Die Meldungen über die Schwierigkeiten von Ciudad Real, das Kasi-Theater der Rhein-Neckar-Löwen, die Meisterschaft des HSV oder das Gebaren meines VfL in der letzten Zeit werfen bei mir die oa. dringliche Frage auf: Inwieweit ist das Mäzenatum einzuschränken oder gar zu verbieten?
Jetzt könnte man argumentieren, dass ist doch Sache des jeweiligen Vereins damit umzugehen bzw. umgehen zu müssen. Zahlt der Mäzen ist das schön. Widmet er sich anderen Hobbies zu, droht die Pleite. Was geht das die anderen Klubs an?
Wo fängt Mäzenatentum an, wo hört Sponsoring auf? Sicher, wenn Herr Rudolph seine Privatschatulle öffnet, um dem HSV Hamburg ein paar Milliönchen zukommen zu lassen, ist das eindeutig Mäzenatentum. Nur was passiert, wenn sein Unternehmenskonglomerat die paar Milliönchen zahlt, auf sein Geheiß hin? Ist das dann auf einmal Sponsoring, weil der Schriftzug des Unternehmens dann die Brust der Spieler ziert?
Immer dran denken, mit einer Regelung übers Mäzenatentum wären der Liga die Negativschlagzeilen wie Nordhorn, Essen, Gummersbach (Maxima) und Dormagen (2001) erspart geblieben. Und die anderen, indireten wohlmöglich auch.
Sicher? Wie müsste denn die Regelung aussehen? "Natürliche Personen dürfen keine Beträge größer als (fiktive Zahl) 5.000 € pro Jahr für einen Handballverein ausgeben."? Damit würde man doch lediglich befördern, dass dann juristische Kontrukte umgesetzt werden, die diese Regelung umgehen. Und voilà, es wäre wieder legal. Und so gut wie nichts hätte sich geändert.
Was kann man machen, um die Gehaltsspirale zu stoppen (wenn man das denn will)? Sicher, die HBL könnte in Eigenregie eine Art Salary Cap einführen. Nur dann würden die Spitzenteams über kurz oder lang hinter Teams wie Kielce, AG Kopenhagen oder Ciudad Real (bzw. Atletico Madrid) zurückfallen auf europäischer Ebene. Und europaweit ein Salary Cap einzuführen, halte ich für komplett illusorisch.
Eine Einteilung der Handballer in verschiedene Kategorien halte ich auch nicht für machbar. Wer will das objektiv machen, nach welchen Kriterien? Was passiert bei falscher Einteilung, darf ein Spieler / ein Verein dagegen vorgehen, in welchem Zeitraum...? Das zieht einen ungeahnten Rattenschwanz an Nebenwirkungen nach sich. Von den unzähligen Fan-Diskussionen ganz zu schweigen (die sicherlich die am wenigsten ins Gewicht fallende Folge wären... ;)).
Die europaweite Regelung, dass ein Mäzen nur jeweils ein Team in der Hauptsache fördern darf, ist ein Anfang. Und nötig. Warum sie grundsätzlich schädlich für den Handballsport sein sollen, ist mir aber nicht klar. Sicher, sie haben mit zur Entwicklung der Gehälter beigetragen. In welchem Umfang, lasse ich mal dahingestellt. Denn da haben auch die seit der WM 2007 deutlich verstärkte Medienpräsenz und das damit einhergehende allgemein größere Sponsorenaufkommen einen erheblichen Beitrag geleistet. Und diese Spirale jetzt zurückzudrehen, ist wohl unmöglich. Ob man Möglichkeiten findet, eine Art Begrenzung zu entwickeln, die von allen Vereinen mitgetragen wird, muss wohl erstmal dahingestellt bleiben. Dazu sind die Interessen zu verschieden und die HBL gefällt sich auch zu sehr in der Rolle des "heimlichen" Widersachers gegen EHF und DHB.