Hin und wieder liest man ja davon, dass einige Dialekte "vom Aussterben bedroht" sind...
Ich frag mich allerdings, ob das wirklich so schlimm ist.
Muss man wirklich dem Aussterben entgegensteuern und z.B. an Schulen diese Sprachtradition aufrecht erhalten ? Würdet ihr eure Kinder mundartlich erziehen, damit der Hintertupfingen-Dialekt weiter bestehen bleibt ?
Brauchen wir wirklich diese ganzen Dialekte, die später außerhalb des eigenen Dorfes niemand mehr versteht ?
Ich glaube, mir würde ohne Dialekte nichts fehlen...
Dialekte sind ein Teil der Kultur einer Region, der regionalen Identität. Einem Berliner oder Hamburger mag es recht egal sein, ob in Hintertupfingen ein Dialekt, der seit mehreren Jahrhunderten dort gesprochen wurde, im jahre 2015 ausstirbt, weil niemand ihn mehr spricht. Aber in Hintertupfingen geht damit etwas verloren, was diesen Ort so einmalig gemacht hat, was die Identität dieses Ortes zu einem Teil ausgemacht hat und von Vordertupfingen und Niedertupfingen unterschieden hat (sorry für die tupfigen Beispiele...
).
Vielleicht basiert auf unterschiedlichen Sprachfärbungen ja eine ganze Geschichte an Fehden oder Freundschaften, an historischen Geschehnissen, die heute kaum noch bekannt sind, allenfalls noch einigen wenigen Personen aus Hintertupfingen. die aber vor 300 Jahren eine Schlacht entschieden haben oder eine Heirat verursacht haben, die weitreichende Auswirkungen auf die regionalen Gegebenheiten hatte.
Und auch in Berlin oder Hamburg würde man das Wegfallen von Dialekten bemerken. Wenns beim Bäcker keine Schrippen mehr gibt, sondern nur noch Semmeln, weil sich der bayrische Dialekt durchgesetzt hat. Oder Weckle, weil sich der schwäbische Dialekt als dominant erwiesen hat. Dann heißen Pfannkuchen auch in Berlin "Berliner". Dialekte und mundartliche Ausdrücke machen doch erst eine Sprache bunt und vielseitig, geben Anlass zu Amüsement und manchmal auch Streit, wenn sich die Bedeutung ein und des selben Wortes in zwei Dialekten fundamental unterscheidet und man deswegen einem Satz völlig verschiedene Bedeutungen beimisst.
Dialekte bereichern unsere Sprache. Sie aufzugeben hieße, einen Teil unserer Identität, regional oder überregional, aufzugeben. Das kann einem natürlich egal sein in Zeiten, in denen die meisten Innenstädte austauschbar sind, weil Douglas neben Peek & Cloppenburg neben Ansons neben s´Oliver das Geschäft hat und man nur noch am Dialekt erkennt, ob man sich in Stuttgart, Berlin oder Köln befindet. Aber ich denke, dass erst das Identifizieren mit einer Region (oder mit einem Land) einen Teil unserer eigenen Identifikation ausmacht.
Um mal eine Parallele zum Handball zu ziehen: Will man Mannschaften, bei denen die Spieler austauschbar sind? Oder sollen sich die Spieler mit dem Verein, vielleicht sogar der Region, identifizieren? Doch wohl eher letzteres. Also darf es auch ruhig Merkmale geben, die eine Region unverwechselbar machen. Wie ihren Dialekt.