Für 11 Millionen Euro
FC Bayern kauft 1860 Stadionanteile ab
27.04.2006
Die Münchner Allianz Arena gehört ab sofort zu einhundert Prozent dem FC Bayern. Wie der Vorstand des Rekordmeisters, Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner, sowie die Geschäftsführung des TSV 1860 München, Dr. Stefan Ziffzer und Stefan Reuter, am Donnerstagmittag im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mitteilten, hat die FC Bayern München AG den 50-Prozent-Anteil des TSV 1860 an der Allianz Arena Stadion GmbH für eine Kaufsumme von 11 Millionen Euro übernommen. Damit ist der FC Bayern ab sofort alleiniger Gesellschafter der „Allianz Arena München Stadion GmbH“ und damit alleiniger Eigentümer der Allianz Arena.
Hintergrund dieser Transaktion ist die schwere Finanzkrise beim TSV 1860. „Damit haben wir die Insolvenz vermieden, denn eigentlich sind wir es schon länger“, gab der neue 1860-Geschäftsführer Dr. Stefan Ziffzer auf der Pressekonferenz zu. „Ohne die Aktion des FC Bayern hätten wir uns verabschieden können“, so Ziffzer, der zuvor Einblick in die düstere finanzielle Situation der Löwen gegeben hatte.
Bayern stehen für alle Schulden ein
Die Stadion GmbH bleibt auch weiterhin als eigenständige Firma erhalten. Wie bisher werden der FC Bayern und der TSV 1860 Mieter des Stadions sein. Mit den Mietzahlungen tilgt die Stadion GmbH planmäßig die Verbindlichkeiten, die durch den Bau der Allianz Arena entstanden sind.
„Wir machen das nicht aus Brüderlichkeit oder Sympathie zum TSV, sondern aus reinem Eigeninteresse“, betonte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Durch die komplette Übernahme aller Stadionanteile habe man ein enormes Risiko auf sich genommen, erklärte Manager Uli Hoeneß. „Wir haben das Stadion nun mit all seinen Schulden.“ Und das sind über 300 Millionen Euro.
Finanzspritze auf Raten
Gemäß der am Donnerstag Vormittag notariell beglaubigten Vereinbarung zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 haben die Löwen die Möglichkeit, spätestens bis zum 30. Juni 2010 ihre Anteile von den Bayern für den heutigen Kaufpreis von 11 Millionen Euro zuzüglich 6,5 Prozent Zinsen zurückzukaufen. Die 11 Millionen Euro „Finanzspritze“ (Hoeneß) werden die Bayern nicht auf einmal an den TSV 1860 auszahlen, sondern in Raten verteilt auf die nächsten Jahre.
Zudem vereinbarten beide Parteien einen Nachlass im Bereich der Business Seats, der bis zur Saison 2008/09 greift. Vereinbart war ursprünglich, dass der TSV 1860 eine Garantiesumme in Höhe von drei Millionen Euro per anno aus der Vermarktung der Business Seats - unabhängig von der Ligazugehörigkeit - an die Stadion GmbH zahlt. Gemäß der am Donnerstag getroffenen Vereinbarung muss der TSV 1860 nun im Falle der Zweitligazugehörigkeit lediglich eine Million Euro per anno zahlen, im Falle der Regionalligazugehörigkeit sogar nur 500.000 Euro, im Falle der Erstligazugehörigkeit wie bisher drei Millionen Euro. Die jeweils entstehende Differenz zu den ursprünglich vereinbarten drei Millionen Euro werden im Falle des Rückkaufes ebenfalls inkl. 6,5 Prozent Zinsen zur Rückzahlung fällig.
Kein Einfluss auf Transferpolitik
Bayern-Vorstand Karl Hopfner betonte ausdrücklich, dass es „sehr wichtig für uns ist, dass 1860 weiter in der Allianz Arena spielt und Miete zahlt.“ Das sei auch die Motivation für das mit dem TSV vereinbarte Paket gewesen. „Wir machen das nicht für eine Ehrenmitgliedschaft beim TSV 1860. Wenn es den Verein nicht mehr gibt, haben wir einen Klotz am Bein, an dem auch wir uns verschlucken könnten“, gestand Hoeneß.
Auf die aktuelle Finanzpolitik des FC Bayern, zum Beispiel die Transferpolitik, habe diese Transaktionen keinen Einfluss. „Das wird die nächsten drei, vier Jahre unsere Transfers nicht beeinflussen“, versicherte Hoeneß. Die 11 Millionen werde man „innerhalb der Bank“ umschichten.
Ziffzer legt Schuldenstand offen
Der FC Bayern hat vor knapp zwei Wochen erstmals Einblick in die bedrohliche Situation beim TSV erhalten. Rummenigge bedankte sich dafür explizit bei Ziffzer. „Er hat bei uns die Hosen runtergelassen und erklärt, die Insolvenz sei nicht mehr ausgeschlossen“, berichtete der Bayern-Boss über ein gemeinsames Gespräch. Seitdem arbeiteten Hopfner und Ziffzer fast rund um die Uhr an dem nun realisierten Rettungsplan für den TSV 1860
Ein Darlehen an den Lokalrivalen, wie zwischenzeitlich öffentlich spekuliert worden war, sei nicht möglich gewesen, so Hopfner. „Wir helfen dem TSV, auf Dauer zumindest in der zweiten Liga zu spielen“, sagte Hoeneß, der großes Vertrauen in die neue Löwen-Führung um Ziffzer und Manager Stefan Reuter hat: „Mit ihnen haben wir zwei Partner für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“.