Mir ist klar, dass ich vorsichtig sein muss, aus dem Amateurbereich auf den Profi-Handball zu schließen. Trotzdem wird das vielleicht relativiert durch die Tatsache, dass ich zwar nur dreimal die woche im Training bin, aber die Schiedsrichter meiner (Bezirksliga-) Klasse ihr Tun vermutlich auch nicht öfter reflektieren.
Ich wage zu behaupten, dass ich mich mit meinen +30 Jahren Erfahrung als Trainer leichter tue als mancher junge Schiedsrichter, Spielsituationen und Aktionen korrekt zu beurteilen. Dazu hätte ich als Ü50 womöglich einen besseren Stand auf dem Spielfeld als mancher 16-Jährige. Aber:
Wenn ich meine Bezirksliga-B-Jugend im Training pfeife,erlebe ich (sagen wir: in 15 Minuten) regelmässig, dass...
...ich 1,2 Situationen habe, in denen ich mögliche Regelverstösse übersehe, weil ich gerade damit beschäftigt bin, Laufwege, individuelle Aktionen etc. zu analysieren,
...ich Regelverstösse, die von den Spielerinnen moniert wertden, schlicht nicht gesehen habe, weil z.B. der Blick verdeckt war,
... und 2, 3, 4 Situationen schlicht so oder so interpretiert werden konnten.
Ich habe auch schon bei Hobby-Turnieren o.ä. als Schiedsrichter agiert. Das war wohl insgesamt keine Katastrophe, aber ich hatte auch legendäre Fehlleistungen: z.B. hatte ich einmal einen Wurf von LA an den Innenpfosten als Tor gegeben. Zwar hatte ich völlig übersehen, dass der Ball gar nicht imTor gelandet war, dafür konnte ich mit 100%iger Sicherheit sagn dass der Schütze nicht im Kreis war und der Abwehrspieler kein Foul begangen hatte. 
Was ich damit sagen will: Ich würde im Leben nicht darauf kommen, dass ich aufgrund meiner Trainer-Erfahrung per se der bessere Schiedsrichter wäre. Das sind einfach zwei völlig verschiedene Stiefel. Dass ich, würde ich einen Schiri-Schein machen, womöglich einen Startvorteil gegenüber einem unerfahrenen 16-jährigen hätte, bleibt unbenommen. Aber ansonsten vergleichen wir hier Äpfel mit Birnen.