Der Handball in HH hat es nicht im Ansatz geschafft, in 12 Jahren irgendwie auf finanziell unabhängigen Beinen zu stehen. Soalnge das nicht der fall ist, kann ich nicjht wirklich sehen, was er der Liga bringt.
Alles richtig. Da sind Fehler gemacht worden ohne Ende, so der Versuch, den Erfolg auf Teufel komm heraus zu kaufen, ohne dass der HSV eine solide Führungsstruktur hatte, ein Geflecht aus Sponsoren, das die Last auf mehrere Schultern verteilte und so weiter und so fort. Und dass jetzt etliche Leute das Geschehen in Hamburg mit unverhohlener Schadenfreude betrachten, ist verständlich, hat doch der HSV durch exorbitante Gehälter und Rentenverträge über Jahre die Preise verdorben etc. etc.
Dennoch hoffe ich, dass es in Hamburg weitergeht. Kleiner, bescheidener, mit einer soliden Struktur, auch wenn es dann ein paar Jahre dauert, bis sich wieder Erfolge einstellen. Der Knall jetzt ist eben *auch* die Chance für einen Neuanfang, und ich hoffe sehr, dass die Entscheidungsträger und die Spieler in Hamburg es genauso sehen. Denn auch die Spieler werden mitziehen müssen - oder gehen. Dass mit einer Insolvenz niemandem gedient ist, auch nicht der Konkurrenz, dürfte jedem, der ein bisschen auf das schaut, was republikweit im Sport geschieht, klar sein. Der Handball braucht *auch* in großen Städten Bundesligamannschaften, wenigstens in einigen, um nicht angesichts der Übermacht des Fußballs völlig aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verschwinden. Und dass in einer Stadt wie Hamburg auch mal schrillere Töne zu hören sind, ist einfach den Medien dort geschuldet. Die MoPo oder das Hamburger Abendblatt sind eben doch ein anderes Kaliber als die Kieler Nachrichten oder das entsprechende Flensburger Käseblatt.
Übrigens glaube ich auch, dass das Beispiel Hamburg und das Beispiel der Löwen ganz wichtiger Anschauungsunterricht für andere ist, um eben diese Fehler in Zukunft zu vermeiden. Die Füchse z.B. haben sicherlich daraus gelernt, wohl auch Burgdorf, das ja mindestens teilweise auch von einem Sponsor abhängt und ganz, ganz viel dafür tut, eine breitere Basis zu schaffen. Dass man dort (und sicher auch anderswo) so realistisch an die Sache herangeht, hat eben auch etwas mit dem Scheitern des HSV und dem Beinahe-Scheitern der Löwen zu tun.
Manche der Possen aus HH dürften für die Liga eher schädlich gewesen sein.
Auch das ist sicher richtig. Wobei ich aber zugeben muss, dass ich auch Mitleid mit Andreas Rudolph habe. Er ist ein Handballverrückter, im positiven Sinne, der viel in "sein" Kind investiert hat, nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Arbeit - und Emotionen. Wer ihn mal an der Bande hat toben sehen, weiß, was ich meine. Natürlich hat er Fehler ohne Ende gemacht, natürlich trägt er die Hauptverantwortung für das, was dort schiefgegangen ist. Das ist kaum zu bestreiten. Aber er hat es gut gemeint, er hatte eine Vision, für die er gekämpft hat, und steht jetzt vor einem Scherbenhaufen. Auch das muss man bei aller Häme sehen.
Und darum tut mir Andreas Rudolph eben auch leid.