Sprachgebrauch gehört die Redewendung nicht

    Ach ja? Stefan Niggemaier hat in seinem Blog zurecht auf die simple, aber problematische Gleichsetzung "Kenn ich nicht = Kennt niemand" hingewiesen. Ob die Formulierung sonderlich passend oder glücklich ist, das ist eine Geschmacksfrage und damit für Diskussionen offen. Aber es gibt hinlänglich Belege, dass diese Redewendung a) bekannt, b) verbreitet und c) ironisch gemeint ist (oder war).

    Zum Thema Gordon Banks: Ich bin mir nicht sicher, meine aber, Delling hat einige Minuten später stillschweigend wieder zum Leben erweckt und in den Fernsehsessel platziert. Vielleicht hat ihn Netzer in der Moderationspause darauf hingewiesen.