Ich will eigentlich nicht schon wieder damit anfangen, aber es sollte sich angesichts unserer satten 50%-Quote an verbliebenen Teilnehmern in allen Wettbewerben (ohne CHC, wo wir ja nicht mitspielen), einer 75%-Quote im Halbfinale des EHF-Cup und einer möglichen 100%- und denkbaren 75%-Quote im Halbfinale des Landesmeistercups vielleicht ja doch mal jemand in Wien Gedanken machen, ob der derzeitige Modus noch gesund ist. Irgendwann wird sich (außerhalb Deutschlands, freilich
) nämlich niemand mehr für diese Wettbewerbe interessieren, wie man beim internationalen Feldhandball ja schon studieren konnte, der genau daran zu Grunde gegangen ist.
Was ist denn die Alternative? In der Champions-League könnten wieder weniger Mannschaften aus einem Land antreten, also nur der Titelträger. Nur dann hast Du in den ersten Runden genau das, was den EHF-Cup bzw. den Pokalsieger-Cup so uninteressant macht: Du hast Ergebnisse der zweiten Garnitur von Kiel, Ciudad Real oder Montpellier gegen Underdogs mit letztlich +30 Toren Differenz, im Gesamtergebnis. Und bis zum Halbfinale hast Du nur bei Lospech mal ein Knaller-Spiel dabei, nur damit am Ende dann die Mannschaften aus Deutschland, Spanien, Frankreich und wahlweise Kroatien, Dänemark oder Russland die Halbfinalteilnehmer stellen. Wo ist da die Spannung?
Und der EHF-Cup sähe ziemlich exakt genauso aus, der Pokalsieger-Wettbewerb vermutlich auch. In 50 % der Fälle wird man ein Endspiel haben zwischen Deutschland und Spanien, wie 2007. Und das ist dann auf Augenhöhe. Aber man hat halt deutlich weniger Statisten als jetzt, was seinerseits die Wettbewerbe in den einzelnen Ländern auch wieder weniger attraktiv macht, wenn insgesamt weniger Mannschaften mitspielen.
Die Dominanz der spanischen Mannschaften in der Spitze bzw. der deutschen Mannschaften in der Breite ist eben gegeben. Wenn man das ändern will, müsste man die spanische bzw. deutsche Liga ändern, so dass die Leistungsdichte nicht mehr gegeben ist, gerade in Deutschland. Wieso schafft es denn Großwallstadt als 10. der Bundesliga erst den THW Kiel in fremder Halle zu besiegen und dann noch ins Halbfinale des EHF-Cup einzuziehen? Da ist doch das Problem. Wenn man in Deutschland eine möglichst starke Liga haben will, um diese spannend zu halten, muss man halt damit rechnen, dass sich die Teams auch international durchsetzen. Zumal ich diese Dominanz nur teilweise sehe. Es gab ja in vergangenen Spielzeiten auch genug Beispiele, als deutsche Mannschaften sogar kläglich gescheitert sind gegen sogenannte "Underdogs". Insofern sehe ich das nicht so krass wie Du.
Das ist meines Wissens das erste Mal, dass der HSV bei der theoretischen Möglichkeit, gegen Ciudad Real gelost zu werden, nicht dieses Los abbekommen hat. Nominell vielleicht das leichtere Los gegenüber den drei Alternativen, aber sicherlich kein "Dusel-Los". Moskau hat ne gute Mannschaft, wenn ich mir die Ergebnisse der Gruppenphase anschaue. Sicher, der HSV kann / sollte gegen die Russen bestehen, aber ein Selbstläufer, wie einige andeuten, wird das sicherlich nicht.
Flensburg wird es sicherlich sehr schwer haben, auch wenn Ciudad Real wohl nicht mehr die Übermannschaft ist wie in den letzten Jahren. Kiel gegen Barcelona ist natürlich das Top-Duell, wobei ich da die Vorteile auf Kieler Seite sehe. Montpellier gegen Mannheim dürfte auch sehr spannend werden. Selbst wenn die Franzosen mit den Kadetten deutlich mehr Probleme hatten als gedacht, so haben sie doch allemal das Format, um ins Final Four einzuziehen.