Das stand Heute im Kölner Stadt Anzeiger:
Hasanefendic sauer: „Dilettanten“
VON KLAUS FLÖTGEN, 06:31h
Für jede Menge hitzige Diskussionen sorgte die letzte Entscheidung der Schiedsrichter beim 28:28 gegen Großwallstadt.
Gummersbach - 59:58 Minuten zeigte die Hallenuhr an, als der VfL Gummersbach im Bundesligaduell gegen den TV Großwallstadt einen letzten Freiwurf ausführen durften. Kurzer Pass von Andreas Rastner auf Kyung-Shin Yoon und der Koreaner warf den Ball ohne Verzögerung und ohne einen Zwischenschritt ins Tor. Die Großwallstädter Spieler sanken deprimiert zu Boden, konnten ihr Unglück nicht fassen. Kyung-Shin Yoon ließ sich von Fans und Mitspielern feiern und wurde von den Fotografen in Siegerpose abgelichtet, die Halle tobte. Das Spiel endete trotzdem offiziell 28:28 (17:14), weil cirka zwei Minuten nach dem einsetzenden Freudentaumel Gästetrainer Peter Meisinger aus der Schiedsrichterkabine stürmte und seinen Spielern ausgelassen mitteilte, dass die Unparteiischen Klaus Pioro und Ralph Strick dem Treffer von Yoon die Anerkennung versagten.
Fortan herrschte in der Eugen-Haas-Halle das totale Chaos, wilde Gerüchte über eine neue Regel machte die Runde, bei der Rekonstruktion des Ablaufs wurde es immer schwerer Realität und Fiktion auseinander zu halten. War also der Ball innerhalb der zwei Sekunden über der Linie oder nicht? Selbst Peter Meisinger wollte dazu keine Stellung nehmen: „Wir sind in Kiel und sonstwo beschissen worden, wir haben den Punkt, Ende.“
Kollege Sead Hasanefendic sah die Lage natürlich ganz anders, nach verschiedenen unerfreulichen Begebenheiten mit den Schiedsrichtern in der laufenden Saison (Essen, Eisenach) platzte dem Kroaten der Kragen, in einem minutenlangen Dialog prangerte er die mangelnde Professionalität der deutschen Schiedsrichter an. „Ich arbeite seit fast dreißig Jahren in ganz Europa in Sachen Handball, doch solche Dilettanten wie heute gibt es nur in der Bundesliga. Was in zwei Sekunden möglich ist, hat ein deutsches Institut wissenschaftlich gemessen und bewiesen. Sekunden entscheiden auch über Leben und Tod, auch im Handball ist das eine lange Zeit und das uns so etwas in einem Heimspiel passiert, ist unglaublich. Wir haben das Recht zu gewinnen, auch wenn wir schlecht gespielt haben.“
Passen und Werfen von neun Metern über die Torlinie innerhalb von zwei Sekunden. Für VfL-Manager Carsten Sauer ist der Fall klar, er legte sofort Protest ein und sah sich auch bald durch eine erste Videoauswertung bestätigt: „Beide Schiedsrichter heben den Arm und erkennen das Tor an, der Anwurf und der Wurf wurden ohne Verzögerung ausgeführt und ein Standbild macht deutlich, dass der Ball über der Linie war, als die Spielzeit auf der Uhr nicht beendet war. Wir haben nicht gut gespielt, aber ein reguläres Tor ist ein Tor.“ Zur Summe der Merkwürdigkeiten passte im übrigen, dass nach Aussage von Carsten Sauer das Kampfgericht die Aussage verweigerte. Weder die beiden Zeitnehmer noch die Schiedsrichter waren im übrigen zu einer Stellungnahme gegenüber den Medienvertretern bereit, sie verschwanden durch die Hintertür.
Nach vier Siegen in Folge hatten sich die Gummersbacher ansonsten sportlich an diesem Abend vor 1900 Besuchern nicht mit Ruhm bekleckert. Selbst eine 12:7 Führung vor der Pause, oder eine 25:21-Führung nach der Pause brachte keine Ruhe ins Spiel. Dank haarsträubender Chancenverwertung des VfL (Schröder, Ilper, Fernandez) führte Großwallstadt in der Schlussphase sogar mit 28:27 (57.) Die schnellen Gegenstöße kamen zu selten. Die offensive Deckung der Gäste behagte überhaupt nicht, so blieb es wie in den vergangenen Jahren bei einer Einmannshow, denn nur Kyung-Shin Yoon spielte an diesem Abend ohne Fehl und Tadel.
Gummersbach: Stankiewicz, Wiechers; Ilper (2), Yoon (10 / 1), Beers, Houlet (6 / 4), Lapcevic (3), Schröder, Kurtagic (3), Handschke (1), Bommes (3), Fernandez.
Also Yoon hat wohl ohne Zwischenschritt direkt draufgeworfen nach dem der Ball zu ihm von Rastner gespielt wurde... Achja und das die Schiedsrichter und das Kampfergericht später die Aussage verweigern ist auch komisch, genau dafür wurde doch auch erst Hasanefendic aufs schärfste von den Eisenachern kritisiert.