Hier ein Artikel des Oberbergischen Stadt Anzeigers vom 23.05.02 zu dem Spiel des VfL gegen die HSG:
Ivanescu verspricht: Werden uns zerreißen
VON KLAUS FLÖTGEN, 23.05.02,
Zwar ist dem VfL Gummersbach der Klassenerhalt nicht mehr zu nehmen, aber das letzte Saisonspiel in Nordhorn steckt dennoch voller Brisanz.
Gummersbach - Auch im letzten Saisonspiel der Handball-Bundesliga sind die Profis des VfL Gummersbach noch einmal gefordert und können Geschichte schreiben. Gastgeber ist am Samstag die HSG Nordhorn, die mit einem Sieg Deutscher Meister werden kann, wenn der THW Kiel als Gast des Erzrivalen SG Flensburg-Handewitt nur Unentschieden spielt oder verliert.
„In diesem Spiel steckt viel Brisanz“, sagte VfL-Trainer Petre Ivanescu, „wir wollen alles geben und werden uns zerreißen, denn wir wollen uns sportlich fair gegenüber allen anderen Mannschaften verhalten.“
Nordhorn hoch verschuldet
Um die HSG Nordhorn gab es in den vergangenen Wochen Schlagzeilen, ein Schuldenberg von 1,8 Millionen Euro drückte. Die wirtschaftliche Existenz stand auf der Kippe, erst in der zweiten Instanz wurde dem norddeutschen Klub vom Ligaausschuss die Lizenz für die nächste Saison erteilt. Diese Entscheidung sorgte für Zoff im Bundesligaausschuss, der Kieler Manager Uwe Schwenker und sein Mindener Kollege Horst Bredemeier traten von ihrem Posten zurück. Vor allem Uwe Schwenker stellte öffentlich die wirtschaftlichen Rahmendaten in Frage. Dabei ging es speziell um die Personalkosten der mit Weltstars gespickten Nordhorner Mannschaft.
Selbst Bernd Rigterink, Manager des Teams aus der Grafschaft Bentheim, musste zuletzt zugeben, sich mit den Verpflichtungen des exzellenten Torhüters Peter Gentel und des wurfgewaltigen Ljubomir Vranjes übernommen zu haben. Beide mussten nämlich beim spanischen Erstligisten BM Granollers aus noch laufenden verträgen herausgekauft werden. Neben diesen beiden verfügt der Klub mit Frode Hagen und Robert Andersson über weitere Scharfschützen, mit den Außen Torsten Jansen und Jan Filip über eine tolle Flügelzange und mit Dragon Skribic über einen der effektivsten Kreisspieler der Liga.
Finanzielle Sorgen hat der VfL Gummersbach bekanntlich nicht mehr. Nach der Sanierung durch den Unternehmensberater Jochen Kienbaum und dessen Unternehmen wird der Traditionsklub in der kommenden Saison den Etat dank neuer Kölner Großsponsoren auf 3,5 Millionen Euro verdoppeln. Petre Ivanescu machte sich auch schon Gedanken um eine Verstärkung der Mannschaft. „Die halblinke Rückraumposition sehe ich derzeit nicht als akutes Problem, wenn Marco Beers so bleibt“, sagte der erfahrene Coach, „auch Tobias Schröder wird sich noch steigern, wenn er seine Rückenmuskulatur ausgebaut hat.
Wir brauchen nach meiner Ansicht eine Entlastung für Kyung-Shin Yoon, eine Verletzung ist fatal für die Mannschaft. Wir haben es alle nach dem Kieler Spiel erlebt, danach hat sich Yoon für die Mannschaft geopfert.“
Kein Fingerspitzengefühl
Noch nicht verdaut hatte Petre Ivanescu im übrigen die Umstände der letzten Niederlage in der Kölnarena: „Die Schiedsrichter Methe / Methe hatten doch einfach kein Fingerspitzengefühl für so ein Handballfest. Diese Vorstellung der beiden war eine sehr negative Leistung für den Handball, das war nur destruktiv. Leider haben wir so etwas zuletzt in Willstädt, Schwartau und in Kiel erlebt. Wir brauchen eine stärkere Mannschaft, um von solchen Entscheidungen unabhängiger zu werden.“
Physisch und psychisch habe der VfL in den letzten Wochen an der Grenze gespielt. „Mehr ist zur Zeit nicht rauszuholen“, so Petre Ivenescu , „ich bin froh, dass wir die Bundesliga gehalten haben. Gegen Essen haben wir noch einmal gut gespielt. Vielleicht können wir uns in Nordhorn noch einmal um zehn Prozent steigern, dann haben wir auch dort eine Chance.“
Übrigens: Fernsehsender NDR 3 bietet von 15 bis 17 Uhr eine Konferenzschaltung zwischen Flensburg und Nordhorn an.