BU Hildebrandt hat es in in den Hauptteil der FAZ geschafft. Im Sportteil gibt es folgenden Artikel. ich weiß, gleich werden einige Leser einwenden, dass die FAZ sicher kein Ritterschlag ist, dennoch finde ich es beachtlich. Er scheint derzeit einer der wenigen integer scheinenden Ansprechpartner der Liga zu sein. Ein möglicher Nachfolgre wird in große Fußstappfen treten.
FAZ vom 28.12.
ZitatAlles anzeigenDer Manager des SC Magdeburg hat in Hamburg wenig Freunde
Gleich in die Nesseln gesetzt Handball-Liga-Chef Hildebrandt
fei. HAMBURG. In seiner Heimat Sachsen-Anhalt gehört Bernd-Uwe Hildebrandt zur raren Spezies der VIPs. Vor einiger Zeit machte sogar die vielbeachtete MDR-Sendung "Hausbesuch" Station bei den Hildebrandts und bewunderte die Hirschgeweihe an den Wänden. Der Hobbybauer Hildebrandt jagt, er züchtet auch Pferde. Er ist ein Mann, der anpackt. Ausgelastet scheint der joviale Manager des SC Magdeburg nie; im Hauptjob arbeitet er als Leiter des Olympiastützpunktes Magdeburg-Halle. Und so hat es im Herbst 2004 niemanden gewundert, daß Hildebrandt als einziger Kandidat zum neuen mächtigen Mann im deutschen Handball wurde: einstimmig wählten ihn die Delegierten zum Vorsitzenden der Liga-Vereinigung HBL.In seinem ersten Härtetest hat sich Hildebrandt gleich in die Nesseln gesetzt. Am Mittwoch vor Weihnachten hat er wieder ein paar Feinde hinzugewonnen, und zwar in Hamburg. Hier gibt es ohnehin wenige Freunde. In der für ihn typischen Klarheit hat Hildebrandt die Fehler und Versäumnisse des HSV Hamburg benannt und beim Punktabzug für die Höchststrafe plädiert, acht Zähler. So kam es auch. "Ein seriöser HSV wäre gut für die Liga, aber dieser Klub hat uns in den letzten anderthalb Jahren nur geschadet", sagte Hildebrandt. Beim HSV wähnte man sich nicht fair behandelt, weil Hildebrandt eben auch Manager des SCM ist. Doch den Beschluß trug der gesamte HBL-Vorstand. Als reichte das nicht, besiegte Magdeburg die Hamburger am Sonntag auch noch mit 37:29.
Hildebrandt war als Mitglied des Ligavorstandes schon im Sommer dagegen gewesen, dem HSV die Spielgenehmigung zu erteilen. Er wurde überstimmt. "Mir war schon da klar ersichtlich, daß der Klub völlig überschuldet ist", sagt er. Daß in den Verhandlungen dann sein Vorgänger Jacobsen den Finger für den HSV hob und wenig später Präsident ebendieses Klubs wurde, fand Hildebrandt schlichtweg "anrüchig". Mittlerweile hat Jacobsen auf die Kritik reagiert und wird das Amt am Mittwoch an den Unternehmer Andreas Rudolph übergeben. Der 37jährige ehemalige Bundesligaspieler hat sich inzwischen geäußert: "Ich bin nicht der Geld-Onkel, aber ich habe keine Zweifel, daß wir eine Lösung mit der Liga finden. Ich stehe für Ehrlichkeit und Transparenz." Rudolph kündigte darüber hinaus bis zum 24. Januar ein neues Sanierungskonzept an. Der Lizenzantrag für die Saison 2005/06 muß bis zum 1. Februar eingereicht worden sein. Hauptaufgabe von Rudolph ist die Vermeidung eines Konkurses beim wirtschaftlichen Träger Omni Sport, der unweigerlich einen Zwangsabstieg des HSV zur Folge hätte. Omni Sport soll mit rund 2,3 Millionen Euro Verbindlichkeiten belastet sein.
Für Hildebrandt ist die Amtszeit eine kurze, denn die HBL sucht für die Zeit vom Sommer 2005 an einen hauptamtlichen Chef der Liga. Er soll aus der Wirtschaft kommen. Hildebrandt hat sich vorgenommen, das ihm verbleibende Dreivierteljahr im Sinne der Liga zu nutzen. "Ich will die Probleme lösen, die sich in den letzten anderthalb Jahren aufgestaut haben", sagt Hildebrandt. In den vergangenen anderthalb Jahren war Heinz Jacobsen Liga-Chef; die wenigsten waren zufrieden mit ihm, weil das große Ziel, die Zentralvermarktung der Liga, kein Stück vorankam. Aber auch Jacobsen machte den Job nur, weil sich kein anderer fand. Mit Hildebrandt scheint die Liga zufriedener. "Er hat seinen Verein gut im Griff und wird das für die verbleibende Zeit auch bei der HBL schaffen", sagt etwa der Kieler Manager Uwe Schwenker, selbst immer wieder mit dem Posten des Liga-Bosses in Verbindung gebracht. Sein Flensburger Kollege Thorsten Storm sagt: "Wir sollten froh sein, daß er es macht."
Zu Hause in Magdeburg kann Hildebrandt nach Gutsherrenart lenken. Dazu gehört für ihn auch, Profis aufs Parkett zu schicken, die nach Verletzungen kaum wieder fit sind. Er ist der starke Mann beim SCM. Die Handballspieler sind auch dank seines Managements die einzige ostdeutsche Mannschaft, die sich gegen den Westen behaupten kann. 2001 wurde das Team um Stefan Kretzschmar Meister, 2002 gewann der SCM die Champions League. Die Berliner "tageszeitung" nannte Hildebrandt einmal den "raffiniertesten Manager, den der ostdeutsche Sport in den Wendewirren hervorgebracht hat". Handball boomt in Magdeburg und Sachsen-Anhalt, und das ist vor allem sein Verdienst in dieser strukturschwachen Region. Während die norddeutschen Vereine ihre Stars aus Skandinavien holen, schaut Hildebrandt nach Osteuropa: Polen, Rußland, Slowenien. Hinzu kommen Talente aus dem besten deutschen Handballnachwuchs. Hildebrandt, der einstige FDJ-Sekretär, verbindet marktwirtschaftliche Prinzipien mit sinnvollen Ansätzen des DDR-Sportsystems.
Zur nord- und westdeutsch geprägten Bundesliga ist der SCM das wichtigste Gegengewicht. Insofern paßt es, daß Bernd-Uwe Hildebrandt an die Spitze der Liga rückte. Und vielleicht ist die Fahndung nach einem Nachfolger ja so erfolglos wie damals bei Jacobsen. Dann könnte Hildebrandt noch länger als Liga-Chef an seinem Traum basteln, irgendwann das digitale Fernsehen für den Handball nutzbar zu machen und ein Format im Stile "Alle Spiele, alle Tore" zu produzieren.