Ich verstehe die gesammte Grundausrichtung des DHB nicht, dass aber zugegeben nicht erst seid gestern.Wir bilden in der Jungend individuel und taktisch nach DHB - Rahmentrainingskonzeption aus. Dabei ist der taktische Teil wesentlich Höher als bei den meisten anderen Nationen die zu den größeren im Handball gehören.
In der Juniorennationalmannschaften bildet und formt man Mannschaftstaktiken die auch zu Erfolgen in der Jungend führen. Warum bildet man in den Juniorenmannschaften offensive Deckungssysteme aus um dann im Seniorenbereich wieder in die 6:0 Uralt Deckung zu verfallen?
Hierauf gibt es zwei Antworten: Erstens, weil man die Nationalspieler nicht oft genug zu langen Lehrgängen zusammenbekommt, um diese Systeme einzuüben, und zweitens, weil man meint, nicht die passenden Spieler für solche Systeme zu haben. Das erste Argument halte ich für ein Scheinargument, da kaum Nationalmannschaften, die offenere Deckungssysteme spielen, ihre Spieler laufend zu Lehrgängen zusammenholen können, das zweite ist ist auch nicht viel besser. Da müsste man einfach mal den Mut haben, einen Schnitt zu machen, und Spieler einberufen, die solche Systeme kennen, sei es aus dem Verein oder aus der Juniorennationalmannschaft. Viel schlechter können als die derzeitige Truppe können die auch nicht spielen.
Aber solange man z.B. an einem Roggisch festhält, der für eine offensive Deckung zu langsam ist, geht ohnehin nichts. Auch der Versuch gestern mit Klein auf der Spitze war noch viel zu halbherzig, da viele Mannschaften mittlerweile *große* Spieler auf der Spitze spielen lassen, die körperlich präsenter sind und eine große Armspannweite haben, siehe z.B. Kiel, wo Klein eben nicht mehr, wie noch zu Serdarusics Zeiten, auf der Spitze spielt.
Es wird immer mal wieder gesagt, die Russen spielten unter Maximov Steinzeithandball, z.B. ihre uralte 5:1 mit Dibirov auf der Spitze. Aber die deutsche Nationalmannschaft ist kaum besser. Unter Brand war das schon ärgerlich, noch ärgerlicher ist aber, dass Heuberger, der sowas viel besser kann, was er durch seine Arbeit mit der Juniorennationalmannschaft hinlänglich bewiesen hat, jetzt auch solchen Steinzeithandball spielen lässt. Offenbar muss man in Deutschland seinen Handballverstand an der Garderobe abgeben, wenn man Nationaltrainer wird.
Wir haben nunmal keine Spieler ala Karabatic, Jicha und Co, warum arbeitet man also nicht mehr im Mannschaftstaktischen Bereich und vollzieht dabei endlich den überfälligen Umbruch.
Interessant wird es, wenn man mal darüber nachdenkt, warum das so ist. Warum haben die Franzosen mittlerweile zwei junge Spieler für die Rückraumpositionen, die Karabatic, Fernandez und Co. beerben können? Warum bekommen die Isländer, eine kleine Nation, seit vielen Jahren immer wieder Nationalmannschaften zusammen, die mit den Großen gut mithalten können? Was machen die anders? Irgendetwas *müssen* die ja wohl anders machen, sonst würden die auch so einen Gurkenhandball spielen.
Ist es vielleicht so, dass in Deutschland vor allem Spieler gefördert werden, die irgendeinem abstrakten Konzept davon entsprechen, wie ein Spieler auf einer bestimmten Position auszusehen hat und was er zu können hat? Hätte in Deutschland mit seinem Fördersystem z.B. ein Spieler wie Vranjes, um ein zugegebenermaßen extremes Beispiel zu nehmen, der ja nun so gar nicht den landläufigen Vorstellungen von einem Rückraumspieler entspricht, überhaupt eine Chance, oder würde der nicht eher aussortiert? Ein Vranjes in seinen besten Zeiten hätte gestern die Deckung der Montonegriner jedenfalls auseinandergespielt. Ein Kraus übrigens auch, aber das ist ja ein ganz spezieller Fall.
Da muss man auf jeden Fall mal in Ruhe beim DHB drüber nachdenken, wenn es denn da Leute geben sollte, die überhaupt bereit sind, ihre eigene Arbeit der letzten Jahre (und Jahrzehnte) in Frage zu stellen. Nur darauf zu warten, dass Glandorf und Kaufmann wieder zurückkommen und Djordic wieder fit ist, wäre dann doch zu billig und sicher keine Lösung.